Klauser Traditionsgasthaus Adler muss wegen Personalmangel schließen

VN / 09.05.2019 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Brigitte und Alex Breuss müssen das Gasthaus Adler in Klaus schließen. Schuld ist nicht die wirtschaftliche Lage, sondern der Mangel an Arbeitskräften. VN/SCHWEIGKOFLER

Zwei Jahre lang haben der Klauser Adler-Wirt Alex Breuss und seine Frau Brigitte nach Mitarbeitern gesucht: ohne Erfolg. Jetzt schmeißen sie das Handtuch, der Traditionsbetrieb sperrt Ende Monat zu.

Gernot Schweigkofler

Klaus Hiobsbotschaft für ein weiteres Traditionsgasthaus im Vorderland. Das Landgasthaus Adler in Klaus wird Ende des Monats zugesperrt. „Wir haben eine sehr gute Auftragslage, es läuft richtig gut“, erzählt Alex Breuss, der das Haus seit fünf Jahren führt. „Aber wir finden einfach kein Personal.“ Seit zwei Jahren bemühe man sich vergeblich auf unterschiedlichsten Kanälen um Personal, vor allem um Service-Kräfte. „Wir haben knapp 10.000 Euro investiert“, schildert Brigitte Breuss. Aber: „Es gibt kaum Bewerber, wir haben noch nicht einmal die Chance, uns zu präsentieren.“ Dabei liege man mit dem Gehalt und den Sozialleistungen deutlich über dem Kollekivvertrag. „Bei uns bekommen sie mehr netto als im Kollektivvertrag brutto vorgesehen wäre“, erzählt die Wirtin. Dazu kommt eine Fünf-Tage-Woche, Überstunden fallen kaum an. „Der einzige Weg, an Arbeitskräfte zu kommen, wäre über Leasingarbeiter“, meint Alex Breuss. „Aber das ist wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar.“

„Der Adler läuft gut, aber wir finden einfach kein Personal.“

Alex Breuss, Adlerwirt in Klaus

Damit verliert Klaus das letzte verbliebene Dorfgasthaus, der Engel sperrte vor knapp zwei Jahren zu. „Ich bedaure das sehr, vor allem, weil das Gasthaus ja sehr gut geht“, sagt Bürgermeister Werner Müller. „Der Adler ist eine wichtige Säule für unser Gesellschaftsleben. Aber leider können wir als Gemeinde hier nicht weiterhelfen und nichts daran ändern.“ Die Bedeutung für den Ort werde erst jetzt richtig spürbar, schildert auch der Adlerwirt. „Es ist für unsere Gäste ein richtig emotionales Thema“, schildert er die Reaktionen. „Immerhin verlieren jetzt viele Vereine und Stammtische ihr Lokal.“

Der Gasthof Adler 1969: Das Gebäude ist über 200 Jahre alt, dient seit mindestens 80 Jahren auch als Gasthaus. Vorarlberger Landesbibliothek
Der Gasthof Adler 1969: Das Gebäude ist über 200 Jahre alt, dient seit mindestens 80 Jahren auch als Gasthaus. Vorarlberger Landesbibliothek

Harald Furtner, Spartengeschäftsführer bei der Wirtschaftskammer, bedauert die Schließung: „Es ist immer schade, wenn Betriebe schließen müssten.“ Der Fachkräftemangel treffe den Tourismus stark. Dabei müsse man bedenken, dass in den letzten sieben Jahren zehn Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, die Nachfrage sei immer noch steigend. „Mittlerweile haben auch die Jahresbetriebe Probleme“, meint er. Von den Saisonbetrieben kennt man die Misere ja schon länger. Die Kammer führe laufend Gespräche und habe Projekte in der Pipeline, dafür benötige es aber finanzielle und personelle Ressourcen, hier sei die Politik gefordert. Die Schließung von Betrieben, bzw. Leistungssenkungen wie zusätzliche Ruhetage sind für den Kämmerer nicht nur ein Problem der Betriebe, sondern der Gesellschaft. „Das ist eine Umsatz- und Wertschöpfungsvernichtung“, erklärt er. „Dabei erzeugen gerade Tourismus- und Gastronomiebetriebe auch noch eine hohe Umwegrentabilität.“

Suche nach neuem Lokal

In Klaus scheint der Zug abgefahren. „Ich würde mir von Herzen wünschen, dass noch ein Wunder geschieht und Alex und Birgit Personal finden“, hofft Bürgermeister Müller. Aber die Wirtsleute glauben nicht mehr daran. Außerdem habe man unmittelbar nach der Entscheidung alle Buchungen storniert, das sei für die Gäste auch schwierig. Die beiden werden der Gastronomie erhalten bleiben. Sie machen sich jetzt auf der Suche. Aber das neue Lokal soll kleiner werden. Etwa 30 Sitzplätze (statt bisher 90) wäre eine gute Größe. „Da können wir dann ohne Mitarbeiter arbeiten“, erklärt Breuss.