100 Jahre Hermann Gmeiner: Ein Leben für Kinder in Not

Vorarlberg / 23.06.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hermann Gmeiner (2 v. r.) realisierte mit Helene Didl, Maria Hofer und Walter Gstrein die SOS-Kinderdorf-Idee. SOS KINDERDORF

Vor 100 Jahren kam Hermann Gmeiner, der Gründervater der SOS Kinderdörfer, zur Welt.

Heidi Rinke-Jarosch

alberschwende Er war Visonär, Pragmatiker und Vater von Tausenden Kindern: Hermann Gmeiner kam vor 100 Jahren, am 23. Juni 1919, in Alberschwende zur Welt. In dieser Zeit litten die Menschen noch an den Folgen des Ersten Weltkriegs.
Der Bub wuchs als sechstes von neun Kindern einer Bergbauernfamilie auf. Seine Mutter starb, als er fünf Jahre wurde. Von da an sorgte seine älteste Schwester Elsa für ihn und die anderen Geschwister. Sie lebte das Engagement der späteren SOS-Kinderdorf-Mütter vor.

Hermann Gmeiner war ein fleißiges Kind. Seine guten Leistungen in der Alberschwender Dorfschule wurden mit einem Stipendium belohnt, das ihm den Besuch des Gymnasiums in Feldkirch ermöglichte. Allerdings wurde er 1940 kurz vor der Matura von der Deutschen Wehrmacht eingezogen.

1950: Gründervater Hermann Gmeiner begrüßt die ersten Kinder im ersten SOS-Kinderdorf in Imst. FotoS: SOS Kinderdorf

1950: Gründervater Hermann Gmeiner begrüßt die ersten Kinder im ersten SOS-Kinderdorf in Imst. FotoS: SOS Kinderdorf

Im Krieg gegen die Sowjetunion war Gmeiner in Ungarn und in Finnland eingesetzt. Er wurde mehrmals verwundet. Einmal rettete ihm ein russischer Junge das Leben. Das hat Gmeiner nie vergessen. Er selbst erzählte später einmal, dass mit diesem Erlebnis die Geschichte von SOS Kinderdorf begonnen habe. Doch noch war Krieg und er lag bis November 1945 verwundet im Lazarett Bregenz. Danach dann half er seinem Vater auf dem Bauernhof. Als sein älterer Bruder aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und ihn ersetzte, holte Hermann Gmeiner die Matura nach. Im Herbst 1946 begann er in Innsbruck Medizin zu studieren.
Neben dem Studium engagierte sich Gmeiner in der Jugendarbeit. Er leitete die Dekanatsjugend Innsbruck und wurde auf diese Weise mit dem Elend vieler Kriegswaisen konfrontiert.

Gemeinsam mit engagierten Frauen und Männern entwickelte er die SOS-Kinderdorf-Idee. Durch den Krieg verwaiste beziehungsweise verlassene Kinder sollten ein neues Zuhause mit familiärer Struktur bekommen. Anders als in den damaligen Waisenhäusern und Erziehungsanstalten sollten die Kinder seiner Ansicht nach in einem eigenen Daheim, mit Mutter und Geschwistern, im Schutz einer Dorfgemeinschaft aufwachsen. Auf diese Weise entstanden die vier ursprünglichen SOS-Kinderdorf-Prinzipien „Mutter, Geschwister, Haus, Dorf“.

Das erste SOS-Kinderdorf wurde in Imst errichtet.
Das erste SOS-Kinderdorf wurde in Imst errichtet.

Das erste Familienhaus

Am 25. April 1949 gründete Gmeiner mit seinen Kollegen den Verein „Societas Socialis“ und widmete sich fortan ausschließlich der SOS-Kinderdorf-Idee. Er gab auch das Medizinstudium auf.
Seine Idee kostete Geld. Gmeiner hatte allerdings nur 600 Schilling Startkapital. Maria Hofer, eine Wegbegleiterin, half aus. Durch den Verkauf eines Grundstücks lukrierte sie 50.000 Schilling. Damit konnten der Grund in Imst gekauft und erste Spendenaufrufe finanziert werden.
Im gleichen Jahr noch wurde mit dem Bau des ersten SOS Kinderdorfs in Imst begonnen. Die Firstfeier für das erste Familienhaus, das Haus „Frieden“, fand am 2. Dezember 1949 statt. Noch am selben Tag erfolgte der Spatenstich für den Bau von vier weiteren Häusern. Vorarlberg bekam 1966 in Dornbirn am Knieberg ein SOS Kinderdorf.

Die Kinderdorfbewegung breitete sich rasch aus, österreichweit und international. Mittlerweile gibt es mehr als 550 SOS Kinderdörfer in über 134 Ländern, in denen knapp 80.000 Kinder und Jugendliche ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Zudem werden mehr als eine Million junge Menschen und deren Angehörige durch Sozial-, Bildungs- und medizinische Programme sowie Nothilfeprojekte unterstützt.
Am 26. April 1986 starb Hermann Gmeiner 66-jährig an den Folgen einer Krebserkrankung. Auf eigenen Wunsch wurde er in einer Grabstätte auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfs in Imst beigesetzt. Seinen Nachfolger hatte Gmeiner bereits 1985 bestimmt: Helmut Kutin. Der Südtiroler präsidierte die SOS Kinderdorf Organisation von 1986 bis 2012. Seither ist der Inder Siddhartha Kaul Präsident.

Auszeichnungen

„Red‘s nit, tuat‘s was“, war Hermann Gmeiners Motto. Für sein Wirken wurde er mehrfach ausgezeichnet. In Vorarlberg erhielt er 1974 das Goldene Ehrenzeichen des Landes Vorarlberg und 1980 den Dr.-Toni-Russ-Preis. In Wien wurde ihm zu Ehren ein Platz benannt und ein Denkmal errichtet, in Dornbirn trägt ein Park seinen Namen.

Zu Ehren Hermann Gmeiners

Hermann Gmeiner kam am 23. Juni 1919 in Alberschwende zur Welt. Sein Geburtshaus wird von Nachkommen bewohnt.

Feier in Alberschwende SOS Kinderdorf feiert den 100. Geburtstag seines Gründervaters gemeinsam mit dem Musikverein Alberschwende im Rahmen des 52. Bregenzerwälder Musikfestes „Musig ischt Trumpf“. Gefeiert wird vom 27. bis 30. Juni mit Riesenprogramm mit zahlreichen Musikgruppen. Einen Teil des Erlöses des Preisjassens (Samstag) spendet der Musikverein Alberschwende der Organisation SOS Kinderdorf.

Infos https://mvalberschwende.at