Anspruchsvolle Tiefkühlkunst

Kultur / 08.06.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martina Feichtinger (r.) verbrachte vergangenes Jahr im Auftrag der Kunst knapp vier Wochen in der Arktis.FEICHTINGER

Die Vorarlberger Künstlerin Martina Feichtinger macht im Kollektiv „blau“.

Bregenz Als die Cyanotypie, ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit typisch cyanblauen Farbtönen, auch als Blaudruck oder Eisenblaudruck bekannt, von der Unesco am 28. November 2018 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde, war Martina Feichtinger gerade wieder seit fünf Wochen in der Zivilisation. Davor befand sie sich in der Arktis. Im selbstauferlegten Auftrag der Cyanotypie.

Ihre Reise, welche im Zuge des Programms „The Artic Circle“ vom 30. September bis zum 20. Oktober stattfand, hatte laut Feichtinger zu Beginn ein klares Ziel: „Ich wollte dort die Atmosphäre, die Weite, die Farben und auch die Leere einfangen, also jene Dinge, die für mich die Arktis repräsentieren.“

Konzept erweitert

Von Longyearbyen, einer kleinen Bergbaustadt auf der Insel Spitzbergen im norwegischen Archipel Svalbard aus, ging es per Schiff los, mit Crew und Künstlern waren 28 Leute an Bord. Jeden Tag gab es mehrere sogenannte Landings, bei welchen man mit den Beibooten aufs Festland übersetzen konnte. Feichtingers ursprüngliches Konzept, bei diesen Ausflügen Drucke herzustellen, wurde schon früh erweitert. Bereits als das Schiff sich in der Dämmerung der Küste näherte und die Sicht auf die schwarzen Felsen in der frisch verschneiten Landschaft freigab, griff die Künstlerin zu Papier und Tuschestift, um diesen überwältigenden Eindruck festzuhalten. Zusätzlich kam im Laufe der Zeit auch noch die Fotografie zu dokumentarischen Zwecken zum Einsatz. „Gerade mit den Tuschezeichnungen konnte ich das grafische der Landschaft hervorheben. Diese Felsen zu zeichnen kommt der Kalligrafie sehr nahe.“

Visuelles Herzstück

Zudem hat Feichtinger noch ein Video erstellt, welches ebenfalls bei der aktuellen Ausstellung im Bregenzer Kollektiv zu sehen ist. „Die Zeichnungen und Drucke werden da schon fast zum Nebenprodukt. Das Video zeigt, was der menschliche Körper in dieser Landschaft erfährt, wie flüchtig die Krone der Schöpfung in diesem Umfeld scheint.“ Der Besuch in dieser menschenfeindlichen Gegend hat bei der Künstlerin selbst Spuren hinterlassen, jedoch keinen Schaden. „Die nördliche Abendstimmung, Farbwahrnehmung als Findungsprozess, das trage ich nun immer in mir. Auch wenn ich in Vorarlberg auf einem Gipfel sitze und zeichne, dann wirken diese Erlebnisse nach.“

Die Ausstellung im Bregenzer Kollektiv zeigt neben Cyanotypien auch Siebdrucke, welche im Druckwerk in Lustenau erstellt wurden.

Zur Finnisage am 15. Juni spielt ab 19 Uhr der Bassklarinettist Philipp Hillebrand auf, man hebt sich im Zuge des Rahmenprogramms quasi das Beste für den Schluss auf.

Zur Person

Martina Feichtinger

Geboren 1988 in Feldkirch

Ausbildung Master of Arts

Laufbahn Lehraufträge an der Kunstschule Liechtenstein und der Atelierschule Zürich, Auslandsaufenthalte in Rio de Janeiro, B und New York City

„Arktis“ ist noch bis zum 15. Juni im KOLLEKTIV raum in Bregenz, Maurachgasse 1, zu sehen. Di. und Mi., 17–19 Uhr, Do. und Fr., 10–13 Uhr. http://www.kollektiv-raum.org