Multitasking abseits des Courts

Sport / 28.02.2018 • 20:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Badminton-Olympiastarter David Obernosterer hat sein Racket nur noch sporadisch in der Hand.privat
Badminton-Olympiastarter David Obernosterer hat sein Racket nur noch sporadisch in der Hand.privat

Ex-Badminton-Ass David Obernosterer lenkt Fokus nun auf Beruf, Studium und Funktionärseinsatz.

dornbirn Am 11. August 2016 ging für David Obernosterer der große sportliche Traum in Erfüllung. Als erster Vorarlberger Badmintonspieler war der damals 27-jährige Schwarzacher bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Einsatz. Obwohl er in seinen Partien gegen den Doppel-Olympiasieger Lin Dan aus China, den WM-Dritter, von 2013, Tien Minh Nguyen aus Vietnam und den Russen Vladimir Malkov ohne den erhofften Satzgewinn blieb und am Ende den geteilten 17. Endrang belegte, war Obernosterer stolz auf das Erreichte und die Belohnung für die harte Arbeit in den Jahren zuvor. „Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn es mit einem Satzgewinn geklappt hätte. Doch ich kann auch so stolz und zufrieden auf fantastische Jahre mit vielen Höhen und wenigen Tiefen zurückblicken. Ich hatte das Glück, dass ich alle gesteckten Ziele realisieren konnte und mir meinen Kindheitstraum erfüllt habe.“

Wie sich in der kräftezehrenden zwölfmonatigen Qualifikationsphase bemerkbar machte, musste der Schwarzacher aber für die Erfüllung seines Träume ordentlich Tribut zollen. Aufgrund der anhaltenden Probleme an der Hüfte inklusive Operation hat er sich Anfang Mai des letzten Jahres dazu entschlossen, einen Schlussstrich unter seine aktive Karriere zu setzen. „Die Ärzte haben mir damals klar zu verstehen gegeben, dass es mit Blick auf mein weiteres Leben besser ist, wenn ich mit Leistungssport aufhöre. Eine Fortsetzung der Karriere wäre mit einem erheblichen gesundheitlichen Risiko verbunden gewesen, das ich nicht auf mich nehmen wollte.“

Job und Studium

Die Angst, aufgrund des abrupten Endes mit dem Leistungssport in ein mentales Tief zu fallen, hatte Obernosterer nie. „Dazu stehe ich zu fest mit beiden Beinen im Leben. Die Jahre als Profisportler waren auch eine Art Lebenschule für mich. Ich wußte immer, dass es außer Badminton auch noch weitere, viel wichtigere Dinge im Leben gibt.“

Nach Abschluss seines Bachelorstudiums für Betriebswirtschaftslehre an der WU Wien verlagerte Obernosterer im Sommer seinen Lebensmittelpunkt von Wien zurück ins Ländle und machte sich auf Jobsuche. Seit September arbeitet er beim Schweizer Unternehmen Rational AG in Heerbrugg als Controller, wechselt aber Anfang April nach Liechtenstein zur Firma thyssenkrupp Presta AG, bei der er als Investitionscontroller eine Festanstellung bekam. Parallel zu seinem Job startete Obernosterer im September mit dem berufsbegleitenden Masterstudium für Accounting, Controlling & Finance an der Fachhochschule Vorarlberg und drückt dafür jedes Wochenende die Schulbank.

Nachwuchs unterstützen

Ganz ohne Badminton kann Österreichs langjährige Nummer eins aber doch nicht leben und nimmt seit Herbst die Position des Sportkoordinators beim Vorarlberger Badmintonverband ein. Obernosterer sieht sich dabei als Schnittstelle zwischen dem portugisischen Landestrainer Trindade Gomes Pedro Miguel, den Kaderspielern und deren Eltern. „Meine Aufgaben beschränken sich primär darauf, die Trainingszeiten zu koordinieren und den Kontakt zu Vereinstrainern zu halten, um Talente zu entdecken und fördern. Mit meiner Erfahrung will ich Sportler und Eltern aufzeigen, was im Badmintonsport alles möglich ist und sie beim Einstieg in eine möglichen Profikarriere begleiten und unterstützen.“

Obwohl die ehemalige Nummer 54 der Weltrangliste (Anm.: Dezember 2015) in den nächsten Wochen seine Trainerausbildung beendet, schließt Obernosterer eine Karriere als Vollzeittrainer definitiv aus. „Für so einen Schritt fehlt mit einerseits die Zeit und andererseits der Reiz. Ich war über zehn Jahre Profisportler und habe genug vom Leben aus der Sporttasche. Trotzdem ist es mir eine Herzensangelegenheit, als kleines Dankeschön meine Erfahrung in Verein und Verband einzubringen. Mit einer guten Planung habe ich es trotz der begrenzten Zeit bislang geschafft, alles unter einen Hut zu bekommen.“