Der Norden von Wales: Welterbe und Strandidylle

Reise / 31.03.2019 • 13:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Der Norden von Wales besticht durch Sandbuchten, wilde Klippen, imposante Schlösser und charmante Dörfer.

Wales Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig es eigentlich braucht, um kiloweise Glückshormone auszuschütten. So im Norden von Wales auf der Lleyn-Halbinsel. Der Anblick der weiten Bucht, der sanften Hügel und der Irischen See lässt in Sekundenschnelle den wolkenverhangenen Himmel vergessen. Auf der Landzunge etwas oberhalb duckt sich der malerische Golfplatz von Nefyn in die weitläufige Dünen- und Hügellandschaft. Die speziellen Windverhältnisse stellen die Spieler vor besondere Herausforderungen, während unten am Strand der Wales Coastal Path verläuft, der mit 1400 Kilometern längste Küstenwanderweg der Welt. Wer diesem ein paar Kilometer folgt, gelangt zu einem besonderen Kleinod namens Nant Gwrtheyrn. Das kleine Dörfchen liegt in einer tief eingeschnittenen Schlucht an der Irischen See im Schatten von fast 400 Metern hoch aufragenden Bergen. Dort, wo ab Mitte des 19. Jahrhunderts für gut neun Jahrzehnte Steine abgebaut wurden, stoßen viele heute auf schwere verbale Brocken. Denn seit 1982 wird in Nant Gwrtheyrn versucht, Erwachsenen aus aller Welt die Besonderheiten der alles andere als einfachen walisischen Sprache näherzubringen.

„Im 18. Jahrhundert waren die Industriemetropolen in England händeringend auf der Suche nach Baumaterial. Insbesondere aus Manchester und Liverpool wurden die Fühler ins benachbarte Wales ausgestreckt“, so Mathew Penri, eine von drei Lehrkräften im sogenannten National Language Centre. Im Jahr 1860 eröffneten in Nant Gwrtheyrn, so der 26-Jährige weiter, gleich drei Steinbrüche, in denen Granit als Straßenbelag abgebaut wurde. Für die Arbeiter wurden zwei Häuserreihen hochgezogen. Auch eine Kapelle und ein Geschäft fehlten nicht. Als Anfang des 20. Jahrhunderts das Kopfsteinpflaster mehr und mehr dem Asphalt als Straßenbelag weichen musste, wurde gleichzeitig das Ende der Steinbrüche eingeläutet. Die Arbeiter und ihre Familien verließen Nant Gwrtheyrn und die Siedlung verfiel in einen Dornröschenschlaf, ehe hier ab Ende 1970er-Jahre umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten für das Sprachzentrum begannen. Die Kapelle und das einstige Haus des Steinbruchchefs, das den Namen „Y Plas“ trägt, wurden zu Unterrichtsräumen, die Wohnhäuser zu Unterkünften, so dass ab 1982 erste Walisisch-Kurse abgehalten werden konnten. Die Schlafstätten in Nant Gwrtheyrn, das jährlich allein 50.000 Tagesgäste zählt, stehen allen offen. Und so legen nicht wenige, die auf dem Wales Coastal Path unterwegs sind, hier ein Nachtlager abseits allen Trubels ein.

Die Kleinstadt Caernarfon mit ihrer mächtigen mittelalterlichen Burg. Shutterstock
Die Kleinstadt Caernarfon mit ihrer mächtigen mittelalterlichen Burg. Shutterstock

Überaus lohnend ist auch ein Abstecher nach Caernarfon. Die 10.000-Seelen-Gemeinde an der Meerenge von Menai fühlt sich spürbar königlich. Nicht nur, weil das weithin sichtbare Schloss im Herzen der malerischen Altstadt als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco steht, sondern weil im Hof der trutzigen Festung der britische Thronfolger Charles im Jahre 1969 zum „Prince of Wales“ gekrönt wurde. Bis heute sind die Windsors dem Städtchen eng verbunden und statten Caernarfon regelmäßig Besuche ab.

Ehrgeiziges Projekt

Eine völlig andere Welt eröffnet sich in Portmeirion, wo der exzentrische Visionär Clough William-Ellis (1883-1978) zwischen 1925 und 1972 seine eigene kleine Welt geschaffen hatte: einen verspielten Ort mit bonbonfarbenen Fassaden, Türmchen, Säulengängen, Kirchen, Kuppeln, Statuen und einem liebevoll angelegten Garten. Vieles ist echt, manches aber einfach nur schöner Schein. Über Portmeirion schwebt ein Hauch der Toskana mit einem Hang zum Disneyland. Zu den vielen kuriosen Bauwerken gehören der Bell Tower of Campanile, die Buddha Statue aus Ingrid Bergmanns Film „The Inn of the Sixth Happiness“, das Pantheon, eine klassische Kolonnade, die William Reeve 1760 für den Arnos Court in Bristol errichtet hatte und ein falscher Leuchtturm. „William-Ellis wollte beweisen, dass er an einem der schönsten Flecken dieser Erde etwas ebenso Schönes schaffen konnte, ohne diesen Ort zu zerstören“, berichtet Meurig Jones, Location Manager von Portmeirion, voller Ehrfurcht über die Entstehung dieses ehrgeizigen Projekts, das ein bisschen an eine Filmkulisse erinnert. Karsten-Thilo Raab (SRT)

Wales/Lleyn-Halbinsel

Lage Die Lleyn-Halbinsel liegt versteckt hinter Snowdonias Gipfeln im Nordwesten von Wales.

Die Insel ist über die A 499 und die A 497 von Norden

und Süden aus erschlossen.

Hauptstadt Cardiff

Amtssprache Walisische Sprache, Englisch

Währung Pfund Sterling