„Jeder von uns kann etwas beitragen“

Vorarlberg / 24.06.2019 • 18:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bischof Erwin Kräutler teilte inmitten der Studenten seine Ansichten. CM
Bischof Erwin Kräutler teilte inmitten der Studenten seine Ansichten. CM

Bischof Erwin Kräutler referierte im Zemma in Bludenz.

Bludenz Seit mehr als fünf Jahrzehnten wirkt und lebt Bischof Erwin Kräutler in Amazonien. Auf Einladung des Schulamts Sprache referierte er kürzlich im Zemma in Bludenz. Seine Gedanken über das „Haus der Menschheit“, die Auswirkungen von Armut und die persönliche Schöpfungsverantwortung stimmten dabei nachdenklich.

Als junger Priester wanderte der Koblacher Erwin Kräutler 1965 nach Brasilien aus. „In den ersten Jahren reiste ich tagelang von einem Ort zum andern, schlief abends auf Einladung der Bewohner in deren Häusern und erlebte eine wunderbare Gastfreundschaft,“ beschreibt Bischof Kräutler seine ersten Eindrücke in einem Land, „in dem man mir das Radio unter die Hängematte stellte, damit ich morgens um vier die ersten Nachrichten hören konnte. Selbst ein müder Seelsorger musste immer als Erster über das Geschehen in der Welt informiert sein.“ In seinen Berichten zeigt sich Bischof Kräutler tief betroffen davon, wie die indigenen Völker Amazoniens durch Ausbeutung, die Rodung der Regenwälder und den rücksichtslosen Handel mit Rohstoffen aus ihren Gebieten verdrängt werden. „Plötzlich leben sie verarmt am Rande einer Stadt in kleinen Häusern, kaum genug Platz für sich selbst und verlieren Stück für Stück alles das, was über Jahrhunderte zu ihrer Identität gehörte.“

Globales Risiko

Das Engagement für die Indios und die Armen in Amazonien hängt für Bischof Erwin Kräutler sehr eng mit den Themen des Klimawandels und der globalen Wirtschaft zusammen: „Früher saßen die Menschen nach getaner Arbeit vor ihren Häusern, heute sehe ich das nur noch selten. Es ist einfach zu heiß dafür. Wir spüren die klimatischen Veränderungen sehr deutlich.“ Die neue politische Situation durch die Wahl des Präsidenten Jair Bolsonaro werde die Situation für die indigenen Völker weiter verschärfen. „Sehen sie, Europa beobachtet die Situation in Brasilien mit großer Besorgnis, doch wir in Brasilien – wir haben Angst.“ Politische Fragen werden mehr denn je, sowohl für das südamerikanische Land selbst als auch weltweit, zu einem nicht abzuschätzenden Risiko.

Habt Mut

Im Glauben findet Bischof Kräutler seine Kraft und seine Aufgabe: „Unser Glaube darf nicht nur aus Worten bestehen, es muss ganz konkret geholfen werden. Die Umwelt ist unsere Mit-Welt, unser gemeinsames Haus. Die ständige Gier nach wirtschaftlichem Wachstum, der Konsumrausch, ist ein todbringendes Geschäft für die Ärmsten der Armen.“ Eindrückliche Worte, die nachdenklich machen. „Jeder von uns kann etwas beitragen, maßvoller leben und die Botschaft weitertragen“, sagt Bischof Erwin Kräutler. „In der Familie oder als Lehrperson in den Schulen, an jedem Ort und zu jeder Zeit.“ Ein Aufruf, der jedem gilt und somit auch das neue Schwerpunktstudium der Religionspädagogik an der KPH in Feldkirch in den Fokus rückt. Nähere Informationen dazu bei Institutsleiterin Petra Steinmair-Pösel unter Tel. 0676 760167151 oder E-Mail petra.steinmair@kph-es.at. CM