Mäder: Mitterlehner will mit seinem Buch der Partei nicht schaden

15.05.2019 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner stellte sich in Mäder den Fragen der stellvertretenden VN-Chefredakteurin Hanna Reiner. VN/Stiplovsek
Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner stellte sich in Mäder den Fragen der stellvertretenden VN-Chefredakteurin Hanna Reiner. VN/Stiplovsek

Für Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner gilt der Begriff „Haltung“ nicht nur für den Titel seines Buchs. Das wurde auch bei der Buchpräsentation in Mäder deutlich.

Mäder Weltoffen und liberale politische Haltungen pflegend, so gab sich Reinhold Mitterlehner (63, VP), einstiger Vizekanzler und Bundesparteichef der Volkspartei, anlässlich einer Präsentation seines Buchs „Haltung – Flagge zeigen in Leben und Politik“ vor rund 200 Besuchern im J.J. Ender Saal in Mäder. Organisiert hatte den Abend die Bücherei Mäder mit Nina Winkler. Dass Mitterlehners Buch gefragt ist, wird nicht nur dadurch deutlich, dass einen Monat nach dem Erscheinungstermin bereits mehr als 23.000 Stück über den Ladentisch gegangen sind. Mitterlehner, der vor zwei Jahren die Spitzenpolitik an den Nagel hängte, spricht die Menschen quasi parteiübergreifend an: Neben Sympathisanten der Volkspartei hatten auch jene der Grünen und Sozialdemokraten im Saal Platz genommen. Im Gespräch mit der stellvertretenden VN-Chefredakteurin Hanna Reiner ging Reinhold Mitterlehner auf den Inhalt seines Buchs ein.

Zu 80 Prozent positive Reaktionen

Mit seinem Buch will Mitterlehner vielfach berichtete und kolportierte Unwahrheiten über seinen Abgang von der bundespolitischen Bühne im Mai 2017 klarstellen. Zumal die Machtübernahme durch Sebastian Kurz für den Ex-Vizekanzler und jetzigen Betreiber eines Beratungsbüros von langer Hand vorbereitet war. Dass vor allem die Bundesparteispitze keine Freude damit hat, war und ist ihm durchaus bewusst: „Ein Buch bewegt, und davon war ich überrascht. Für Werbung haben wir kein Geld benötigt, das hat die Parteispitze übernommen.“

Es gab Tadel und es gab Lob, handelt es sich dabei wirklich um eine Abrechnung? „Es war nie meine Intention, eine Abrechnung zu machen, auch wenn es so interpretiert wird. Ich wollte und will der Partei nicht schaden. Für mich ist es eine Klarstellung und Faktendarstellung im Sinne der Geschichtsschreibung. Ich war überrascht, dass das Buch so viele Reaktionen ausgelöst hat.“ Die Reaktionen sind quer durch alle Parteien aber zu 80 Prozent positiv, zieht der ehemalige Spitzenpolitiker einen Monat nach dem Erscheinen seines Werks eine positive Bilanz.

Eigengestaltung statt Fremdgestaltung

Eine Rückkehr in die Politik schloss Mitterlehner so gut wie aus: „Im Hinblick auf den Informationsstand könnte ich von heute auf morgen wieder in die Politik gehen. Ich habe es nicht vor, das habe ich auch meiner Familie versprochen.“ Nachsatz: „Ich schätze das Leben, wie es jetzt ist. Sie glauben gar nicht, wie schön es ist, die Eigengestaltung zu haben und nicht die Fremdgestaltung.“ Was den Vormarsch der Populisten betrifft, so hält es der 63-Jährige mit einem US-Professor, der dieser Tage in Wien ein Referat hielt: „Populisten schaffen erfundene Katastrophen, für die sie erfundene Lösungen anbieten.“ Vor diesem Hintergrund schlägt er vor, Populisten positive Visionen entgegenzusetzen. Es gehe vor allem beim Flüchtlingsthema darum, den Leuten nicht Angst zu machen, sondern die Angst zu nehmen. Aus seiner Sicht wird die Zivilgesellschaft nicht mehr in dem Maß in politische Entscheidung miteinbezogen, wie sie es verdienen würde. „Beispiel dafür ist die Verstaatlichung der Flüchtlingsbetreuung.“ Stichwort Flüchtlinge: Mitterlehner hält die Sonntagsdemonstrationen gegen die Asylpolitik des Bundes für ein wichtiges Zeichen. Von einem aus dem Steuertopf finanzierten Rundfunk rät Mitterlehner strikt ab: „Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Dann haben wir einen dirigierten Rundfunk.“

„Grüne sollten im Parteienspektrum einen fixen Platz haben, weil es der Demokratie guttut.“

Reinhold Mitterlehner, Ex-Vizekanzler und Buchautor