Bezirksgericht: Dem Bruder eine Watschn, der Schwester ein Cut

15.05.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
 Die Fürsorge des 24-jährigen Tschetschenen gegenüber seinen Geschwistern artete in Gewalt aus.  vn
Die Fürsorge des 24-jährigen Tschetschenen gegenüber seinen Geschwistern artete in Gewalt aus. vn

Private tschetschenische Familienangelegenheit wurde zum Fall fürs Gericht.

Dornbirn Zunächst die Personalien. Wie üblich erfragt Richter Frank Plasinger vom 24-jährigen Angeklagten am Bezirksgericht Dornbirn zunächst seinen Namen, Wohnadresse und auch, ob er denn Schulden habe. „Im Augenblick noch nicht. Aber nach dieser Verhandlung mit Sicherheit“, so die prompte Antwort des Tschetschenen.

In der Tat rechnet der junge Mann aus Grosny mit einer Verurteilung. Schließlich steht er zu den Vorwürfen. Doch so umfassend sein Geständnis ist, so wenig Reue spricht aus ihm. Ja, er habe seinen Bruder geschlagen. „Es war eine Familienangelegenheit und die Watschn war nicht grundlos“, sagt er, denn: „Dem ist alles egal. Er lässt zu, dass unsere Schwester Drogen nimmt und sich mit Leuten einlässt, die ihr nicht gut tun.“

„Blöd erwischt“

Seine „fürsorgliche Haltung“ gegenüber der Familie bekam auch die Schwester des Beschuldigten zu spüren. Der Faustschlag vom Bruderherz hinterließ eine Rissquetschwunde in ihrem Gesicht. „Ich habe sie etwas blöd erwischt, darum das Cut“, rechtfertigt er die doch erhebliche Verletzung.

Die Schwester, die die Angelegenheit zur Anzeige gebracht hatte, erscheint als Zeugin nicht vor Gericht, das zweite Opfer hingegen schon. Richter Plasinger fragt den 18-jährigen Bruder und erhält Antworten, kurz und bündig: „Wurden Sie durch die Ohrfeige verletzt?“ „Nein.“ „Hatten Sie Schmerzen?“ „Ja.“ „Und für wie lange?“ „Einen Tag.“ „Verlangen Sie Schmerzensgeld?“ „Nein.“

Seine Einvernahme ist eine Sache von wenigen Minuten. Es folgt der Schuldspruch. 1400 Euro Strafe wegen Körperverletzung, einmal mit Verletzungsvorsatz (Cut der Schwester), das andere Mal wegen Misshandlungsvorsatz (Ohrfeige).

„Wenn Sie etwas ändern wollen, können Sie es nicht mit Gewalt durchsetzen.“

Richter Frank Plasinger

Der Verurteilte nimmt die Entscheidung an, hat aber noch etwas hinzuzufügen: „Damit Sie es nur wissen: Ich bin am Landesgericht Feldkirch zwei Mal verurteilt worden, obwohl ich unschuldig bin“, behauptet der 24-Jährige. Doch Richter Plasinger hat auch noch etwas zu bemerken: „Ihre Geschwister leben ihr eigenes Leben. Wenn Sie etwas daran ändern wollen, können Sie es nicht mit Gewalt durchsetzen.“