Pio darf zu Hause bleiben

Vorarlberg / 17.06.2019 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Pio und seine Mama Claudia. Die Ferienbetreuung für den Sommer in Pios natür­licher Umgebung ist nun gesichert. VN/PAULITSCH
Pio und seine Mama Claudia. Die Ferienbetreuung für den Sommer in Pios natür­licher Umgebung ist nun gesichert. VN/PAULITSCH

Der Achtjährige, der das Downsyndrom hat, erhält nun doch Ferienbetreuung in Vandans.

VANDANS Die von den VN publizierte Geschichte sorgte für viel Aufsehen und angeregte Diskussionen: Eine Mutter aus Vandans beklagte im März dieses Jahres den Umstand, dass man ihren achtjährigen Sohn nicht in die örtliche Ferienbetreuung aufnehmen wolle. Grund dafür: Pio hat das Down-syndrom. Er sei ein schwieriges Kind, argumentierte Bürgermeister Burkhard Wachter. Und weil dem so sei und es mit Pio schon im Vorjahr „Probleme“ gegeben habe, wolle man ihn diesen Sommer zur Ferienbetreuung in „eine Einrichtung“ geben.

Diese Ankündigung löste nicht nur bei Pios Mutter Claudia Kiparra (42) Entrüstung aus. Viele nahmen Anstoß an der Reaktion der Gemeinde und beklagten die mangelnde Integrationsbereitschaft. SPÖ-Landtagsabgeordneter Michael Ritsch (50) richtete in diesem Zusammenhang sogar eine Anfrage an den Landeshauptmann.

Abwechselnd da für Pio

Jetzt, kurz bevor die diesjährigen Sommerferien anstehen, hat sich die Situation in Wohlgefallen aufgelöst. „Ja, das Problem ist heuer gelöst. Pio kann für die Ferienbetreuung im Dorf bleiben. Es wurde eine Lösung gefunden“, bestätigt Mutter Claudia Kiparra gegenüber den VN. Und so schaut die Lösung aus: Pio erhält während der dreieinhalb Wochen seiner Ferienbetreuung im August zwei Sonderbetreuerinnen zur Seite gestellt. Eine Fachkraft wird von der Caritas-Familienbetreuung gestellt, die zweite Betreuerin ist eine angehende Sozialpädagogin und Freundin von Pios Mutter.

Sie werden sich abwechselnd um Pio kümmern.

Auch in der Gemeinde Vandans zeigt man sich erleichtert. „Wir sind sehr froh über diese Lösung, die wir gemeinsam mit den Verantwortlichen vom Land und Pios Mutter erreichen konnten“, kommentiert Gemeindesekretärin Eveline Breuss die erfreuliche Entwicklung.

Dem positiven Ausgang des Konflikts vorausgegangen war ein gemeinsames Gespräch im Gemeindeamt mit allen Beteiligten, an welchem auch Bürgermeister Burkart Wachter teilnahm.

Die nun erzielte Lösung im „Fall Pio“ wird auch vom Land begrüßt. Elisabeth Tschann (56), Leiterin der Fachabteilung Integrationshilfe im Land: „Dass diese Einigung zustande kam, ist natürlich erfreulich. Für uns ist das aber auch ein Auftrag, Dialoggruppen mit den Schulen zu gründen.“

Inklusion und Integration

Sich nicht einfach zurücklehnen will auch Claudia Kiparra, die kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung als Sozialpädagogin steht. „Es geht hier nicht nur um meinen Sohn. Es geht hier allgemein um Inklusion und Integration. Dieser Fall hat sehr viele Reaktionen ausgelöst, und es war gut, dass er publik wurde.“ Laut Kiparra finde derzeit eine enge Vernetzung all jener Vereine und Initiativen statt, die sich für Kinder mit Beeinträchtigungen einsetzen. „Wir bekommen nun einen Überblick, wie die Situation in den einzelnen Gemeinden ist und wie diese mit ähnlich gelagerten Fällen umgehen. Das ist für die ganze Sache von großem Nutzen.“

„Der Fall Pio ist für uns ein Auftrag, Dialoggruppen mit den Schulen zu gründen.“

Pio und seine Mama Claudia. Die Ferienbetreuung für den Sommer in Pios natürlicher Umgebung ist nun gesichert. VN/PAULITSCH
Pio und seine Mama Claudia. Die Ferienbetreuung für den Sommer in Pios natürlicher Umgebung ist nun gesichert. VN/PAULITSCH