Alt sein für Anfänger

Kultur / 26.02.2018 • 20:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wilma und Gotthard Bilgeri schlüpfen flink und wandlungsfähig von Szene zu Szene in immer neue Rollen und Charaktere. Frauenmuseum
Wilma und Gotthard Bilgeri schlüpfen flink und wandlungsfähig von Szene zu Szene in immer neue Rollen und Charaktere. Frauenmuseum

Theater im Museum? Warum nicht! Wie es geht, zeigt das Frauenmuseum Hittisau.

Hittisau „Ist die schwarze Köchin da? Nein, nein, nein“, so beginnt einer jener Auszählreime, die Generationen von Kindern beim Älterwerden begleitet haben. Was aber, wenn man schon alt geworden ist? Gilt dann der Auszählreim immer noch, oder kommt er dann schon einem Anzählen, dem letzten Countdown gleich? Sieht man das Ganze einmal so, dann hat auch die Aufforderung „Komm mit“ ganz schnell eine ganz andere Bedeutung. Und genau darum geht es Lida Winie­wicz, eben jener Wiener Autorin, die, 1928 geboren, vor wenigen Jahren eine Textsammlung über das Älterwerden zusammencollagiert hat. Der Titel: „Ist die schwarze Köchin da?“ und zu sehen derzeit im Frauenmuseum in Hittisau.

Ausstellung und Theater

Dort passt sie hin wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Denn während im Erdgeschoß Theater gespielt wird, ist die Ausstellung im ersten Stock um die Themen Alter, Pflege, Krankheit und Tod gruppiert. Es sind kleine Szenen und Texte, die Winiewicz da zusammenträgt. Ihre Themen sind das Alter, das Altern, stieläugige Erben, das Zwicken und Zwacken der Gelenke und schließlich auch das Sterben. Ja, auch das gehört zum Leben – oder wie es eine der Figuren in Winiewiczs Stück formuliert: „Jetzt hat man eh schon nichts ghabt vom Leben. Jetzt wird man alt ah noch.“ Und genau dieser Witz mit schwarzem Biss ist auch schon symptomatisch für das gesamte Stück. Todesmutig, klug und gleichzeitig auch ungemein hellhörig für die zarten Seiten des Alters durchschreitet man mit Lida Winiewicz Alltagsszenen, Stammtischgespräche, Parkbank-Bekanntschaften, alte und neue Lieben genauso wie Arztbesuche und die Einsamkeit. Soweit der Text, der raffiniert und immer auch mit einem Schmunzeln an die Themen des Alters herangeht.

Dass dieser kleine Diamant nun in Hittisau zu sehen ist, ist einer ganzen Reihe von engagierten Frauen und Männern aus der Gemeinde und der Region zu verdanken. Das beginnt beim Bühnenbild und endet bei Licht und Ton: Alles trägt stolz die Marke „Eigenbau“.

Und die Schauspieler? Lida Winiewicz ging auch da geschickt vor. Eine Frau und ein Mann begegnen sich in ihren Miniaturen und bringen ihre je eigenen Blickwinkel auf die dahinschwindenden Jahre mit. In Hittisau sind das Wilma und Gotthard Bilgeri. Als Mitglieder des „Ensemle 89 Hittisau“ sind sie mehr als nur bühnenerprobt, und ihnen und dem Ensemble ist auch die Initialzündung zu diesem Theaterprojekt zu verdanken. Da sieht man es wieder: Wenn jemand eine gute Idee hat, dann braucht es manchmal nur den Mut, diese Idee auch zu äußern, um aus Träumereien einen Theaterabend mit Hand und Fuß werden zu lassen.

Komisch und berührend

Überhaupt, Wilma und Gotthard Bilgeri schlüpfen flink und wandlungsfähig von Szene zu Szene in immer neue Rollen und Charaktere, und es braucht nicht viel, um immer neue Situationen entstehen zu lassen. Das gelingt ihnen gut, sogar sehr gut. Manchmal herrlich komisch, dann wieder unglaublich berührend tauchen sie in die verschiedenen Stimmungen ein und mit ihrem Publikum mitten im Spiel wieder auf. Das Schöne daran: Gelacht werden kann eigentlich immer, wenn Lida Winciewicz in ihren Texten das Älterwerden mit Worten scharf wie ein Skalpell seziert – manchmal bleibt einem das Lachen dabei auch im Halse stecken.

Publikumsmagnet

Es ist jedenfalls schön, dass im Frauenmuseum Hittisau noch bis März Theater gespielt wird. Schön für alle Beteiligten auch, dass selbst die zwei kurzfristig anberaumten Zusatzvorstellungen binnen weniger Stunden ausverkauft waren. Und wenn Quantität ja auch nicht immer mit Qualität einhergehen muss – hier sind sie absolut deckungsgleich.

„Ist die schwarze Köchin da?“ ist noch bis 4. März zu sehen. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Dauer: 75 Minuten, www.frauenmuseum.at