„Fasten ist mehr als Verzicht“

Vorarlberg / 27.02.2018 • 17:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Nüziger Sascha Harris umringt von bedürftigen Kindern in Südafrika. Harris
Der Nüziger Sascha Harris umringt von bedürftigen Kindern in Südafrika. Harris

Sascha Harris versucht, die Fastenzeit als eine gute Übung sehen, um näher bei sich zu sein.

Bludenz Sascha Harris besucht einmal im Jahr die Familie seiner Mutter in Afrika und ist immer wieder aufs Neue erstaunt, wie einfach man leben kann. Die Rückkehr in seine österreichische Heimat ist meist eine Herausforderung für ihn.

Mit seinen schwarzen Locken, seinem dunklen Teint und dem herzlichen Lachen zieht Sascha Harris die ganze Aufmerksamkeit seines Gegenübers auf sich. Nicht nur durch die Art, wie er sich die Worte zurechtlegt, auch die Gedanken, die er damit ausdrückt, entführen auf einen Kontinent, der ebenso fremd wie faszinierend ist. „Meine Familie lebt in einem der Vororte von Kapstadt, den Cape Flats. Die Menschen dort sind sehr arm, leben in einfachen Häusern oder Blechhütten. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 50 Prozent, die hohe Kriminalität ist eine Folge davon“, erzählt der 37-Jährige, der seinen Lebensmittelpunkt in Nüziders gefunden hat. „Jedes Mal, wenn ich aus dieser Armut nach Hause komme, muss ich mich wieder in unseren Alltag mit all dem Überfluss integrieren, was mir ziemlich schwer fällt“, gesteht er.

Armut macht hungrig

Weniger von allem, das wünscht sich Sascha Harris manchmal. Beispielsweise wenn er sich mit einem Zelt in die nahen Berge zurückzieht und einfach nur die Ruhe genießt. „Irgendwie ist es doch eigenartig, dass wir uns so sehr von außen bestimmen lassen. Wenn das Handy nicht funktioniert, ist es schon fast ein Weltuntergang, dabei machen wir uns ja selbst abhängig von all den neuen Medien“, stellt Harris fest, denn „eigentlich werden wir dadurch ja nicht glücklicher.“ Deshalb fastet Sascha Harris, der als Schriftführer für den Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) tätig ist, absichtlich sehr moderat, denn „wenn ich auf Fleisch, Cola oder Alkohol verzichte, dann ist es eben nur ein Teil von dem Gedanken des einfachen Lebens. Die Menschen in Cape Flats ernähren sich Tag für Tag von Kartoffeln und Reis. Fleisch gibt es höchstens einmal im Monat, Hähnchen meistens, an manchen Tagen müssen die Familien auch hungern, weil es nicht genug zu essen gibt.“

Was man wirklich braucht

Auch in diesem Jahr wird Sascha Harris wieder nach Afrika reisen. Mit dabei jede Menge Gepäck. In seinen Koffern befinden sich Kleidungsstücke, Schuhe und kleine Mitbringsel für einige Familien aus Cape Flats. „Bei einem meiner Besuche hatte ich drei Fußballtrikots mitgebracht. Die Jungs freuten sich riesig darüber, ihre Augen strahlten und sie streiften sich die T-Shirts sofort über. Erst da bemerkte ich, dass die Kinder ja gar keinen Fußball hatten. Ich kaufte also einen Fußball in der naheliegenden Stadt und dazu auch noch einige Brettspiele. Man kann es sich nicht vorstellen, aber viele Jungs haben nicht einmal ein einziges Spielzeugauto.“

Mit diesem Bewusstsein möchte Sascha Harris die Fastenzeit als eine gute Übung für sich sehen, näher bei sich zu sein, im eigenen Glauben: „Für mich ist es weniger wichtig, wie viel ich esse, als viel mehr, was ich wirklich brauche und wovon ich mich leicht trennen kann.“ CM

„Für mich ist es weniger wichtig, wie viel ich esse, als viel mehr, was ich wirklich brauche.“