VGKK braucht 700 Millionen: Noch viele Fragen zur Kassenfusion offen

16.05.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Proteste von Manfred Brunner und Ärztekammerpräsident Michael Jonas gegen die Kassenzentralisierung gingen ins Leere. VN/STIPLOVSEK

VGKK braucht im kommenden Jahr mehr als 700 Millionen Euro.

Dornbirn Mehr als 700 Millionen Euro braucht die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) im kommenden Jahr, um die Leistungen für ihre Versicherten aufrechterhalten zu können. Wie die künftige Landesstelle zu ihrem Geld kommt, ist allerdings immer noch unklar und eine von 2728 offenen Fragen, auf die derzeit in 70 Projektgruppen eine Antwort gefunden werden soll. „Bis Jahresende müssen die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geklärt sein“, sagt VGKK-Obmann Manfred Brunner. Tatsächlich ist jedoch alles noch offen. Skeptiker befürchten sogar ein Chaos rund um die Kassenzentralisierung.

Den Dreh schaffen

Brunner hat die Sache für sich abgehakt. „Wir werden der Österreichischen Gesundheitskasse einen gut geführten Betrieb übergeben“, bemerkt er mit einem Anflug von Sarkasmus. Dazu gehört auch eine ausgeglichene Bilanz für 2019. Derzeit ist ein Minus von 5,1 Millionen Euro veranschlagt. Gebarungsvorschauen würden immer mit kaufmännischer Vorsicht gemacht, begründet Brunner. Er ist überzeugt, den Dreh bis Jahresende zu schaffen.  Das gelang auch 2018, als aus dem prognostizierten Abgang von 2,7 Millionen Euro ein Überschuss von 1,6 Millionen Euro blieb, die als Rücklagen in die Leistungssicherung flossen, im kommenden Jahr aber bei der ÖGK landen.

Heuer sind Aufwendungen in der Höhe von 682 Millionen Euro budgetiert. Gleichzeitig rechnet die VGKK mit einer Steigerung der Beiträge um vier Prozent. Demgegenüber stehen höhere Ausgaben bei der ärztlichen Hilfe (4,9 Prozent), bei den Medikamenten (4,5 Prozent), beim Zahnersatz (6,9 Prozent), beim Krankengeld (5 Prozent) sowie bei der Vorsorge (16 Prozent). Brunner hofft, dass sich trotzdem noch Sparpotenzial ergibt, um die Gebarung ausgeglichen abschließen zu können. Insgesamt erwarten die Krankenkassen für 2019 ein Defizit von 83 Millionen Euro, wie aus der aktualisierten Prognose des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervorgeht. Dafür brachte das Jahr 2018 einen Überschuss von gesamt 111 Millionen Euro.

Mitarbeit in Projektgruppen

Wie das Prozedere ab 2020, wenn die ÖGK das Sagen hat, abläuft, steht hingegen noch in den Sternen. „Momentan sind 199 Personen damit beschäftigt, Antworten auf die vielen offenen Fragen zu finden“, verdeutlicht Manfred Brunner die Komplexität des Vorhabens. Auch Beschäftigte der VGKK arbeiten in den Projektgruppen mit, um die Interessen Vorarlbergs möglichst gut unterzubringen. „Was geschieht mit der Ausgabestelle für Heilbehelfe, wie geht es mit der Unterstützung der Hauskrankenpflege weiter, wie erfolgt die Abrechnung mit den Vertragspartnern, wie mit Unternehmen, die beispielsweise ihren Hauptsitz in Wien haben. Fließen dann die gesamten Beiträge ebenfalls nach Wien?“ Diese Punkte beschäftigten auch Brunner.  Seine unmissverständliche Forderung: „Das System muss auf jeden Fall so funktionieren, dass den Versicherten hier im Land keine Nachteile entstehen.“