Zum Pferderennen nach Siena

Reise / 21.06.2019 • 10:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Italiens berühmtestes Pferderennen dauert kaum länger als eine Minute. Doch welch ein Jubel für den Sieger!

Rüstungen rasseln, Hellebarden klirren, Männer schwenken riesige Fahnen: Im Sommer ist die gesamte Toskana ein einziges großes Fest. Aber wer da nur eine routinierte Kostümschau für Touristen erwartet, der stellt verblüfft fest: Die Einheimischen sind mit Herzblut bei der Sache, die Gäste von außerhalb völlig unwichtig. Das gilt besonders für das Fest der Feste, den Palio delle Contrade. Das historische Pferderennen findet seit dem 13. Jahrhundert alljährlich zweimal statt: am 2. Juli zu Ehren der Muttergottes von Provenzano und am 16. August zu Ehren der Schutzpatronin Madonna von Siena. Bei jedem der beiden Pferderennen auf der historischen Piazza del Campo starten zehn von 17 Stadtvierteln im Rennen um die Sieger-Seidenstandarte, den „Palio“; die restlichen sieben erhalten automatisch beim nächsten Mal ein Freilos. Schauplatz dieser bekanntesten und beliebtesten historischen Veranstaltung Italiens ist die toskanische Traumstadt Siena. Den erdigen Farbton rechts oben aus dem Schulmalkasten kennt jeder. Doch so richtig zum Leuchten kommt das warme Siena-Rotbraun nur in der Stadt, die ihm den Namen gab. Im Abendlicht beginnen die verschachtelten Fassaden unter dem Domberg wahrhaftig zu glühen. Kein Zweifel: Die gotische Altstadt ist die schönste im Land. Das hat sie sogar schriftlich: Die Unesco hat sie komplett zum Weltkulturerbe erhoben. Bereits von fern wirkt Siena mit seinen Türmen und Zinnen wie aus einer anderen Welt. Aber zweimal im Jahr ist das alles pure Theorie: beim Palio. Jeweils drei Tage lang verwandelt sich dann die ganze Stadt in ein riesiges, farbenfrohes Volksfest. Bereits der Einzug der Abordnungen aller Stadtbezirke auf die Piazza del Campo, ein mehrere Stunden dauerndes Schauspiel, ist ein großes Fest. Die Teilnehmer sind in die mittelalterlichen Kostüme und Rüstungen gekleidet, die Fahnenschwinger versuchen sich gegenseitig in ihrer Kunst zu übertreffen. Einen großartigen Eindruck bekommt bereits, wer an den Vortagen durch die Stadt bummelt. Was für eine Stimmung! Und die Contraden: Sie sind für einen

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