Mit dem Hausboot auf dem Canal de Garonne

10.06.2019 • 07:00 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
BEATE RHOMBERG

Mit einem Boot lässt sich der Südwesten Frankreichs entspannt erkunden.

Neu-Aquitanien Urlaube mit dem Hausboot liegen im Trend und im Südwesten Frankreichs lässt sich die gemächliche Fahrt wunderbar mit Kultur, Natur und Kulinarik verbinden. Neu-Aquitanien heißt die erst 2016 gegründete französische Region, die Aquitanien, Limousin und Poitou-Charentes zusammenfasst und heute die größte Region Frankreichs ist. Während der Canal du Midi, der Toulouse mit dem Mittelmeer verbindet, den Meisten ein Begriff ist, gilt der Canal láteral à la Garonne, kurz Canal de Garonne, noch als Geheimtipp. Eine gute Autostunde südlich von Bordeaux befindet sich am Hafen des beschaulichen Örtchens Le Mas d’Agenais eine der Basen von Le Boat, einem Anbieter, der Hausboote in ganz Europa und Kanada vermietet.

In der Station werden wir bereits erwartet. Die „Magnifique“, wie der vielversprechende Name unseres Bootes lautet, steht schon bereit und die Übergabe kann beginnen. Führerschein braucht man für die Fahrt keinen. Nach einer ausführlichen Einschulung und der Ernennung eines offiziellen Kapitäns, der für die Dauer der Fahrt die Verantwortung trägt, können auch wir als Ungeübte mit dem Hausboot über den Kanal gleiten. Unser Zuhause für die nächsten Tage hält, was der Name verspricht. An Bord gibt es vier Kabinen mit eigenen Badezimmern, eine großzügige Küche und natürlich ein Deck, an dem man bei gutem Wetter unter dem Sonnenschirm den Urlaub genießen kann. Nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt, um für die Fahrt gerüstet zu sein, besuchen wir erstmal Le Mas d‘Agenais, dessen Highlight neben dem typisch südfranzösischen Flair, das bei uns sofort Urlaubsstimmung aufkommen lässt, die frisch restaurierte Kirche Saint-Vincent ist, in der sich ein echter Rembrandt befindet.

Leinen los!

Nach einer Nacht im Hafen geht die Fahrt mit dem Hausboot endlich los. „Leinen los?“, fragt Katja, die als Erste das Steuer übernimmt. „Leinen los!“, rufe ich freudig von hinten zurück und blicke ein letztes Mal auf den kleinen Hafen. Links von uns fließt die Garonne, die aufgrund vieler Eigenheiten und der launischen Wasserführung für Schiffe nur sehr schwer befahrbar ist. 1856 wurde deshalb der Kanal in Betrieb genommen, der neben der Eisenbahn einen wichtigen Wasserweg für Handelsschiffe bildete. Damals zogen Pferde die Kähne flussaufwärts. Heute fahren nur noch Touristenboote entlang des Kanals. Die sogenannten Treidelpfade, auf denen früher die Pferde gingen, dienen als Rad- und Wanderwege.

Während Katja mit 8 km/h auch schon die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, werfe ich einen Blick auf die detaillierte Flusskarte in der alle Schleusen und Anlegeplätze eingezeichnet sind. Auf beiden Seiten des Kanals ragen die Bäume meterhoch in die Höhe und verschiedenste bunte Vögel begleiten uns auf unserem Weg. Bei der Fahrt mit dem Hausboot geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Vielmehr zählen hier die Ruhe und die Nähe zur Natur, die uns den Alltagsstress in kürzester Zeit vergessen lassen.

Teamwork an den Schleusen

Etwas Arbeit kommt dann aber bei der ersten Schleuse, die nicht lange auf sich warten lässt, doch auf uns zu. Mit einem freudigen „Bonjour“ begrüßt uns Thierry, den wir bereits am Tag zuvor beim Abendessen kennengelernt haben, als wir gerade dabei sind in der Schleuse unser Boot anzulegen. Gemeinsam mit seiner Frau führt der gebürtige Belgier im ehemaligen Schleusenwärterhaus ein Restaurant. Da die Schleusen heute automatisch funktionieren, werden für die leerstehenden Häuser neue Pächter gesucht, die ihnen ein zweites Leben einhauchen.

