Eine Frage des Images

Markt / 28.02.2018 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dietmar Hoscher ist Vorstandsdirektor der Casinos Austria AG.VN/Stiplovsek
Dietmar Hoscher ist Vorstandsdirektor der Casinos Austria AG.VN/Stiplovsek

Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher sorgt sich um den Fachkräftemangel im Tourismus. Schließlich sind Touristen seine Gäste.

Schwarzach Jeder zweite Gast, der in Österreich ein Casino betritt, kommt aus dem Ausland. „Und eigentlich sind alle unsere Gäste Touristen“, sagt Dietmar Hoscher, Vorstandsdirektor der Casinos Austria, im VN-Gespräch. Das ist auch der Grund, wieso er gestern zum Tourismustalk einlud. Thema: Gehen dem Tourismus die Fachkräfte aus?

„Eine absolut berechtigte Sorge. Der Fachkräftemangel steht außer Frage“, sagt Hoscher. Das sei aber keine neue Situation. Dennoch gebe es bislang keine konkreten Lösungen, „sondern nur stereotype Schuldzuweisungen. Die Arbeitnehmerseite sagt, zahlt halt besser, die Arbeitgeber sagen, es geht uns eh schon schlecht“, so der Casinos-Vorstandsdirektor.

Einen Punkt sieht er in der Mobilität der Arbeitskräfte. Im Winter gebe es im Westen offene Stellen und im Osten Arbeitssuchende. Das Potenzial wäre also vorhanden. „Die Frage ist, wie kann ich die Mobilität erhöhen? Und das ohne Zwangmaßnahmen, sondern mithilfe von Anreizen.“ Zudem bringt er den schlechten Ruf der Branche ins Spiel. Es werde immer propagiert, dass die Mitarbeiterunterkünfte, die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen so schlecht seien. Dabei sei speziell die Bezahlung heute bei jungen Menschen nicht mehr alles. Die Denkweise habe sich hier stark verändert, quer durch alle Branchen. „Heute geht es vielmehr um das Arbeitsumfeld, die Kollegen und um Themen wie Erfüllung und Selbstverwirklichung. Der Tourismus muss darauf Antworten finden“, so Hoscher. Werde der Ruf besser, würden sich auch mehr junge Menschen mit der Branche beschäftigen.

Zudem würden ständig nur Nächtigungszahlen betrachtet. Das sage aber noch lange nichts über die Wertschöpfung aus. Denn die finanzielle Situation sei in den meisten Tourismusbetrieben nicht gut. „Die Konkurrenz wird größer, die Digitalisierung birgt große Herausforderungen. Ich wage also zu bezweifeln, dass die Nächtigungszahlen in gleichem Maße wie die Gewinne steigen“, so der Vorstandsdirektor.

Positiv sieht er die Rücknahme der Mehrwertsteuererhöhung auf Übernachtungen. Insgesamt sei es zwar kein Allheilmittel, aber ein Mosaikstein für eine Branche, von der Hoscher sagt, sie sei der wichtigste Wirtschaftszweig. Sein Vorschlag: Die daraus resultierende Entlastung aufzuteilen. Auf die Unternehmer und für die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Mitarbeiter.

Fachkräftemangel kennt er selbst auch. Zwar nicht in den angestammten Casinos-Bereichen Service und Croupiers. Aber als einer der größten Gastronomiebetriebe in Österreich sei man sehr wohl mit Fluktuation und offenen Stellen konfrontiert, „auch wenn wir uns etwas leichter tun als andere“.

Ein sehr gutes Jahr

Und wie lief das vergangene Jahr wirtschaftlich für die Casinos Austria? Die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Details nennen kann der Generaldirektor deshalb nicht. Nur so viel: „2017 war ein sehr gutes Jahr.“ Ob der Standort Bregenz auch heuer wieder den höchsten Pro-Kopf-Umsatz aufweisen wird? Die Chancen dafür stehen traditionell gut. Wobei Bregenz im Oktober durch den neuen Standort im liechtensteinischen Schaanwald Mitbewerb aus dem eigenen Haus bekam. Hoscher hat dafür eine pragmatische Begründung: „Wir haben uns gesagt, wenn jemand uns Geschäft wegnimmt, dann lieber wir selbst.“

„Nächtigungszahlen sagen nichts über die Wertschöpfung eines Betriebes aus.“