Gericht: Freiheitsstrafe nach regem Kokainhandel in Lochauer Wettlokal

VN / 03.04.2019 • 15:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Angeklagte wurde zu einer teilbedingten Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. eckert

Familienclan versorgte Konsumenten offenbar mitten im Dorfzentrum mit Rauschgift.

Christiane Eckert

Feldkirch Beide Söhne fassten wegen Suchtgiftgeschäften schon Haftstrafen aus. Dann ist da noch die 50-jährige Mutter, die von vielen Zeugen im Ermittlungsverfahren der Polizei als „Capo“ oder „Drahtzieherin“ bezeichnet wurde. Sie soll darauf gedrängt haben, dass nur hochwertiges Kokain eingekauft wird und die Geschäfte streng kontrolliert haben. Sie ist eigentlich ebenfalls angeklagt, doch laut Gutachten leidet sie an psychischen Probleme, und Depressionen machen sie angeblich verhandlungsunfähig. Somit ist die Staatsanwaltschaft bezüglich der Frau zum Warten verurteilt. Nach einem Jahr wird der Gesundheitszustand der Angeklagten neu abgefragt. Somit stand bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch zunächst die Schuldfrage des Vaters zur Debatte. Er war laut Gericht in der Familienhierarchie eher unten, wie Richter Michael Fruhmann im Urteil einräumt, ein „kleiner Fisch“, „ein Mitläufer“.

Kleines Rad im Getriebe

Das gereicht dem 54-Jährigen strafrechtlich zum Vorteil, denn der bislang Unbescholtene bekommt für seine Suchtmittelgeschäfte im Rahmen einer kriminellen Vereinigung lediglich 18 Monate Haft, 15 davon auf Bewährung. Er war das kleinste Rad im Getriebe, doch ganz so unbedarft, wie er sich vor Gericht gibt, war er auch wieder nicht. Als beispielsweise in der Lochauer Wohnung bei der Hausdurchsuchung im Keller Kokain gefunden wurde, gab der Mann an, er sei schockiert und habe gar nicht gewusst, dass er einen Keller habe. „Wenig glaubwürdig“, so das Gericht. Als Zeugen angaben, dass die Wohnung als Lager und Verarbeitungsort für das Aufstrecken des Kokains verwendet wurde, meint er, er könne nicht wissen, was im Wohnzimmer vor sich gehe, wenn er im Nebenraum sitze, die Türe sei angelehnt gewesen und er habe nichts gesehen.

Geld eingetrieben

Was an Stoff nicht sofort im Lochauer Wettlokal bezahlt wurde, musste eingetrieben werden. Zuständig war laut Gericht unter anderem der Vater. Dieser präsentiert sich wiederum blauäugig: „Ich habe Geld entgegengenommen, weil jemand bei meinem Sohn Schulden hatte. Für was, konnte ich nicht wissen“, so die Aussage des 54-Jährigen. Insgesamt geht es um zwei Kilo Kokain. „Wir glauben schon, dass die Eltern lieber mit einem Gemüsehandel ihr Einkommen verdient hätten, aber schlussendlich war es dann halt doch Kokain. Und von diesem Handel profitierte die ganze Familie“, so Staatsanwalt Manfred Bolter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.