Begeistert von Vorarlberg

Kultur / 19.06.2019 • 20:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Radiolegende Rosemarie Isopp verstarb 91-jährig. 2997 Mal hieß es mit ihr „Autofahrer unterwegs“.

Dornbirn, wien Auch wenn die Jungen heute mit ihrem Namen nichts mehr anfangen können – für alle Übrigen ist Rosemarie Isopp bis heute eine Institution, die uns über Jahrzehnte im Radio in der Sendung „Autofahrer unterwegs“ charmant unterhalten und informiert hat und mit der Zeit als regelmäßiger Gast am häuslichen Mittagstisch fast zur Familie gehörte. Unglaubliche 2997 Sendungen dieses beliebten Formats hat sie im Laufe von drei Jahrzehnten, von 1957 bis 1988, gestaltet und moderiert, 79 davon als öffentliche Veranstaltungen in Vorarlberg, zu dem sie im Laufe der Zeit auch eine sehr persönliche Bindung entwickelte. „Autofahrer unterwegs“ wurde nach über 15.000 Sendungen mit einer Quote von oft bis zu zwei Mill. Hörern bereits vor 20 Jahren eingestellt, jetzt ist auch ihr Aushängeschild Rosemarie Isopp, 31 Jahre nach ihrer letzten Sendung, vor wenigen Tagen 91-jährig in Wien verstorben.

Eigentlich wollte Isopp, die am 13. Oktober 1927 in Wien-Favoriten zur Welt kam, ja Schauspielerin werden und stand nach einer abgeschlossenen Ausbildung auch tatsächlich am Linzer Landestheater mit Waltraut Haas und Erich Auer auf der Bühne. Doch dann erreichte sie der Ruf der damaligen RAVAG, und von da an wurde die Devise „Radio ist meine große Leidenschaft“ zu ihrem Leitspruch. Die damals neue tägliche Infotainment-Sendung „Autofahrer unterwegs“, die sie abwechselnd mit anderen präsentierte, schien wie geschaffen für Isopp. Mit ihrer ebenso schlagfertigen wie gewinnenden Art, ihrer gepflegten, angenehmen Sprache wurde sie in Kürze zur „sympathischsten Radiostimme Österreichs“ und erreichte eine Popularität, von der sogar manche Burgschauspieler nur träumen konnten.

„Isopp schauen“

Wie sehr sie schon früh nur über ihre Stimme in der Vorstellung der Zuhörer zur Radiolegende geworden war, ließ sich daran erkennen, als sie 1966 erstmals mit einer öffentlichen „Autofahrer“-Sendung in Lustenau gastierte. Da kamen die Leute in Scharen, wollten „Isopp schauen“, das Gesicht zur Stimme sehen. Ihre Aufgabe war es damals, zur populärsten Sendezeit über Mittag bestimmte Anlässe im Land zu präsentieren, die in den allermeisten Fällen überhaupt nichts mit dem Autofahren zu tun hatten. Aber das kümmerte niemanden. Da gab es Sendungen zu Kulturevents wie den Festspielen, zu wintersportlichen Ereignissen im Montafon oder im Bregenzerwald, zu wirtschaftlichen Treffen wie die Dornbirner Messe, zu sozialen Anlässen im Kinderdorf oder auch zu Firmenjubiläen. Da durfte dann der Chef gegen eine Werbegebühr in einem 4-Minuten-Interview mit Isopp unverblümt Werbung für seine Textilien oder Stickereien betreiben.

Immerhin aber wurde damit stets auch die „Straßenkameradschaft“ unter den Autofahrern heraufbeschworen, ein Begriff, der überhaupt erst durch diese Sendung populär wurde. Daneben mussten auch die üblichen „Hausaufgaben“ erfüllt werden, also Wetterbericht, Mittagsglocken aus dem jeweiligen Bundesland, Suchmeldungen, die damals über Fernschreiber hereintickerten („Herrn Xy, unterwegs im Auto mit der Nummer Soundso, soll sich zuhause melden, die Mutter ist verstorben“). Das war in einer Zeit ohne moderne Kommunikationsmittel noch möglich, aus heutiger Sicht aber allein aus Datenschutzgründen unglaublich. Die Musik kam von Band oder Platte, oftmals auch live von heimischen Blas- oder Tanzkapellen. Auch Promis waren gerne bei Isopp zu Gast, um neue Platten oder Bücher zu promoten.

Unvergessene Käsknöpfle

Rosemarie Isopp war bei allen Risken einer öffentlichen Livesendung nicht aus der Ruhe zu bringen, sogar bei der Übertragung von einem fahrenden Bodenseeschiff über Funk, damals eine technische Sensation. Als einmal mitten während einer Sendung aus einer Dornbirner Bank Bombenalarm gegeben wurde und Polizisten hereinstürzten, fuhr sie mit ihrem Team ins nahegelegene Funkhaus und setzte die Sendung dort seelenruhig fort. Aber so etwas verbindet, und so meinte sie noch 2009 im Rückblick in einem VN-Gespräch: „Ich bin begeistert von Vorarlberg, das mir im Laufe der Zeit fast zur zweiten Heimat geworden ist. Unvergesslich die Menschen, die mich immer mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen haben. Unvergessen auch die Vorarlberger Käsknöpfle, die bis heute zu meinen Lieblingsgerichten zählen. Nicht zu vergessen auch das anschließende ‚Varrießerle‘!“

Nach Auslaufen der Autofahrer-Sendung widmete sich Rosemarie Isopp, die 1983 mit dem Berufstitel Professor und 1987 mit dem Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg geehrt wurde, verstärkt ihrer zweiten Leidenschaft, dem Reisen, und führte Reisegruppen durch die halbe Welt. Sie erkundete neben Russland und Südamerika allein zwanzigmal China, stets abseits ausgetretener Pfade, und schilderte ihre Eindrücke bis vor wenigen Jahren noch in Vorträgen in der Wiener Urania, jeweils assistiert von ihrer Schwester Hilde, die sie „Putzi“ nannte.

Rosemarie Isopp bei einem Besuch in Vorarlberg und einst mit Rex Gildo. ju
Rosemarie Isopp bei einem Besuch in Vorarlberg und einst mit Rex Gildo. ju