Eine Reise mit unbekanntem Ausgang

Markt / 17.06.2019 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manfred Schmid (Wirtschaftsdelegierter Zürich), WKV-Dir.-Stv- Marco Tittler, Gudrun Hager (WD Mailand) und WKV-Präsident Hans Peter Metzler. WKV/serra
Manfred Schmid (Wirtschaftsdelegierter Zürich), WKV-Dir.-Stv- Marco Tittler, Gudrun Hager (WD Mailand) und WKV-Präsident Hans Peter Metzler. WKV/serra

Dynamik in wichtigen Exportländern lässt nach. Vorarlberger Exporttag zeigt Chancen für Unternehmen auf.

Feldkirch Als „Gemengelage“ bezeichnet Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler die derzeitige geopolitische Lage in der Welt. Also als unübersichtliche Situation mit widersprüchlichen Interessen der verschiedenen Akteure. „Europa muss dabei aufpassen, nicht zerrieben zu werden.“ Und für Vorarlberg als Exportland, in dem 4700 Unternehmen Waren und Dienstleistungen in Summe von über zehn Milliarden Euro im Jahr exportieren und sechs von zehn Euro des Bruttoinlandsprodukts im Außenhandel generiert werden, ist das keine einfache Situation.

Auf dem 5. Vorarlberger Exporttag informierten Wirtschaftsdelegierte aus 27 Ländern aller Kontinente die 200 anwesenden Vertreter von Vorarlberger Unternehmen. Begehrt waren dabei Gespräche mit den Delegierten aus Zukunftsmärkten wie China, Brasilien und Thailand. Auch an den USA, so Wirtschaftskammer-Vizedirektor Marco Tittler, sehe man wieder steigendes Interesse. Er verweist auch auf eine Umfrage, nach der die Vorarlberger Exporteure zwar mit ihren internationalen Geschäften sehr zufrieden sind, die globalen Entwicklungen allerdings intensiv beobachtet werden. „Auch wenn 2018 wieder ein neuer Export-Rekord gelingt, ist das kein Grund zum Jubeln. Denn die Dynamik ringsherum lässt nach“, sagt Tittler. Hier befinden sich auch die drei wichtigsten Exportländer Vorarlbergs. Nämlich Deutschland, gefolgt von der Schweiz und Italien.

Gudrun Hager ist die Wirtschaftsdelegierte in Mailand. 2017 wurden Waren im Wert von 588 Millionen Euro (+11,5%) von Vorarlberg nach Italien exportiert. 35 Vorarlberger Unternehmen haben eine Niederlassung oder Beteiligung in Italien. Aber Italiens Wirtschaft zeigte 2018 deutliche Bremsspuren. Grund waren zum einen der Abschwung bei wichtigen Wirtschaftspartnern und der Brexit als auch der schwache Konsum und die rückläufigen Investitionen im eigenen Land. Wobei Norditalien eine andere Ausgangslage als der Süden habe, ein Durchschnittswert biete daher immer ein verschwommenes Bild. Pessimistisch ist Hager dennoch nicht. „Italien ist es gewohnt, mit Unsicherheiten umzugehen.“

Die Schweizer Wirtschaft blicke indes auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurück, wie Wirtschaftsdelegierter Manfred Schmid betont. Für heuer wurden die Prognosen allerdings nach unten korrigiert. Die Präsenz Vorarlberger Unternehmen mit 240 Niederlassungen in der Schweiz sei aber ungebrochen hoch. 2017 wurden Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro (+2,3%) von Vorarlberg in die Schweiz exportiert.

Brisanz um Rahmenabkommen

Beherrschendes Thema in der Beziehung zwischen der Schweiz und der EU sei derzeit das Rahmenabkommen über die bilateralen Beziehungen (z. B. Personenfreizügigkeit), das von Schweizer Seite noch nicht unterzeichnet wurde. Die EU wiederum habe angekündigt, bei Nicht-Unterfertigung die Äquivalenz für die Schweizer Börse nicht mehr zu verlängern. Das würde bedeuten, dass Banken und Vermögensverwalter aus der EU an der Schweizer Börse nicht mehr handeln dürften. Für Schmid bietet das viel Brisanz: „Es steht quasi auf Messers Schneide.“ VN-reh