„Fühle mich nicht als Superstar“

Sport / 25.02.2018 • 18:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Doppeltes Gold: Die Tschechin Ester Ledecka zeigt ihre Goldenen vom Snowboard und Ski Alpin.GEPA
Doppeltes Gold: Die Tschechin Ester Ledecka zeigt ihre Goldenen vom Snowboard und Ski Alpin.GEPA

Pragerin Ester Ledecka hat nach dem alpinen Super-G auch den Snowboard-PGS gewonnen.

Snowboard Mit 22 Jahren hat sie das geschafft, was zuvor noch keiner Frau gelungen war: zwei Goldmedaillen in zwei Sportarten bei ein und denselben olympischen Winterspielen zu gewinnen. Exakt eine Woche nach ihrem sensationellen Triumph im alpinen Super-G wurde Ester Ledecka gestern im aus allen Nähten platzenden Phoenix Park in Bokwang ihrer Favoritenrolle im Snowboard-Parallel-Riesentorlauf gerecht. Mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Keine Spur von Nervosität oder Anspannung. Die junge Pragerin spulte ihr Programm ab, als wäre es ein Landescup im Böhmerwald. Ledecka zeigte keine Nerven und ist obendrein noch ganz schön witzig.

Als sie sich nach ihrem Ski-Triumph bei der Pressekonferenz hartnäckig geweigert hatte, ihre Rennbrille abzunehmen, weil sie kein Make-up aufgetragen hatte, waren ihr die Lacher der Journalisten sicher gewesen. Auch nach dem zweiten Olympiasieg präsentierte sie sich locker flockig, redete frisch von der Leber. Diesmal ein bisschen geschminkt. „Um ehrlich zu sein, bin ich heute sehr früh aufgewacht. Noch früher aufzustehen, nur um mir Make-up draufzumachen, macht aus meiner Sicht keinen Sinn.“ Zudem gestand sie: „Es stimmt. Ich esse eine Menge Schokolade. Es ist eine Art Doping für mich.“

Sehr wohl lohnenswert ist das Engagement, das sie in ihr Training steckt. Pyeongchang 2018 hat sich auf allen Ebenen ausgezahlt für Ledecka, die trotzdem nicht den Boden unter den Füßen verlieren wird: „Ein Superstar? Nein, so fühle ich mich nicht. Aber es hört sich gut an. Jeder, der hier eine Medaille gewinnt, hat etwas Besonderes geleistet“, sagte die Athletin, die auch die Herzen des Gastgeberlandes eroberte: „Ich werde bis an das Ende meines Lebens an Südkorea denken.“

Geschichten wie ihre sind das Salz in der Suppe olympischer Spiele. Und zwar schon seit gefühlten Ewigkeiten. 1896, also vor 122 Jahren in Athen, hat ein gewisser Edwin Flack sein Universaltalent unter Beweis gestellt. Der Australier krönte sich zunächst in der Leichtathletik über 800 und 1500 Meter zum Doppel-Olympiasieger, um dann zum Tennis-Racket zu greifen und mit seinem Mitbewohner im Dorf, George Roberson, Bronze im Doppel zu gewinnen. Olympiasieger in zwei verschiedenen Winter-Disziplinen gab es auch in den 1920er-Jahren. Lang, lang ist’s her. Die Norweger Thorleif Haug (1924) und Johan Gröttumsbraaten (1928) triumphierten sowohl in der Nordischen Kombination als auch im Ski-Langlauf. Ohne deren Leistungen geringschätzen zu wollen: Ledeckas Husarenritte auf Skiern und Snowboard stehen eine Stufe drüber. Weil es doch ziemlich unterschiedliche Bewegungsfelder sind.

Konzentration fiel schwer

„Um ehrlich zu sein: Es fiel mir nach dem Super-G-Sieg sehr schwer, mich wieder auf das Snowboarden zu konzentrieren“, gestand sie: „Jetzt ist es fantastisch.“ Nicht nur für sie, sondern auch für ihre Verwandten, Freunde und ihr Betreuerteam: „Ich hoffe, alle sind großartig drauf. Sie haben wieder einen unglaublichen Job gemacht. Sie kümmern sich die ganze Zeit aufopferungsvoll um mich, sogar mein Ski-Trainer war beim Snowboarden dabei“, zeigte sie große Dankbarkeit: „Dieses Edelmetall ist auch für sie. Sie verdienen das.“

Sprach’s und freute sich auf die Rückkehr in die Heimat: „Ich war lange genug hier. Es wird Zeit, nach Hause zu kommen.“ Mit Übergepäck. Ledecka ist übrigens nicht die Einzige in ihrer Familie, die mit zwei Olympia-Medaillen dekoriert ist. Ester tritt in die Fußstapfen ihres Großvaters Jan Klapac, der 1964 Bronze und 1968 Silber in Diensten der Tschechoslowakei gewann. Aber nicht in zwei Disziplinen. Seine Domäne war Eishockey. Vielleicht wird das auch was für Ester. Wer weiß? A. Zambarloukos

Fünf Sportler mit Gold in zwei Disziplinen

Thorleif Haug (NOR) Skilanglauf und Nordische Kombination 1924

Johann Gröttumbsraten (NOR) Skilanglauf und Nordische Kombination 1928

Heikki Hasu (FIN): Nordische Kombination 1948 und Skilanglauf-Staffel 1952

Anfissa Reszowa (UdSSR/RUS): Skilanglauf-Staffel 1988 und Biathlon-Staffel 1994

Ester Ledecka (CZE): Ski Alpin/Super-G und Snowboard/PGS 2018