BH-Beamten bedroht: Mehrmonatige Haftstrafe für 19-Jährigen

VN / 10.05.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der junge Angeklagte hatte auch schon vor dem Vorfall einiges auf dem Kerbholz. Eckert
Der junge Angeklagte hatte auch schon vor dem Vorfall einiges auf dem Kerbholz. Eckert

Vorbestrafter Arbeitsloser drohte Sozialabteilungsmitarbeiter mit „Fresse einschlagen“.

Christiane Eckert

Feldkirch Der Fall erinnert an die Bluttat in der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn im Februar dieses Jahres. Vor Gericht steht ein 19-jähriger Mann, der den Eindruck macht, als könne er kein Wässerchen trüben. Er ist höflich, gelobt Besserung, versichert Bemühungen um eine Arbeitsstelle und hat angeblich regen Kontakt zur Bewährungshilfe. Doch in seiner Vergangenheit hat sich einiges angehäuft. Mit 15 wurde er wegen Raub und Nötigung verurteilt. Im selben Jahr eine weitere Verurteilung wegen schwerem Raub. Haftstrafe 21 Monate, sieben davon unbedingt. Er wird bedingt entlassen und begeht einen Einbruchsdiebstahl. Das war die Vergangenheit. Aktuell ist es wieder eine ganze Litanei von Straftaten, die dem jungen Mann vorgeworfen wird.

„Gibt es gesundheitliche Gründe, dass Sie seit zwei Jahren keiner Arbeit nachgehen?“, will Staatsanwalt Markus Fußenegger wissen. „Nein“, gibt es nicht, antwortet der sportlich gebaute U-Häftling. Genau um dieses Thema ging es, als der Beschuldigte im März dieses Jahres wütend die Sozialabteilung der Bezirkshauptmannschaft Bregenz aufsuchte: um Kürzungen der Mindestsicherung, weil der Mann mehrere AMS-Termine nicht wahrgenommen hatte. Der Arbeitslose suchte den zuständigen BH-Mitarbeiter auf und drohte ihm mit erhobener Faust: „Ich schlage Dir Deine Fresse ein! Ich weiß, wo Du wohnst. Ich kenne auch dementsprechende Leute, die ich vorbeischicken kann.“

Nochmals nachgehakt

„Angesichts der Vorkommnisse in Dornbirn fürchtete ich mich, aber auch abgesehen von diesem Vorfall hatte ich Angst, dass ich den Mann einmal auf der Straße treffen könnte und er mich attackiert“, so der 41-jährige Zeuge vor Gericht. Ein beängstigender Anruf kam dazu. Der junge Mann rief nämlich wenig später bei der Behörde an und ließ dem Zuständigen über eine Angestellte ausrichten: „Ich habe nichts zu verlieren, er schon.“ Dabei habe er einen ruhigen Eindruck gemacht, jedoch klar signalisiert, dass der Zuständige sich nicht in vermeintlicher Sicherheit wiegen solle.

Ein Plan fürs Leben

Stolz präsentiert der junge Mann Richter Richard Gschwenter ein selbst gefertigtes Plakat, das er gemeinsam mit Sozialarbeitern angefertigt hat. Das sei ein Plan, den er ausgearbeitet habe. „Zukunft, Arbeit, Wohnen, Termine einhalten“ ist darauf vermerkt. „Es ist klar, dass man nach Dornbirn sensibilisiert ist und meinen Mandanten in U-Haft steckte“, räumt Verteidigerin Astrid Nagel ein. Dennoch hebt sie die Bemühungen hervor und plädiert für eine milde Strafe. Zu der BH-Geschichte kommt noch eine Körperverletzung mit 500 Euro Schmerzensgeldverpflichtung, dazu ein paar weitere versuchte Delikte, alles in allem 11,5 Monate unbedingte Haft, wobei der Staatsanwalt bereits ankündigt, die Entscheidung zu bekämpfen.