Größer als das Leben

Menschen / 24.06.2019 • 22:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michael Jackson steht bis heute für grandiose Bühnenshows: Hier bei einem Auftritt in Tallinn/Estland im August 1997.
Michael Jackson steht bis heute für grandiose Bühnenshows: Hier bei einem Auftritt in Tallinn/Estland im August 1997.

Heute vor zehn Jahren starb der „King of Pop“ Michael Jackson.

Los Angeles Seine Musik ist nicht tot zu kriegen: In der New Yorker U-Bahn-Station „Grand Central“ steht eine Frau mit Mikro und Verstärker und singt einen Song von Michael Jackson. Eine Passantin ist stehen geblieben und nickt mit dem Kopf zum Takt. Daneben tanzt ein Kind an der Hand seines Vaters. Hier scheinen die Diskussionen um den größten Popstar aller Zeiten fast so, als hätte es sie nie gegeben. Dabei ist Jackson, dessen Tod sich heute, Dienstag (25.Juni), zum zehnten Mal jährt, seit einigen Monaten so umstritten wie wohl noch nie.

Zur selben Zeit steht auf dem Promenadeplatz in München die bronzene Statue des Komponisten Orlando di-Lasso. Die Menschen, die in den vergangenen Monaten wieder verstärkt zu ihr pilgerten, kamen aber wegen eines anderen Musikers. Denn der Sockel vor dem Hotel „Bayerischer Hof“ wurde zum Michael-Jackson-Denkmal umfunktioniert, nachdem der Musiker 2009 im Alter von 50 Jahren durch eine Überdosis des Narkose­mittels Propofol gestorben war.Hier prangen, geduldet durch die Regierung Oberbayerns, Fotos, die den Superstar zeigen. Michael Jackson, diese einmalige Kunstfigur mit dem durch und durch gemachten Gesicht, der zwischen den Grenzen von Geschlecht und Ethnie zu schweben schien wie bei seinen Moonwalks rückwärts über die Bühne.

„Leaving Neverland“

Den Glauben an Jacksons Unschuld aber verloren in letzter Zeit viele, nachdem sie „Leaving Neverland“ gesehen hatten, die mittlerweile weltweit bekannte Dokumentation von Regisseur Dan Reed. Darin erzählen James Safechuck (41) und Wade Robson (36) schockierend und in schwer zu ertragender Detailtiefe, wie der Sänger sie sexuell missbraucht haben soll, als sie noch Kinder waren. Während einige eingefleischte Fans in den Foren noch immer darüber brüten, wie sie die Welt von der Unschuld ihres Idols überzeugen können – schließlich wurde „Jacko“ nie von einem Gericht verurteilt –, geht auch eine andere Debatte weiter. Darüber, ob man Jacksons Oeuvre angesichts der Vorwürfe noch genießen darf. Sind Kunst und Künstler trennbar? Im Fall von Jackson gab es diejenigen, die mit Boykottaufrufen reagierten. Doch Radios spielen Songs wie „Billie Jean“, „Smooth Criminal“ oder „Heal the World“ weiterhin, bei Streaminganbietern bleiben sie im Programm. Für die Tour des Musicals „Beat it“, von den Veranstaltern als „zweistündige Hommage“ an das Pop-Genie beschrieben, werden nach wie vor Karten verkauft. Und die Regierung von Oberbayern will den Michael-Jackson-Schrein in München trotz einiger Beschwerden weiter dulden: „Die im Raum stehenden Vorwürfe gegen den Künstler sind nach hiesiger Kenntnis bisher nicht bestätigt“, heißt es auf Anfrage.

„Larger than life“

Das ist eine Entwicklung, die kaum überrascht, wenn man sich neben dem Werk auch die Wirkung des „King of Pop“ anschaut. Die einflussreichsten Frauen und Männer der Welt – Präsidenten, Könige und Diktatoren – hofierten Jackson, auch deswegen, weil er auf seine Weise noch mächtiger war als sie. Er spielte Touren vor Millionen, und seine Konzerte waren so groß, wie das Fassungsvermögen der Stadien es zuließ. „Larger than life“ ist eine Beschreibung, die oft für Jackson verwendet wird – „überlebensgroß“. „Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich keinen anderen Künstler gibt, der so wichtig für die Populärmusik der Gegenwart ist wie Michael Jackson“, sagt der „New York Times“-Kritiker Wesley Morris. Auch wenn um die Person Jackson zehn Jahre nach seinem Tod heftig gestritten wird, so bleibt sein Lebenswerk doch der berühmte „Gamechanger“. Oder, wie Morris die wichtigsten Ereignisse der US-Neuzeit zusammenfasst: „Auf der einen Seite ist da die Mondlandung und auf der anderen der Moonwalk.“

Von Mai 1994 bis Dezember 1995 war er mit Lisa Marie Presley verheiratet.
Von Mai 1994 bis Dezember 1995 war er mit Lisa Marie Presley verheiratet.
Die Karriere des „King of Pop“ begann mit sechs Jahren als Sänger von „The Jackson Five“. REUTERS, Ints Kalnins, Celano, Ap
Die Karriere des „King of Pop“ begann mit sechs Jahren als Sänger von „The Jackson Five“. REUTERS, Ints Kalnins, Celano, Ap
Schimpanse Bubbles war viele Jahre lang Michael Jacksons treuester Begleiter.
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Fünf Monate dauerte der Prozess wegen Kindesmissbrauchs. Im Juni 2005 verlässt Jackson das Gericht als freier Mann.
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Debbie Rowe ist die Mutter von Jacksons Kindern Paris and Prince Michael.
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Schockmoment: Jacko hält in Berlin Sohn Blanket aus dem Fenster.
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