Das Geheimnisvolle, Romantische, Versponnene hervorgeholt

Kultur / 27.06.2019 • 18:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das vielfach preisgekrönte tschechische Pavel-Haas-Quartett macht diese Matinée zu einem Ereignis. Schubertiade
Das vielfach preisgekrönte tschechische Pavel-Haas-Quartett macht diese Matinée zu einem Ereignis. Schubertiade

Dem Pavel-Haas-Quartett ist es gelungen, zwei bekannte Klassiker in ein neues Licht zu tauchen.

Schwarzenberg Man fährt zur Schubertiade und denkt sich: Drittes Rasumovsky-Quartett, Forellenquintett – bewährte Klassikhits, die man immer wieder gerne hört. Und die einem in unruhigen Zeiten ein Gefühl des Dauernden, der Sicherheit geben. Aber was darüber schreiben? Und dann kommt es ganz anders. Das vielfach preisgekrönte tschechische Pavel-Haas-Quartett macht diese Matinée zu einem Ereignis. Cello und Bratsche haben den Platz getauscht. Viele Quartette spielen Beethovens opus 59/Nr. 3 zupackend und betonen den Gestus des Neuerers. Hier ist der Klang eher weich, die leisen Partien sind sehr fein ausgehorcht. Leidenschaftliche Steigerungen in der Durchführung wirken durch den Kontrast umso intensiver. Die Primaria Veronika Jaruskova spielt elegant, aber doch bestimmt, mit dosiertem Vibrato. Die kommunikative Seele des Ensembles ist der Cellist Peter Jarusek, der intensiven Blickkontakt mit seinen Mitspielern pflegt, auch Marek Zwiebel an der zweiten Geige und Jiri Kabat an der Viola erfüllen ihre Aufgaben mit Sensibilität und Leidenschaft. Die Moll-Melodie des liedhaften zweiten Satzes klingt wie vom Grund eines Sees, die erste Geige spielt fast entkörperlicht-außerweltlich. Das Menuett wird weich gezeichnet, im Trio trumpfen die Vier mit zupackendem Gestus auf, bevor die rasend schnelle Fuge einen Schlusspunkt setzt. Dieser Beethoven klingt wie neu, geheimnisvoll, in den Piano-Partien versponnen und romantisch-tastend.

Wie ein verliebter Dialog

Danach stoßen Altmeister Alois Posch am Bass und der russisch-israelische Pianist Boris Giltburg dazu, der sein Schubertiade-Debut gibt, mit beschwingtem und fein differenziertem Spiel. Auch hier werden die Piano-Stellen im Tempo zurückgenommen, wodurch eine Spannung entsteht, die das Publikum atemlos zuhören lässt. Ein Höhepunkt wird der Variationensatz mit dem Forellenthema: Zuerst zärtlich-verspielt in der ersten Geige, dann lebhafter im Klavier, behäbig in der Viola – man denkt eher an einen Wels als an eine Forelle – , während die Bass-Variation wie eine flotte Jazz-Nummer mit rasanten Klavierläufen klingt und die letzte Variation mit erster Geige und Cello fast ein bisschen humoristisch wie ein verliebter Dialog zwischen Karpfen und Forelle.