Vorarlbergs Jäger wollen sich stärker für Naturschutz einsetzen

VN / 27.05.2019 • 20:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Landesjägermeister Christof Germann und sein Stellvertreter Sepp Bayer präsentierten die Vorarlberger Jägerschaft im Steinwildgehege des Feldkircher Wildparks. VN/SCHWEIGKOFLER

Die Vorarlberger Jägerschaft feiert 100 Jahre Bestehen und will zukünftig stärker in Sachen Naturschutz und als „Anwalt der Wildtiere“ auftreten.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Die Vorarlberger Jägerschaft ist die Interessensvertretung der aktuell rund 2500 Vorarlberger Jäger und Jägerinnen. Der Verein feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen, aus diesem Anlass wurde zu einem Pressegespräch in den Feldkircher Wildpark geladen. Die Aufgaben des Vereins sind die Organisation und Koordination sämtlicher Themen und Aufgaben im Zusammenhang mit der Jagd in Vorarlberg. Dazu gehört etwa die Aus- und Weiterbildung sowie Informationen und Serviceleistungen. Bekannt ist auch die Jägerschule, jedes Jahr machen rund hundert Personen die praktische und theoretische Ausbildung zum Jäger, die sogenannte „Grüne Matura“.

Die Jägerschaft verstehe sich aber auch als Interessensvertretung der Wildtiere, betont Landesjägermeister Christof Germann. Er macht sich Sorgen um die Lebensräume des Wildes. Früher sei beispielsweise der Walgau für das Rotwild ein Sommerstandort gewesen, heute erreichen die Tiere das Tal gar nicht mehr. Und auch in den Bergen werde der Druck auf das Wild immer größer, so etwa durch Tourengeher oder auch E-Mountainbiker. „Wenn die Jagd eine Zukunft haben soll, müssen wir uns aktiv für die Lebensräume der Tiere einsetzen“, hält Germann fest. Deshalb werde die Jägerschaft in Zukunft viel stärkeres Engagement in Richtung Naturschutz setzen. „Wir Jäger sind die Anwälte und Botschafter der Wildtiere“, meint der oberste Jäger. „Der Sinn der zeitgemäßen Jagd liegt in der Nachhaltigkeit.“ Neben dem Naturschutz liege der Vorarlberger Jägerschaft auch das Tierwohl am Herzen. Deshalb gehe man auch gegen unethisches Verhalten, wie jüngst eine umstrittene Treibjagd im Großen Walsertal, vor. „Jäger sollten eine Vorbildfunktion in allen Fragen der Jagdethik und des Umgangs mit der Natur ausüben“, betont Germann.

„Wir Jäger sind die Anwälte und Botschafter der Wildtiere.“

Christof Germann, Landesjägermeister

Zudem werde man in Zukunft verstärkt mit der Universität für Bodenkultur zusammenarbeiten, hier will man sich fachliches Wissen für die Weiterentwicklung der Jägerschaft holen. „Aggressiven“ Naturschutz wird die Jägerschaft aber wohl nicht betreiben. „Es gibt keine eindimensionale Sichtweise, alle Seiten müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten“, betont der Landesjägermeister.

Die Jäger nehmen das Pressegespräch auch als Anlass, um Sorgen publik zu machen. Das Sorgenkind sei aktuell das Gamswild. 1100 Gemsen wurden im Vorjahr erlegt, man liege hier 30 Prozent oberhalb der Abschussplanung. Besonders junge Böcke würden geschossen, weil diese oft weiter hinunter in die Nutzwälder kommen und dann von der Forstwirtschaft der Abschuss gefordert wird. „Das stellt einen Eingriff in die Geschlechts- und Altersstruktur des Gamswildes dar“, sorgt sich Germann.

Immer mehr Jägerinnen

Es gebe auch neue Trends. So gebe es zunehmend Absolventen der Jägerschule, die gar nicht aktiv Jäger würden, sondern diese aus Interesse an Natur und ökologischen Zusammenhängen der Region machen würden. Außerdem werde die Jagd weiblicher. Ein Drittel der Teilnehmer an der Jägerschule sind Frauen, jeder zehnte Jäger ist heute eine Frau. „Bei den Jägerinnen beobachte ich einen besonders umsichtigen und bedachten Umgang mit den Tieren“, streut Germann den Waidfrauen Rosen.

Kennzahlen zur Vorarlberger Jägerschaft

1919: Gründung durch Bregenzer Bürgermeister Ferdinand Kinz

2500 Mitglieder

200.000 Stunden pro Jahr ehrenamtlicher Einsatz der Jäger

170.000 Kilogramm pfannenfertiges Wildbret stammen im Jahr von der Vorarlberger Jägerschaft

4,1 Millionen Euro Einnahmen der Grundeigentümer durch Jagdpacht, das Land Vorarlberg verdient jährlich 680.000 Euro durch Jagdeinnahmen