Helfende Hände

Wetter / 27.02.2018 • 18:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Waltraud Ammann gründete die Kleiderstube Walgau.

Bludesch „Alles Gute in der Welt geschieht nur, wenn jemand mehr tut, als er tun muss“, sagte SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner. Getreu diesem Motto ergriff Waltraud Ammann 2015, als die Fluchtbewegung nach Europa ihren Höhepunkt erreicht hatte, die Initiative: „Für mich war klar, dass ich nicht nur zuschauen will.“

Beim Haus Gaisbühel, der größten Flüchtlingsunterkunft im Land, machte sich die Ludescherin ein Bild vor Ort. Dort sah sie ganze Berge von Kleidern, die verstreut im ehemaligen Waschhaus herumlagen: „Im Gespräch mit Mitarbeitern der Caritas erfuhr ich, dass sich aufgrund von personellen Engpässen niemand um die vielen gespendeten Kleider kümmern konnte.“ Daraufhin bot sie ihre helfenden Hände an. Gemeinsam mit anderen engagierten Frauen kam die Idee auf, eine Kleiderstube zu gründen: „Zuerst mussten wir abklären, ob wir die Räumlichkeiten für diesen Zweck benutzen durften. Von Landesrat Erich Schwärzler und vom Immobilienverwalter erhielten wir umgehend eine unbürokratische Zusage. Dadurch konnten wir gleich mit der Arbeit beginnen“, erklärt Waltraud Ammann, die sich von ihrem Vorhaben trotz einiger Hürden nicht abbringen ließ.

Umgehende Unterstützung

Waltraud Ammann und ihr Team begannen, den Kleiderberg abzuarbeiten. Weil viele der Kleidungsstücke schmutzig waren, mussten eine Waschmaschine, ein Trockner und eine Bügelstation her: „Beim Hilfswerk Liechtenstein, welches seit über 30 Jahren eine Kleiderstation hat, schaute ich mir die Strukturen an.“ Seitdem werden gespendete Kleider, Schuhe, Babysachen, aber auch Kleinmöbel und Geschirr sortiert, gewaschen und an Flüchtlinge ausgegeben: „Die Leute, die gespendet haben, waren froh, dass die Sachen direkt an Hilfsbedürftige weitergegeben werden.“ Von denen gab es viele: Knapp 300 Menschen aus ganz Vorarlberg nahmen die Kleiderstube bisher in Anspruch.

Die Kleiderstube gibt es nun seit knapp drei Jahren. „Im Vordergrund steht der Gedanke, zwischen den freiwilligen Helfern und den Bedürftigen ein soziales Netzwerk zu knüpfen.“ Auch aus dem freiwilligen Helferteam, das momentan aus acht Frauen besteht, ist eine gute Gemeinschaft geworden: „Ohne die Begeisterung der Mitarbeiterinnen würde es nicht funktionieren.“

In dieser Zeit sind zudem viele persönliche Kontakte zu den Flüchtlingen entstanden, betont die 62-Jährige. „Natürlich leidet man mit, wenn beispielweise bei einer gut integrierten Familie ein negativer Asylbescheid kommt.“ Die Ludescherin erlebt aber auch immer wieder Positives: Zum Beispiel wenn Menschen Fortschritte beim Deutschlernen machen, oder wenn Kinder zur Welt gekommen sind. „Durch meinen früheren Beruf faszinierte mich das Zusammentreffen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Geschichten, die natürlich oft weit auseinanderliegen. Das Eigene wird dann relativ“, sagt die pensionierte Religionslehrerin.

Oft wird Waltraud Ammann gefragt, wieso sie sich das antut. Dem entgegnet sie aus Überzeugung: „Ich mag Menschen einfach, dadurch empfinde ich die Arbeit als sehr bereichernd. Man bekommt viel zurück.“ Längerfristiges Ziel von Waltraud Ammann und ihrem Team ist es, dass auch Einheimische durch die Kleiderstube unterstützt werden. VN-HAM

„Ich mag Menschen einfach, dadurch ist meine Arbeit sehr bereichernd.“

Zur Person

Waltraud Ammann

leitet mit ihrem Team die Kleiderstube Walgau.

Geboren 15. Februar 1956

Laufbahn pensionierte Religionslehrerin (Volksschule)

Familie verheiratet, vier Kinder, zehn Enkel

Hobbys Singen im Chor, Reisen, Gärtnern

  VN/Haller