Musiktipps. Von Fritz Jurmann zur Schubertiade

Kultur / 21.06.2019 • 21:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Alfred Brendel, Wiener Philharmoniker

ALBUM Live in Vienna

PRODUKTION DECCA

Das Klavierwunder Alfred Brendel hat uns gerade bei der Schubertiade seit seinem Debüt 1979 eine unglaubliche Fülle an großer pianistischer Kunst geschenkt. Auch nach dem unvergessenen Abschiedskonzert in Schwarzenberg vom 19. Juni 2008 mit Schuberts großer letzter B-Dur-Sonate ist er dem Festival auf andere Weise verbunden geblieben, mit fast jährlichen Auftritten in Lesungen, Vorträgen und Podiumsgesprächen. Dennoch bleibt Brendel hier vor allem als Pianist legendär. Zur Erinnerung veröffentlicht DECCA erstmals zwei Livemitschnitte aus Wien, die den Künstler auf der Höhe seiner Intellektualität und Stilkompetenz zeigen. 2001 wurde dort die ereignishafte Deutung von Schumanns Klavierkonzert a-Moll zusammen mit den Philharmonikern unter Sir Simon Rattle aufgenommen, bereits 1979 die in sanfter Eleganz musizierten Händel-Variationen von Brahms. Meisterkurs: 24. Juni; Musikgespräch: 28. Juni in Schwarzenberg

KÜNSTLER Paul Lewis, Klavier

ALBUM Sonaten von Weber und Schubert

PRODUKTION harmonia mundi

Die Nachfolge Alfred Brendels angetreten hat mittlerweile der Engländer Paul Lewis, der in den vergangenen 20 Jahren hier als Solist, Klavierbegleiter und Kammermusiker eine feste Größe geworden ist. In seinem aktuellen Album legt er klar, dass die zwei Komponisten Carl Maria von Weber und Franz Schubert trotz ähnlicher Lebensdaten und -umstände in ihrer Klaviermusik mehr trennt als verbindet. Ihre beiden frühen Sonaten sind zwar zeitgleich um 1817 an der Nahtstelle von der Klassik zur Romantik entstanden, kontrastieren aber in Melodiefindung, Stilistik, Ausdruck und Verarbeitung allein durch die Tradition ihrer Komponisten. Beim Deutschen Weber ahnt man die heiteren Aufschwünge, auch das Diabolische seines „Freischütz“, beim Wiener Schubert dominiert das Tänzerische zwischen Lächeln und Traurigkeit. Paul Lewis legt diese Gegensätze in einer pianistischen Glanzleistung frei. Konzert 29. Juni in Schwarzenberg

KÜNSTLER Matthias Goerne, Leif Ove Andsnes,

ALBUM Schumann Liederkreis op. 24, Kernerlieder

PRODUKTION harmonia mundi

Der deutsche Bariton Matthias Goerne gehört zu den Topleuten seines Faches und ist mit seinen dunklen Stimmfarben und dem oft ins Dramatische neigenden Ausdruck (Schuberts „Erlkönig“) seit 1994 ein auch bei der Schubertiade überaus geschätzter Interpret im Liedfach. In seinem neuen Album, bei dem ihm der hier ebenfalls bestens bekannte Norweger Leif Ove Andsnes fabelhaft assistiert, geht es um zwei der wohl bedeutendsten Zyklen aus Schumanns Liederjahr 1840, die bis heute Maßstäbe für das Wesen des romantischen Liedes gesetzt haben. Sowohl im Liederkreis op. 24 wie in den Kernerliedern verbinden sich die gehaltvollen Textvorlagen der beiden großen deutschen Dichter Heinrich Heine und Justinus Kerner ideal mit den oft fantasievollen Stilmitteln, die Schumann dafür gefunden hat. In Goernes intensiv expressiver Interpretation bleibt die saubere Diktion leider noch verbesserungswürdig. Konzert 29. Juni in Schwarzenberg

KÜNSTLER Arthur und Lucas Jussen, Klavier

ALBUM Schubert Impromptus

PRODUKTION DG (2 CDs)

Klavierduos sind in der heutigen Zeit eine selten anzutreffende Spezies, auch bei der Schubertiade. Dort debütiert nun mit den niederländischen Pianisten Arthur (23) und Lucas (26) Jussen ein junges, mehrfach ausgezeichnetes Gespann. Beachtlich ist neben dem komplexen vierhändigen Zusammenspiel als Besonderheit auch die jeweils solistische Beherrschung des Klaviers durch die beiden Künstler. Sie haben für ihre aktuelle CD Schuberts Gruppen von jeweils vier Impromptus D 899 und 935 ausgewählt, die oft als Studienliteratur von höheren Töchtern seligen Angedenkens fast zu Tode malträtiert wurden. Die Jussens geben diesen fast als Sonatenform aufzufassenden kunstvollen Werken, jeder auf seine persönliche Weise, ihre Würde zurück. Gemeinsam greifen sie u. a. für Schuberts Fantasie in f-Moll mit großer Sensibilität in die Tasten, jenem Werk, das sie auch bei ihrem Debütkonzert spielen. Konzert 14. Juli in Hohenems