Rücktritt vom Rücktritt: Tohuwabohu bei FP geht weiter

17.05.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
FP-Klubchef Daniel Allgäuer (oben) will Verbindendes vor Trennendes stellen, der Lorünser Ortsgruppenchef Otto Schuh tritt vom Rücktritt zurück. 

Das Rumoren bei den Vorarlberger Blauen geht weiter, die Landespartei versucht, die Wogen zu glätten.

Bregenz, Götzis, Lorüns In den Reihen der Vorarlberger Freiheitlichen rumort es weiterhin. Nach der Ortsgruppe Götzis, wo sämtliche Gemeindemandatare samt Bundes- und Gemeinderat Christoph Längle ihre Parteimitgliedschaft niederlegten, meldete sich am Freitagmittag die Ortsgruppe Lorüns mit Obmann  Otto Schuh zu Wort. Schuh teilte den geschlossenen Austritt aller Gemeindevertreter mit. Die Gründe dafür: „Bedauerlicherweise entwickelt sich die Landes-FP in den letzten Jahren in eine Richtung, die für uns nicht mehr tragbar ist. Jene Vorgänge, die sich im Vorfeld der Landtagswahl 2014 im Oberland abgespielt haben, scheinen sich in ähnlicher Weise im Vorarlberger Unterland zu wiederholen.“

In der Landespartei schrillten die Alarmglocken

In der Landespartei schrillten die Alarmglocken. Parteichef Christof Bitschi griff zum Handy und rief den gegen die Partei rebellierenden Schuh an. Dieser ruderte daraufhin zurück: Kurz vor 14 Uhr teilte Schuh den Rücktritt vom Rücktritt mit. „Kritikpunkt und Missverständnisse aus der ferneren Vergangenheit“, so der Ortsparteichef wörtlich, seien in einem Gespräch mit Bitschi ausgeräumt worden. Die Lorünser Freiheitlichen würden die Landespartei deshalb im Landtagswahlkampf mit ganzer Kraft unterstützen, beteuerte Schuh in seiner Erklärung an die Medien. Was sagt eigentlich Landesparteichef Bitschi zu Bundesrat Längles Vorwurf des Wortbruchs, zu den Parteiaustritten und zum laufenden Tohuwabohu in seiner Partei? „Klar ist, dass es bei notwendigen Erneuerungen und bei Listenerstellungen immer auch manche gibt, die unzufrieden und enttäuscht sind. Wenn sich diese dazu entschließen, sich aus der Partei zurückzuziehen, dann finde ich das nicht gut, aber es ist zu akzeptieren. Ich bin aber keiner, der Personen anpatzt, das ist nicht mein Stil“, versucht Bitschi die Wogen zu glätten.

„Listenerstellung für Parteien eine sensible Zeit“

Er konzentriere sich mit seinem Team auf die politische Arbeit, sagt Bitschi und will naturgemäß wieder zur Tagespolitik übergehen: „Wir geben in Vorarlberg in den letzten Monaten die Themen vor. Diese Bewegung spüren auch die Menschen bei uns im Land. Von diesem Weg werden wir uns auch von niemandem abbringen lassen.“ Dass Christoph Längle als einstiger Blauer nach der Landtagswahl nicht mehr im Bundesrat sitzen wird, lässt er durchblicken: „Wir werden nach der Landtagswahl im September den Weg der Erneuerung weitergehen, auch was die Nominierung für die Länderkammer betrifft, und werden auch da gemeinsam eine gute Entscheidung treffen.“

Daniel Allgäuer schlägt als Klub- und Bezirksparteichef von Feldkirch in die ähnliche Kerbe: „Listenerstellungen sind für alle Parteien eine sensible Zeit. Man denke nur an den Quasi-Rücktritt von Adi Gross als Klubchef oder an die Kampfabstimmung zwischen Daniel Zadra und Vahide Aydin, die ja Landtagskollegen bei den Grünen sind. Längles Entschluss zum Austritt ist zu akzeptieren“, betont Allgäuer, der nach dem abrupten Abgang aller vier Mandatare in Götzis möglichst rasch ein neues Team aufbauen will. „Grundsätzlich möchte ich aber immer das Verbindende vor das Trennende stellen.“

„Wenn sich Unzufriedene zurückziehen, finde ich das nicht gut, muss es aber akzeptieren.“

Christof Bitschi, Landesparteichef