Nach Hundeattacke in Höchst: Besitzer Gerald Lorenzini kämpft um seine Dogge Bounty

VN / 05.03.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerald Lorenzini und seine Mutter Lieselotte (77) zeigen das Bild der beiden Doggen, von denen die rechte die Pensionistin angriff. Aber: "Das Weibchen links ist harmlos." VN/Gs
Gerald Lorenzini und seine Mutter Lieselotte (77) zeigen das Bild der beiden Doggen, von denen die rechte die Pensionistin angriff. Aber: „Das Weibchen links ist harmlos.“ VN/Gs

Gerald Lorenzini (53) wirft der Gemeinde Höchst Willkür vor. Sie hätte seine Bulldogge „Bounty“ zu Unrecht ins Tierheim verfrachtet.

höchst Es geschah am Montag, dem 1. Oktober 2018, im Garten eines Höchster Einfamilienhauses. Lieselotte Lorenzini (77) wollte Abfall entsorgen. Auf dem Rasen tummelten sich gleichzeitig die beiden „American Bulldog“-Hunde ihres Sohnes Gerald, der Rüde „Bullsanity’s Jack“ und das zweijährige Weibchen „Bullsanity’s Bounty“. Plötzlich geschah das unerwartete, ja schockierende: Der Rüde griff die Pensionistin an und fügte ihr schwere Bissverletzungen am Kopf zu. Ihr Mann Alfred (80) kam seiner Frau zu Hilfe und wurde von „Bullsanity’s Jack“ ebenfalls attackiert. „Er hat ihm das Ohrläppchen abgerupft“, erinnert sich Lieselotte Lorenzini im Gespräch mit den VN. Dennoch war es ihrem Mann damals noch gelungen, die beiden Hunde anschließend in den Zwinger zu sperren.

Eingeschläfert

Alfred Lorenzini rief sofort seinen Sohn Gerald an dessen Arbeitsstelle an. Der 53-Jährige verlor keine Minute, eilte zum Elternhaus und verständigte die Rettung. Das Ehepaar musste ins Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert werden. „Bullsanity’s Jack“ wurde von einem Tierarzt eingeschläfert – auf Veranlassung seines Besitzers selbst. „Auch wenn es ein schwerer Entschluss war“, sagte Gerald Lorenzini zu den VN. Denn bis zu jenem tragischen Vorfall sei „Bullsanity’s Jack“ niemals durch Aggressivität aufgefallen.

Tierhalter Lorenzini am Vorfallsort im Garten, wo seine Eltern vom Rüden attackiert wurden.
Tierhalter Lorenzini am Vorfallsort im Garten, wo seine Eltern vom Rüden attackiert wurden.

Was dann aber mit dem Weibchen „Bounty“ geschah, ist nicht nur ihm, sondern auch seinen Eltern unbegreiflich. Auf Veranlassung des Bürgermeisters wurde die zweijährige Hündin ihrem Besitzer abgenommen und ins Tierheim verfrachtet. Wegen „Gefahr in Verzug“ und der Begründung, dass die Eltern des Tierhalters die Betreuung, Aufsicht und Verwahrung des Hundes nicht sicherstellen könnten. Für die Lorenzinis ein „blanker Unsinn“.

Völlig ruhig verhalten

Entgegen des polizeilichen Protokolls seien damals nicht beide Hunde auf das Ehepaar losgegangen. „Bounty verhielt sich völlig ruhig und war unbeteiligt“, sagt die Familie. „Sie ist eine so liebe und harmlose Hündin, wir möchten sie zurückhaben“, schwärmt etwa Lieselotte Lorenzini. Zudem wurde ein Verfahren gegen ihren Sohn Gerald, da verantwortlicher Tierhalter, wegen „fahrlässiger Körperverletzung“ von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Sie ist eine so liebe und harmlose Hündin, wir möchten sie zurückhaben

Lieselotte Lorenzini

Der Höchster ficht die Entscheidung der Gemeinde mit Hilfe von Rechtsanwalt Florin Reiterer von der Bregenzer Kanzlei Ulmer an. Die Sozialverträglichkeit und der Gehorsam von „Bounty“ könne belegt werden, unter anderem auch durch das Tierheim, in dem die Dogge verwahrt wird. Die Pflegekosten dafür in Höhe von bisher 1665 Euro müssen übrigens von Gerald Lorenzini bezahlt werden. Der Höchster kämpft weiter. Denn die Annahme, „Bounty“ sei am Vorfall beteiligt gewesen, begründe sich auf eine unvollständige Erhebung, sei eine reine Willkür der Behörde und somit rechtswidrig.

Seine Dogge „Bounty“ soll Lorenzini nicht mehr bekommen, stattdessen flattern ihm die Kosten für deren Pflege ins Haus.