„Es war eine wunderschöne Zeit“

Sport / 28.05.2019 • 22:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Marcel Koller erklärt im Gespräch, warum Offensivfussball nicht immer die beste Lösung ist. Auch wenn er ihn mag.VN/Lerch
Marcel Koller erklärt im Gespräch, warum Offensivfussball nicht immer die beste Lösung ist. Auch wenn er ihn mag.VN/Lerch

Der ehemalige Nationaltrainer Marcel Koller im VN-Interview.

Gernot Schweigkofler

Rankweil Seit August ist der ehemalige österreichische Teamchef Marcel Koller wieder im Trainergeschäft, arbeitet mit dem FC Basel. Bei einer Veranstaltung in Rankweil hat er sich mit den VN unterhalten.

Sie sind seit August Trainer beim FC Basel. Der zweite Platz in der Schweizer Liga ist wohl nicht der Anspruch den der Verein an sich selbst stellt. Wie schaut Ihre Bilanz aus?

Koller Wir haben den zweiten Platz verfestigt, das Pokalfinale gewonnen. Damit haben wir das erreicht, was noch möglich war, die Berner Young Boys hatten bereits einen großen Punktevorsprung, haben die Meisterschaft frühzeitig klar gemacht.

Schweizer Medien haben über eine Vertragsauflösung bei Basel spekuliert. Wie sehen Sie die Situation?

Koller Ich habe noch ein Jahr Vertrag und habe auch von der Vereinsführung nichts gehört. Deswegen gehe ich davon, dass ich weiter Trainer bleibe, verstehe ich die Spekulationen nicht.

Wenn Chelsea am Mittwoch gewinnt, könnte in der dritten Champions League Qualifikationsrunde der LASK ihr Gegner sein: Wäre das für Sie als Österreich-Kenner ein Vorteil oder haben sie andere Wunschgegner?

Koller Es gibt keine Wunschgegner, man kann das ja auch nicht aussuchen. Aber es wäre für mich natürlich ein spezielles Spiel, auf das ich mich auch speziell freuen würde.

Was sind Ihre Ziele mit dem FC Basel für die kommende Saison?

Koller National geht es darum, wieder näher an die Young Boys heranzukommen, um die Meisterschaft zu spielen und international wollen wir wieder mit dabei sein.

Sie haben das österreichische Nationalteam zu großen Erfolgen geführt, es gab viel Euphorie in Österreich. Wie beurteilen Sie mit etwas zeitlichem Abstand ihre Ära in Österreich?

Koller Es war eine wunderschöne Zeit. Wenn man sechs Jahre in einem Land ist und etwas aufbauen kann, dann ist das etwas sehr Spezielles. Ich erinnere mich noch wie die Stimmung war, als ich die Nationalmannschaft übernommen habe. Als ich aufgehört habe, waren die Stadien voll. Wir haben große Erfolge erzielt, ich denke gerne an das Spiel in Schweden zurück, als wir die Euro-Teilnahme fixiert haben. Ich habe die Zeit sehr genossen.

Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung des österreichischen Nationalteams noch?

Koller Ja, ich schau mir natürlich die Spiele noch an. Aber es fehlt natürlich die Zeit vor Ort zu sein.

Aktuell wird im Fussball wieder vermehrt offensiv gespielt. Auch Sie setzen schon lange auf Offensiv-Fussball – freut Sie diese Entwicklung?

Koller Natürlich freut mich das. Die Schwierigkeit für einen Trainer ist aber, dass man flexibel sein muss. Es hängt viel von der individuellen Klasse der Spieler ab. Deshalb muss man schauen, was das Beste für die Spieler ist und was sich umsetzen lässt. Außerdem muss man reagieren, wenn sich etwas nicht umsetzen lässt. Es ist einfach zu sagen „Wir spielen offensiv“, aber es braucht entsprechende Spieler. Im Nationalteam hatten wir die Spieler fürs Pressing, die konnten das hervorragend umsetzen. Am Ende muss man mit dem System erfolgreich sein.

Ist da die eine klare Defensiv-Strategie gerade für kleinere Mannschaft vielleicht der bessere Weg?

Koller Ja, das machen die kleineren Mannschaften ja auch. Gegen Deutschland spielen nur wenige Mannschaften Pressing. Da wartet man lieber ab, steht hinten drin und versucht mit einem Konter oder Standard zum Erfolg zu kommen. Wenn dann ein Unentschieden oder sogar ein Sieg gegen eine Mannschaft wie Deutschland gelingt, ist das super. Andererseits muss man vielleicht gegen noch kleinere Teams, wieder das Spiel machen. Das braucht Qualität. Mit dem Ball zu spielen und Chancen zu generieren ist schwieriger, als Defensiv in den Räumen zu stehen.

Heute sprechen Sie vor Wirtschaftsleuten aus der Region. Fussball und Geld hängen ja eng zusammen. Was für einen Connex werden Sie heute herstellen?

Koller Wirtschaft und Fussball sind eng verbunden. Die Entscheidungsträger in der Wirtschaft sind auch Fans, sind aber auch integriert, treten als Vorstände oder Sponsoren auf. Sie sind aber meist keine Fachleute, sondern eben Fans. Deshalb ist es wichtig, dass die Experten für den Fussball verantwortlich sind. Im Fussball verhalten sich, aus der Emotion heraus, die Wirtschaftsleute manchmal auch anders.

Was glauben Sie, wer gewinnt morgen die Europa League? Und wer ist Ihr Favorit fürs Champions League Finale?

Koller Arsenal gegen Chelsea wird ein enges Duell, ich denke Chelsea hat vielleicht mehr individuelle Möglichkeiten. In der Champions League wird wohl Liverpool den Sieg holen, wobei Tottenham gezeigt hat, dass sie gut dagegenhalten können. Am Ende wird sich wohl die offensive Qualität von Liverpool durchsetzen.

Das ganz Interview mit FC-Basel-Trainer Marcel Koller lesen Sie auf VN.AT