Beengte Wohnverhältnisse: Knapp 23.000 Vorarlberger leben in zu kleinen Wohnungen

Politik / 18.06.2019 • 13:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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5,9 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger leben in beengten Wohnverhältnissen. Damit liegt Vorarlberg nach Wien und Salzburg an dritter Stelle in Österreich.

Johannes Huber

Schwarzach 5,9 Prozent der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger leben in beengten Wohnverhältnissen. Was nach wenigen klingt, sind in Wahrheit sehr viele: Laut „Statistik Austria“ handelt es sich um 22.800 Männer, Frauen und Kinder. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Lustenau, der viertgrößten Gemeinde des Landes.

Österreichweit ist der Anteil nur in zwei Bundesländern höher. Und zwar in Wien mit weit überdurchschnittlichen 18,7 Prozent und in Salzburg mit 7,5 Prozent. Sonst ist der Anteil überall niedriger. Im Burgenland handelt es sich gar nur um 1,2 Prozent. Zufall ist das keiner: Wo die Wohnkosten wie in Vorarlberg vergleichsweise üppig sind, sind mehr Menschen gezwungen, sich mit wenig Wohnraum zu begnügen; wo die Kosten wie eben im Burgenland niedrig sind, sind die Möglichkeiten größer.

Was sind beengte Wohnverhältnisse?

Fragt sich nur: Was sind beengte Wohnverhältnisse? „Statistik Austria“ hat das definiert: Wohnungen sind überbelegt, wenn auf weniger als 35 Quadratmetern mehr als eine Person lebt; oder auf weniger als 60 Quadratmetern mehr als zwei, auf weniger als 70 mehr als drei und auf weniger als 90 Quadratmetern mehr als vier Personen. Bei mehr als fünf Personen wird im Fall von weniger als 110 Quadratmetern Fläche von beengten Verhältnissen gesprochen.

Wie alltäglich das Problem ist, weiß Stefanie Wutzl. Sie ist am Institut für Sozialdienste (ifs) in der Wohnberatung tätig: „Ich erlebe es sehr häufig, dass Klienten bewusst in Wohnungen gehen, die nach offiziellen Kriterien zu klein sind.“ In der Regel würden sie das nicht freiwillig tun. Sie seien vielmehr dazu gezwungen: „Alleinerzieherinnen mit ein, zwei Kindern können sich aufgrund der Mietpreise keine größere Wohnung leisten.“ Vor allem, wenn sie auf die Mindestsicherung angewiesen sind. Für drei Personen beträgt der Richtsatz hier beispielsweise 682 Euro pro Monat. Auf dem freien Markt ist es damit schwer, etwas Adäquates zu finden.

Kaum Erschwingliches in Dornbirn

Besonders in Vorarlberg: Die durchschnittliche Monatsmiete inklusive Betriebskosten macht im Land rund neun Euro pro Quadratmeter aus. Österreichweit sind es knapp acht, im Burgenland keine sechs Euro. Wobei die Preise für Neuvermietungen durchwegs höher sind und es auch in Vorarlberg selbst erhebliche Unterschiede gibt: Wohnungssuchenden mit wenig Geld kann Wutzl nur zu Flexibilität raten. In Dornbirn etwa werden sie kaum etwas Erschwingliches finden. Also ist es besser für sie, sich anderswo umzuschauen.

Die ifs-Beraterin stellt fest, dass es unter diesen Umständen auch sehr viele Menschen gibt, die versuchen, bei Freunden und Verwandten unterzukommen. Womit sie sich nicht nur auf beengte, sondern auch auf ungesicherte Verhältnisse einlassen. Eine Kündigungsfrist und solche Dinge haben sie dort jedenfalls nicht.

Die Arbeitsgemeinschaft „Wohnungslosenhilfe“, der neben dem ifs unter anderem die Organisationen Caritas und Dowas angehören, schreibt in ihrem jüngsten Bericht, dass bereits jede vierte Person, die ambulant betreut wird, über kein rechtlich abgesichertes Wohnverhältnis mehr verfügt. Tendenz: Steigend. Der Mangel an günstigen Wohnungen leiste prekären Verhältnissen bei all jenen Vorschub, die nur über sehr begrenzte Mittel verfügen.