Maler Gerhard Winkler lässt Veränderungen miterleben

Kultur / 25.04.2019 • 19:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Arbeiten von Gerhard Winkler sind im Stadtmuseum Dornbirn ausgestellt. Sorko

Die Werke des Malers Gerhard Winkler sind Zeugnisse von Vergangenheit und Gegenwart.

Dornbirn Sein erstes Werk entstand vor 75 Jahren in einem tristen Luftschutzkeller in Wien. Damals sehnte er sich nach der Natur, der Donau und der Sonne. Als Sechzehnjähriger malte er Ziegelfabriken und Mühlen. „Nie wieder Krieg, dafür Freiheit, Frieden und eine Gesellschaft, die Kultur ermöglicht, sie sichtbar werden lässt. Diese Freiheit möge auch in der Zukunft erhalten bleiben“, sagt der Maler.

Gerhard Winkler (geb. 1939) studierte an der Akademie der bildenden Künste sowie an der Universität Wien und war anschließend als Lehrer für Bildnerische Erziehung im Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich tätig. 1963 übersiedelte er nach Dornbirn, wo er am Bundesgymnasium den Lehrberuf ausübte und in der Erwachsenenbildung tätig war.

„Als Lehrer muss man an die anderen denken, es handelt sich um einen sozialen Beruf. Ich fühle mich auch als Lehrer“, erklärt der akademische Maler. Mit seinen Schülern unternahm er zahlreiche Ausflüge, besuchte Museen und funktionierte den Dornbirner Marktplatz zu einem Freiluftatelier um. Er organisierte knapp 30 Jahre ehrenamtlich Kunstfahrten für die Stadt Dornbirn, die stets ausgebucht waren. Der Kunstpädagoge schenkte der Kirche Tisis in Feldkirch drei sechs Meter lange Engeldarstellungen, die den Thematiken Hoffnung, Glauben und Liebe gewidmet wurden.

So ist es wenig verwunderlich, dass er fast zwei Jahre lang einen afghanischen Familienvater im Rahmen eines Flüchtlingsprojekts der Caritas betreut hat. Gemeinsam haben sie im Baumarkt nach dem perfekten Besenstiel gesucht und an seinen Deutschkenntnissen gefeilt. „Als Außenstehender sollte man sich in die Situation eines geflüchteten Menschen hineinversetzen. Auch alltägliche Einkäufe können eine Herausforderung sein“, stellt Winkler fest.

Augenblicke festhalten

Seit seiner Pensionierung 1999 widmet er sich verstärkt der Landschafts- und Architekturmalerei. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Augenblicke“ im Stadtmuseum Dornbirn können die Besucher Landschaftsbilder und religiöse Darstellungen auf sich wirken lassen. Schon im Eingangsbereich findet man ein halbfertiges Hinterglasbild vor, das erahnen lässt, welche Fähigkeiten man für diese umgekehrte Maltechnik besitzen muss. Das Glas dient als Malgrund und Deckschicht zugleich. „Was unbedingt sichtbar sein soll, wird zuerst gemalt, was zuletzt gemalt wird, ist nur in den verbleibenden Zwischenräumen sichtbar. Es sind keine Korrekturen mehr möglich“, erklärt Winkler und fügt hinzu: „Die Faszination des Glases als Bildträger, der Glanz der Farben und das Spiel mit dem Licht haben seit der Antike bis zur Gegenwart nichts an Ausstrahlung verloren.“ Für den Kreuzweg nach Ratzen in Schwarzenberg kreierte der Künstler 14 Stationen, die als Orte der Reflexion und Meditation genutzt werden können. Jedes seiner symbolträchtigen Werke steckt voller Botschaften und bringt den Weg Christi nachhaltig zum Ausdruck.

Seit 2015 hängen vierzehn Hinterglasbilder, die Werke der Barmherzigkeit, in der Kapelle des Dornbirner Krankenhauses. „Mein bevorzugtes Thema für die Hinterglasmalerei sind Engel. Sie sind Boten des Schutzes, der Zuversicht und der Hoffnung. Sie sind da und doch nicht greifbar, sie leuchten durch die Farben Gold und Silber hinter dem Glas“, sagt der facettenreiche Maler.

Porträt eines Ortes

Seine Ölgemälde sind authentisch, sie entstehen nicht nach Fotos. Der Maler begibt sich auch bei Regen oder Schnee mit seiner Staffel nach draußen. Im Sommer kommt dabei auch der Sonnenschirm aus dem Besitz des Dornbirner Malers Alfons Luger (1869-1945) zum Einsatz. „Ölfarbe bleibt beim Malen lange offen, das heißt, sie braucht Zeit zum Trocknen und gibt mir immer wieder Zeit um nachzudenken und die Bildinhalte zu erspüren und zu erleben“, erklärt er.

Mit seinen Arbeiten schafft Winkler nicht nur Kunstwerke, sondern er hält den Wandel der Stadt fest. Es geht ihm nicht darum, ein topografisches Abbild zu erstellen, er möchte vielmehr ein charakteristisches Porträt schaffen.

Die Betrachter können den Wandel der Industriearchitektur miterleben. Eines seiner Lieblingsmotive ist der 1465 Meter hohe Staufen, der den Künstler mit seiner klaren Pyramidenform an einen Vulkankegel erinnert.

Zu seinen Motiven zählen unter anderem die Färberei im Steinebach, die Pfarrkirche von Haselstauden und das Textilwerk J.M. Fussenegger. „Ich versuche nicht das sichtbar zu machen, was ich vor mir sehe, sondern auch die Menschen zu sehen, die das geschaffen haben, die an diesen Orten arbeiteten oder immer noch arbeiten“, erklärt Winkler und fügt hinzu: „Für mich ist jeder Blick, gleich wohin, einfach ein Bild. Es geht nicht um Imitation der Wirklichkeit, sondern um das Sein hinter den Dingen.“

Momentan ist Winkler wieder im Steinbruch anzutreffen. Zum Glück für die Nachwelt denkt er bereits über seine nächsten Buchprojekte nach. Mit seinen Werken hält er Augenblicke für die Ewigkeit fest und lässt auch Stilentwicklungen sichtbar werden. Miriam Sorko

Geöffnet im Stadtmuseum Dornbirn bis 19. Mai, Di bis So, 10 bis 17 Uhr. Öffentliche Führung mit Prof. Gerhard Winkler am 19. Mai, 10 Uhr: www.stadtmuseum.dornbirn.at