Im LKH Feldkirch sollen Roboter beim Operieren helfen

VN / 17.06.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Roboter können nur unterstützen, zum Operieren braucht es immer noch den Menschen. AP
Roboter können nur unterstützen, zum Operieren braucht es immer noch den Menschen. AP

LKH Feldkirch prüft intensiv die Anschaffung eines robotergestützten Systems.

Feldkirch Das Landeskrankenhaus Feldkirch will weiter aufrüsten. Derzeit wird intensiv die Anschaffung eines robotergestützten Operationssystems geprüft. „Als Schwerpunktkrankenhaus sollten wir auf diesen Zug aufspringen“, bestätigt der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, auf VN-Anfrage entsprechende Bemühungen. Beschlüsse seien aber noch keine gefallen, spricht er von einer Prüfungsphase, durch die das Projekt derzeit läuft. Eine konkrete Entscheidung muss der Aufsichtsrat der KHBG treffen. Die Anschaffung eines solchen Systems würde gesamt immerhin rund 4,4 Millionen Euro kosten. Medizinische Einsatzbereiche im LKH Feldkirch wären Gynäkologie, Urologie sowie Chirurgie.

Keine rechtliche Wirkung

Aus formalrechtlichen Gründen hat die KHBG ihre Pläne kürzlich im Amtsblatt der EU kundgetan. Dabei handelt es sich um eine sogenannte ex ante-Transparenzbekanntmachung. Der Begriff ex ante bedeutet „im Voraus“, „vorab“ oder „zuvor“ und beschreibt eine Betrachtung oder Beurteilung einer Sachlage vor Eintritt des eigentlichen Ereignisses. Ex ante wird hauptsächlich in der juristischen Fachsprache, zuweilen aber auch in der Wirtschaftssprache verwendet. „Diese Vorabbekanntmachung hat allerdings noch keine rechtliche Wirkung“, betont Gerald Fleisch. Sie beschreibt unter anderem lediglich den genauen Auftragsumfang. Die rund 4,4 Millionen Euro, die das System für ein roboterunterstütztes Operieren am LKH Feldkirch kosten würde, setzen sich zusammen aus 990.000 Euro für den Roboter selbst sowie 3,4 Millionen Euro für Instrumente, Service und Trainingsprogramm, gerechnet auf eine Laufzeit von fünf Jahren.

Wichtig für Personalrekrutierung

Laut Fleisch gewinnt die roboterunterstützte Chirurgie immer mehr an Bedeutung. Weltweit sind über 5000 Systeme im Einsatz. In Österreich gibt es zehn Krankenhäuser und Kliniken, die schon auf diese Methode setzen. „Das Landeskrankenhaus Feldkirch darf sich aufgrund der Größe, Fächervielfalt und des hervorragenden Personals mit den besten Gesundheitszentren weitum messen“, sagt der KHBG-Direktor. Daneben würden vor allem der Ausbildungsauftrag und die wesentliche Positionierung am Fachärztemarkt bedingen, die Option des modernen roboterunterstützten Operierens zu prüfen. Fleisch verweist auf das Beispiel Deutschland, wo Bewerber für chirurgische Fächer teilweise bereits nachweisen müssen, dass sie zumindest über Erfahrungen am Robotersimulator verfügen. „Um als moderne Klinik weiterhin Bestand zu haben, wäre ein roboterunterstütztes System auch ein wichtiges Tool bei der Personalrekrutierung“, verdeutlicht Gerald Fleisch. 

Möglichkeiten erweitern

Dabei gehe es nicht darum, den Menschen am OP-Tisch zu ersetzen, sondern dessen Möglichkeiten gerade bei schwierigen und umfangreichen Eingriffen durch Robotertechnik zu erweitern. Das robotergestützte Operationssystem ermöglicht, die Position und Orientierung der Instrumente mithilfe einer speziellen Kamera auf natürliche Weise in Echtzeit zu kontrollieren. Roboterarme bedienen die Instrumente und Kamera und passen sich den Bewegungen des Bedieners mit Handcontrollern an, um die Operation auszuführen. Allerdings würde ein solches System zusätzliches OP-Personal erfordern, das bekanntermaßen jetzt schon knapp ist. Gerald Fleisch räumt gewisse Engpässe bei der Personalsituation im OP-Bereich ein, man arbeite jedoch mit Hochdruck an einer Aufstockung. „Eine Implementierung der neuen Operationsmethode würde deshalb sehr behutsam erfolgen. Außerdem müsste eine längere Trainingsphase miteinberechnet werden“, ergänzt er.