Eugen Gabriel geht

Vorarlberg / 26.06.2019 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Freut sich auf den politikfreien Alltag: Eugen Gabriel. vn/JLo
Freut sich auf den politikfreien Alltag: Eugen Gabriel. vn/JLo

Bürgermeister und Faschingsnarr wird ein letztes Mal entmachtet.

Frastanz Heute Abend wird der langjährige Bürgermeister von Frastanz, Eugen Gabriel, um 19.30 Uhr im Adalbert-Welte-Saal im Rahmen einer Gemeindevertretersitzung seinen Amtsverzicht einreichen. Zeitgleich wird sich sein designierter Nachfolger Walter Gohm der Wahl stellen. Die VN trafen sich mit dem scheidenden Bürgermeister zu einem letzten Interview im Amt und sprachen mit ihm über Meilensteine, Umgang und Polit-Pension-Pläne.

 

Herr Gabriel, 15 Jahre als Bürgermeister sind eine lange Zeit. Was wird Ihnen am meisten bzw. am wenigsten fehlen?

Gabriel Da das Amt des Bürgermeisters davon lebt, für die Bürger da zu sein, ist der Job auch sehr abendfüllend. Man muss ja eine Vielzahl an Kontakten aufbauen und pflegen. Diese werden nach meiner Amtsübergabe nicht mehr da sein, zumindest nicht in der Form der Bürgermeister-Bürger-Beziehung. Das gibt mir dann natürlich auch Zeit, in mich zu gehen und neue Dinge für mich zu entdecken.

 

Gibt es gewisse Projekte, die besonders hervorzuheben sind?

Gabriel Es gibt zahlreiche Großprojekte, hervorheben möchte ich dabei aber bewusst keines. Denn wenn man einen Leuchtturm vorstellt, läuft man die Gefahr zu vergessen, was die Hauptarbeit ist. Das sind nämlich die vielen kleinen Dinge, die den Bewohnern einer Gemeinde naheliegen. Wichtig ist bei alldem auch, dass man Projekte gemeinsam mit den Bewohnern bewerkstelligt. Politik ist zudem kein geradliniger Weg. Ich möchte mich in diesem Zuge bei allen, die in der Gemeinde mitgewirkt haben, bedanken.

 

Was kommt jetzt, nach dem heutigen Rücktritt, auf Sie zu?

Gabriel Ich will mich auf meine Hobbys und Aufgaben zu Hause konzentrieren. So will ich mich besonders dem „Büschala, Mosta und Schnapsbrenna“ widmen. Und natürlich werde ich jetzt viel lesen, zumal ich jetzt das studieren darf, was ich will. Ich werde mich also quer durch den Büchergarten aufmachen. Was in meiner Zeit als Bürgermeister zudem sicherlich zu kurz kam, war meine Familie. Hier ist es an der Zeit, dass ich mit meiner Frau, meinen Kindern und meinem Enkelkind viel Zeit verbringe.

Wird auch die Poesie eine Rolle einnehmen? Sie haben sich ja unter anderem gerade mit Ihren Reden einen Namen gemacht.

Gabriel Meine poetischen Beiträge auf Veranstaltungen und Festen waren mehr so kleine dilettantische Versuche, etwas aufzuheitern und eine Rede nicht nur stereotypisch zu halten. Ein großer Teil der Bevölkerung hat das auch sehr geschätzt, denke ich mir zumindest. Besonders in meiner Zeit als Burggraf der Narren – das war ich ganze 16 Jahre lang – ließ ich es mir nie nehmen, eine Fasnatrede auf das Leben in der Gemeinde zu halten. Da ich aber später Bürgermeister wurde, musste ich 15 Jahre lang auch die Gegenrede halten, was bei einem ebenbürtigen Widersacher gar nicht so einfach war (lacht). Das zeigt wohl am besten, dass ich durch und durch ein (Faschings-)Narr bin.

 

Was wollen Sie Ihrem designierten Nachfolger Walter Gohm, der sich heute zur Wahl stellt, mit auf den Weg geben?

Gabriel Walter Gohm ist bereits seit 2010 in der Gemeindevertretung und hat viele Dinge in der Gemeinde mitgestaltet und miterlebt. Daraus ergibt sich für mich ein klarer Auftrag. Persönlich möchte ich ihm aber nur einen Ratschlag geben und zwar jenen, in der Gemeinde immer alles offen mit allen zu diskutieren.