Ibiza-Affäre: LR Wallner stellt Bitschi Stuhl vor die Türe

Politik / 19.05.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
LH Markus Wallners (VP) Koalitionsabsage an Ländle-Freiheitliche wird von FP-Landesparteichef Christof Bitschi heftig kritisiert. VN

VP-Parteichef LH Markus Wallner übt ungewohnt scharfe Kritik an Ländle-Freiheitlichen und Obmann Bitschi.

Bregenz Dass das Ibiza-Video sowie die Neuwahlen auf Bundesebene auch direkte Auswirkungen auf den Landtagswahlkampf haben werden, war zu erwarten. Die Affäre heizt jedenfalls die parteipolitische Stimmung im Land an. Die Härte, mit der LH Markus Wallner (51) als Chef der Vorarlberger Schwarzen den hiesigen Freiheitlichen und deren Landesparteiobmann Christof Bitschi (28) ins Gericht geht, waren politische Beobachter bisher nicht gewohnt. Wallner stellt Parteichef Bitschi („Ich werde keinesfalls mit den Vorarlberger Freiheitlichen unter Christof Bitschi koalieren“) bereits wenige Monate vor der Landtagswahl 2019 den Stuhl vor die Türe und sprach sogar von „moralischem Abschaum“.

„Bitschi wurde von Strache eingesetzt“

„Die Affäre der Freiheitlichen hat starke Auswirkungen auf die Landtagswahl, weil zwischen Bitschis FP und jener von Strache kein Unterschied besteht. Im Gegenteil: Bitschi ist von Strache eingesetzt worden.“ Darüber hinaus habe es auffallend lange gedauert, bis sich Vorarlbergs Blaue nach den jüngsten Vorfällen zu Distanzierungen durchgerungen hätten, sagte Wallner im Gespräch mit den VN. Bitschi, der erneut darauf hinweist, dass von freiheitlicher Seite nach diesem massiven Fehlverhalten und den unentschuldbaren Videoaussagen sofort die notwendigen und einzig richtigen Konsequenzen gezogen wurden, spricht im Hinblick auf den schweren Vorwurf, „moralischer Abschaum“ zu sein, von einer „völlig inakzeptablen Wortwahl Wallners in Richtung Freiheitlichen“.

Bitschi: „Inakzeptable Wortwahl von Wallner“

Dass ihm der VP-Landesparteiobmann im Hinblick auf eine etwaige Beteiligung an der künftigen Regierung auf Landesebene bereits jetzt eine Absage erteilte, hatte Bitschi offenbar erwartet. „Das ist in Wahrheit nichts Neues. Wallner wollte immer Schwarz-Grün. Obwohl er es gerne immer anders dargestellt hat, war für jeden, der ihn kennt, klar, dass er Anhänger einer grünen Regierungsbeteiligung ist und diese Regierung auch nach der Landtagswahl fortsetzen will. Die aktuelle Entwicklung nimmt er jetzt offensichtlich zum Anlass, parteipolitische Spielchen zu betreiben, um damit die Koalition mit den Grünen begründen zu können“, sagt Bitchi.

„Ich fordere Wallner auf, diese Spielchen zu beenden und vor allem auch mit seiner inakzeptablen Wortwahl in unsere Richtung Schluss zu machen“, betont der blaue Landesparteichef. Auch für den Dornbirner Nationalrat Reinhard Bösch (62), Vorgänger von Bitschi als FP-Landesparteichef, hat Wallner mit dem Begriff „Abschaum“ verbal übertrieben und überschießend reagiert. „Die Ereignisse haben ihn halt dazu verführt“, meinte Bösch im VN-Gespräch. Für FP-Klubchef Daniel Allgäuer (54) sind die Worte Wallners in Richtung Blaue im Land letztklassig: „Es ist zu hinterfragen, wie glaubwürdig Wallner von Moral reden kann? Wo war denn der moralische Anstand bei VP-Skandalen, etwa des verurteilten ehemaligen VP-Innenministers Strasser oder dessen VP-Kollegen Kucera, bei dem ein dementer Mann über den Tisch gezogen wurde. Also einfach vor der eigenen Haustüre kehren, Herr Landeshauptmann.“