Schubert pur in einem Kunst-Natur-Erlebnis

Kultur / 23.06.2019 • 19:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Sommer-Schubertiade begann vielversprechend mit zwei Konzertereignissen.

SCHWARZENBERG Die aktuelle Schubertiade ist heuer bis auf ein paar Restkarten ausverkauft, noch bevor sie überhaupt begonnen hat. Das gab es noch nie und ist eine Bestätigung für Geschäftsführer Gerd Nachbauer, der mit seiner klugen Programmphilosophie in 19 Konzerten innerhalb von neun Tagen nicht nur attraktive Namen, sondern auch höchste Qualität anbietet. Womit neben dem kommerziellen auch der künstlerische Erfolg garantiert scheint. Aus aller Welt sind deshalb wieder Musikfreunde herbeigeströmt, um hier im in die Landschaft eingebetteten Angelika-Kauffmann-Saal mit seiner exzellenten Konzertakustik quasi Schubert pur und original in einem Kunst-Natur-Erlebnis zu genießen.

Man hat noch Jahre danach von dem Sensationserfolg geschwärmt, den der Luzerner Mauro Peter 2012 bei seinem Schubertiade-Debüt mit Schuberts „Müllerin“ eingefahren hat. Er war damals der draufgängerische Müllerbursche in Person, wie man ihn sich besser nicht vorstellen konnte. Ebenso auch der ideale Mozarttenor, als den ihn Nikolaus Harnoncourt kurz danach für seinen Mozartzyklus ans Theater an der Wien holte.

Nun wurde Mauro Peter zum zweiten Mal nach 2014 bei diesem Festival mit Schuberts Zyklus „Winterreise“ betraut, mit der Figur des alten, vom Leben enttäuschten, todessehnsüchtigen Wanderers im Mittelpunkt. Und das ist nun schon ein Kaliber von anderem Gewicht, das bis heute auch abgebrühten Liedgestaltern den Schweiß auf die Stirn treibt. Es wäre ungerecht zu behaupten, ein 32-Jähriger sei noch nicht reif für die „Winterreise“. Aber man will ihm diese Figur noch nicht so recht abnehmen, weil Peter derzeit noch die letzten gestalterischen Ausdrucksmittel fehlen, um beim Zuhörer die erwartete Erschütterung auszulösen. Seine Vorzüge liegen dafür woanders. Er besitzt eine der schönsten jungen lyrischen Tenorstimmen unserer Zeit, die er mit einem bruchlosen Wechsel ins Kopfregister und einer makellosen Höhe fein differenziert und imposant ins Treffen führt. Peter punktet aber auch mit einer beispielhaften Diktion, und er kann sich blind auf seinen Begleiter und Mentor verlassen, den großartigen Helmut Deutsch, der mit ihm eine unglaublich dichte Übereinstimmung erzielt. Nach einer langen Gedenkminute bedankt sich das Publikum mit Standing Ovations. Gebt Mauro Peter weitere fünf Jahre an Entwicklung – dann wird seine nächste „Winterreise“ wieder zur Sensation.

Mit ständigen Blickkontakten

Neben der Domäne Lied ist die Schubertiade längst auch zum Treffpunkt der weltbesten Streichquartette geworden. Da bedarf es schon eines Ensembles vom Kaliber des spanischen Cuarteto Casals, um die Schubertianer noch derart aus der Fassung zu bringen wie in seinem total überbuchten Konzert. Seit 2006 sind die Dame und die drei Herren hier fast jährlich vor Ort und beeindrucken auch diesmal in ihrer beispielhaften Homogenität, die aus ständigen Blickkontakten entsteht, mit einem variablen Klang von heiter hell bis düster dunkel und einer kaum erträumbaren Intonation. Mit Haydns „Vogel-Quartett“ und Mozarts „Jagd-Quartett“ haben sie sich zwei Werke der Klassik gewählt, die auf außermusikalische Anregungen zurückgehen – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Haydn lässt seinem Spieltrieb im Zwitschern vor allem der beiden Violinen ungehindert freien Lauf, vergisst dabei aber nicht auf eine kompositorisch beeindruckende Arbeit. Dagegen wirkt Mozart in seinem B-Dur-Quartett aus einer Reihe, die sich auf Haydn bezieht, weit ernsthafter, fast schon in Beethoven-Nähe gerückt, mit einem langsamen Satz in satter Pianissimo-Kultur als Zentrum.

So sehr ins Heute geholt wie diese Vier hat man Schuberts singuläres Streichquintett C-Dur kaum einmal. Sie betonen die unglaubliche Modernität des wild auffahrenden Kopfsatzes, geben dem berühmten Adagio alle Zeit der Welt zur strömenden Entfaltung im Streichersatz, zu dem Clemens Hagen am zweiten Cello mit seinen bedrohlichen Pizzicati den Puls vorgibt. Sogar das wienerisch tänzerisch scheinende Finale beruht auf einer bloß fadenscheinigen Fröhlichkeit. Auch hier Standing Ovations und mit Boccherinis abgedroschenem Menuett eine überflüssige Zugabe.

Mauro Peter besitzt eine der schönsten jungen lyrischen Tenorstimmen unserer Zeit.
Mauro Peter besitzt eine der schönsten jungen lyrischen Tenorstimmen unserer Zeit.
Es bedarf eines Ensembles vom Kaliber des Cuarteto Casals, um die Schubertianer aus der Fassung zu bringen. schubertiade
Es bedarf eines Ensembles vom Kaliber des Cuarteto Casals, um die Schubertianer aus der Fassung zu bringen. schubertiade

Schubertiade Schwarzenberg heute, Angelika-Kauffmann-Saal: 16 Uhr, Liederabend Christoph Prégardien; 20 Uhr, Klaviertrio.