Viele ehemalige Schleusenwärterhäuschen wurden zu Restaurants oder romantischen Ferienhäusern umgebaut. Im Vordergrund sieht man die Schleuse. BEATE RHOMBERG

Als das Boot mit dem tags zuvor gelernten Achterknoten gut festgezurrt ist, drücke ich den Knopf, der die Schleuse aktiviert. Langsam füllt sie sich mit Wasser und hebt unser Boot um gut zwei Meter nach oben. Katja und Oliver halten in der Zwischenzeit die Seile stramm, um die Magnifique am Umhertreiben zu hindern. Teamwork ist auf so einem Hausboot unerlässlich. Im Sommer kann es an den Schleusen schon mal zu kurzen Wartezeiten kommen. „Richtig überfüllt wird es am Canal de Garonne aber nie“, kann auch Thierry bestätigen und winkt uns zum Abschied freundlich hinterher. Gemächlich gleiten wir weiter den Kanal entlang, passieren mehrere Schleusen und werden immer routinierter. Das Steuer darf natürlich jeder mal übernehmen. Zum Mittagessen legen wir in Damazan an und bereiten uns in der Küche ein paar Köstlichkeiten zu. Französischer Ziegenkäse, Oliven und Baguette dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Schließlich soll der Genuss bei so einer Reise ja nicht zu kurz kommen. Wer lieber aufs Kochen verzichtet, schlendert ganz einfach ins Dorf und lässt sich in einem Restaurant verwöhnen.

Vom Kanal auf die Baïse

Als wir nach einigen Stunden Buzet-sur-Baïse erreichen, verlassen wir den Canal de Garonne und biegen nach einer aufregenden Doppelschleuse, bei der wir dann aber doch von einem der letzten Schleusenwärter unterstützt werden, auf die Baïse ab und fahren in den nächsten Tagen vorbei an wunderschönen Orten, wie Vianne oder Lavardac bis nach Nérac. Mit dem Fluss ändert sich auch die Landschaft. Ging es auf dem Kanal noch hauptsächlich geradeaus, so schlängelt sich die wildromantische Baïse deutlich kurviger durch die Region, die heute hauptsächlich für ihren Obstanbau und den köstlichen Wein bekannt ist. Mit Nérac erreichen wir nach zwei Tagen Fahrt auch schon unser Ziel. Für uns geht es von hier aus mit einigen Stopps leider schon wieder zurück. Für Urlauber mit mehr Zeit hält das Gebiet rund um die Garonne aber noch Vieles mehr bereit.

Nérac wird von der Baïse in zwei Teile geteilt. Zehn Jahre lang lebte hier König Heinrich IV. Als er nach Paris zog, geriet die schöne Stadt in Vergessenheit. Beate Rhomberg
Nérac wird von der Baïse in zwei Teile geteilt. Zehn Jahre lang lebte hier König Heinrich IV. Als er nach Paris zog, geriet die schöne Stadt in Vergessenheit. Beate Rhomberg

Neu-Aquitanien

Lage Südwesten Frankreichs

Hauptstadt Bordeaux

Bootsfahrt Verschiedenste Hausboote können über den Anbieter Le Boat gebucht werden. www.leboat.at

Anreise Direktflüge von Zürich nach Bordeaux mit Swiss

Weitere Infos https://at.france.fr oder www.nouvelle-aquitaine-tourisme.com/de/

Beate Rhomberg
Beate Rhomberg
In der Kirche von Le Mas d'Agenais befindet sich ein echter Rembrandt.
In der Kirche von Le Mas d’Agenais befindet sich ein echter Rembrandt.
Die Wassermühle von Barbaste, nur wenige Minuten vom Hafen Lavardac entfernt.
Die Wassermühle von Barbaste, nur wenige Minuten vom Hafen Lavardac entfernt.