Komikerin Carolin Kebekus im Interview: „Bin witziger als die meisten Männer“

02.06.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Carolin Kebekus hat schon sechs Mal den Deutschen Comedypreis eingeheimst.  dpa
Carolin Kebekus hat schon sechs Mal den Deutschen Comedypreis eingeheimst. dpa

Die Komikerin Carolin Kebekus macht sich über alles und jeden lustig.

Köln Carolin Kebekus über die neue Staffel von „Pussy Terror TV“, ihren Nimbus als lustigste Frau Deutschlands, ihren witzigen Bruder und wie ihre Eltern ihren deftigen Humor finden.

Frau Kebekus, Sie gelten als witzigste Frau Deutschlands. Sehen Sie das auch so?

Nein, das sehe ich nicht so und zwar einfach, weil ich so viele Frauen kenne, die auch wahnsinnig lustig sind. Es ist ja nicht so, dass es die Witzigste gibt und dann ganz viele Unterwitzige. Vielleicht habe ich gerade den meisten Erfolg, aber ganz sicher bin ich nicht die Lustigste. Ich würde das sowieso nicht nur auf Frauen eingrenzen wollen, denn ich halte mich durchaus auch für witziger als so mancher Mann, also als die meisten Männer, würde ich sagen (lacht).

So manche Frau und mancher Mann ist ja auch unfreiwillig witzig.

Genau, und die sind mir überhaupt am liebsten, weil sich die in „Pussy Terror TV“ so schön veralbern lassen.

Auf welche Späße darf sich der Zuschauer in der neuen Staffel freuen?

Wir gucken immer, was in der Woche passiert ist und reagieren dann darauf, natürlich unter meinem ganz speziellen Blickwinkel, versteht sich. Aber keine Bange: Dem geneigten Zuschauer begegnen auch wieder ein paar der von mir gespielten Figuren, die er schon kennt.

Die WDR-Unterhaltungschefin bewirbt Sie mit den drei Begriffen Haltung, Herz und Humor. Was davon ist Ihnen am wichtigsten?

Die sind alle drei wichtig, und ich glaube, das eine funktioniert nicht ohne das andere. Aber da ich mich nicht vorrangig als Kabarettistin mit Aufklärungsauftrag sehe, steht der Humor bei mir schon an erster Stelle, würde ich sagen. Ich möchte in allererster Linie unterhalten.

Ist Comedy wieder politischer geworden?

Auf jeden Fall, und wenn man sich so etwas wie den Rechtsruck in Europa anschaut, dann hat man als Künstler mit einer großen Reichweite auch die Verantwortung, dazu Stellung zu beziehen, finde ich. „Pussy Terror TV“ ist zwar keine politische Sendung wie die „heute-show“, aber die wichtigsten Sachen nehmen wir schon auch mit.

Wie muss man sich ein Familientreffen bei Ihnen vorstellen: Gibt es da einen Stand-up-Teil vor dem Dessert?

Um Gottes Willen nein. Ich glaube, wir sind eine ganz normale Familie und reißen auch nicht ständig Witze, irgendwann hat man ja auch einmal frei. Aber es geht zuweilen schon lustig zu.

Was sagen Ihre Eltern dazu, dass beide Kinder im Showgeschäft sind?

Also die Zeiten, in denen mein Vater gesagt hat: „Willst du nicht doch was Ordentliches studieren“, die sind zum Glück schon lange vorbei. Meine Eltern sind mit mir in dieses Business reingewachsen, ich habe ja schon 1999 angefangen, beim Fernsehen zu arbeiten.

Und wie finden es Ihre Eltern, wenn Sie einen Ihrer derben Witze raushauen, für die Sie berühmt sind?

Mein Vater findet auch die derben Sachen gut, nur meine Mutter sagt hinterher schon mal: „Och nee, also dat war jetzt aber ein bisschen ekelig“ oder so. Aber sie verstehen, dass ich das nicht nur deshalb mache, um zu provozieren, sondern dass auch hinter den deftigen Sachen meistens ein Anlass steckt.

Wie lange möchten Sie noch im Humorgewerbe bleiben?

So lange mich die Leute noch sehen wollen. Ich will jetzt auch nicht ins ernste Fach wechseln oder so. Humor ist mein innerer Antrieb, das bin ich einfach. Ich liebe es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Von Martin Weber