Bezirksgericht Dornbirn: „Hier ging einfach alles viel zu schnell“

VN / 28.02.2019 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht Dornbirn: 27-jähriger Unfalllenker musste sich wegen Fahrlässigkeit verantworten. Gerty Lang
Bezirksgericht Dornbirn: 27-jähriger Unfalllenker musste sich wegen Fahrlässigkeit verantworten. Gerty Lang

Zustellfahrer „schoss“ auf Kreuzung Mopedlenker ab, der jetzt auf Krücken geht.

Dornbirn. Für den Zeugen ist es eine einzige Mühsal. Auf zwei Krücken schleppt er sich auf den Stuhl vor dem Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger, nur langsam vermag er sich zu bewegen. Seit jenem Unfall im Juni vergangenen Jahres kann er seiner Beschäftigung als Arbeiter nicht nachgehen. Zu schwere Verletzungen hatte er als Mopedfahrer bei der Kollision auf einer Kreuzung in Dornbirn erlitten. Oberschenkelhalsbruch, Schenkelbruch und zertrümmerte Kniescheiben. Das braucht Zeit zum Heilen.

„Nur Teilschuld“

Den 27-jährigen Beschuldigten, der damals mit einem Lieferwagen in die Kreuzung eingefahren war, macht der Anblick des Unfallopfers einmal mehr deutlich betroffen. Und dennoch: er gesteht sich nur eine Teilschuld zu. „Diese Kreuzung ist unübersichtlich. Da steht kein Stoppschild und kein Hinweis auf Vorrang geben. Und zudem gilt die 30er Beschränkung. Außerdem glaube ich auch, dass der Mopedfahrer damals etwas zu schnell unterwegs war. Überhaupt ging hier einfach alles viel zu schnell. Jedenfalls zu rasch für mich, um mein Fahrzeug zurück zu setzen“, beteuert er. Doch Richter Plasinger erklärt: „Nur ein Prozent Mitschuld reicht für ein strafrechtliches Verfahren.“ Aber es ist wahr: Der Mopedfahrer hatte sich auf einer Vorrangstraße befunden. „Ich habe den Wagen vorher nicht gesehen und nur die Kollision mitbekommen“, erinnert er sich als Zeuge.

Mit gewissen Erinnerungslücken wird nun aber der Beschuldigte selbst konfrontiert. Der Richter macht ihn darauf aufmerksam, dass ihm die Staatsanwaltschaft Feldkirch in derselben Causa eine Diversion, also einen außergerichtlichen Tatausgleich, angeboten habe. „Warum haben Sie dieses Angebot ausgeschlagen?, fragt Plasinger. Doch der Angeklagte reagiert verdutzt: „Davon wusste ich nichts, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern. Hätte ich es aber gewusst, würde ich es natürlich genutzt haben.“

Pauschalkosten statt Urteil

Der 27-Jährige bekommt diese Chance nun ein zweites Mal. Bezahlt er 150 Euro Pauschalkosten und lässt sich ein Jahr lang nichts zu Schulden kommen, wird das Strafverfahren eingestellt. Der Zustellfahrer zögert keine Sekunde mit seiner Zustimmung, sehr erleichtert und erfreut natürlich.