Das Nein nicht akzeptiert: Unternehmer wegen Vergewaltigung verurteilt

Vorarlberg / 27.06.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte quittierte den Schuldspruch mit einem Kopfschütteln und Unverständnis.VN/GS

Unternehmer wegen Vergewaltigung zu einer teilbedingten Haft von 21 Monaten verurteilt.

Feldkirch Es sollte ein schönes, delikates und unvergessliches Wochenende im mondänen Lech werden, damals im Jänner 2018. Ein innerösterreichischer 56-jähriger Geschäftsmann, sein Freund und drei Damen, zwei davon extra aus Russland eingeflogen, waren mit von der Partie.

Für zwei von ihnen dürfte das Event in der Tat unvergesslich bleiben. Zum Beispiel dem Unternehmer, denn für ihn endete das Vergnügen mit den Anklagen des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person und dem Vergehen der sexuellen Belästigung. Opfer war eine der Frauen, damals 31 Jahre alt, und anfänglich so gar nicht abgeneigt dem – von den Herren bezahlten – Spaß beim Après-Ski, edlem Wein, Champagner und Kokain.

„Sind ja keine Pupperln“

Da ließ sie es sich schon Mal gefallen, sich vom reichen Geschäftsmann an den Po greifen und ihre Hand von ihm auf sein Glied legen zu lassen. „Wir sind ja keine Pupperln“, gab sie später zu Protokoll. Doch zu einem sagte sie Nein: zum Geschlechtsverkehr mit dem Herrn.

Und doch kam es laut Anklage dazu. Und zwar gegen ihren Willen. Im Appartement des Angeklagten, der später berichtet: „Sie lag schwitzend und stinkend auf einer Couch.“ Berauscht von Alkohol und Kokain und nur mit einem Handtuch bedeckt. „Ich habe dann eine Decke auf sie gelegt, das war alles, was ich getan habe“, gab der Beschuldigte vor Polizei und Gericht an. Anders die Dame, die dem Unternehmer vorwarf, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Sie ging am nächsten Morgen zur Rezeption und stellte die Frage: „Soll ich den jetzt anzeigen?“

„Dass die Frau Ihnen die kalte Schulter gezeigt hatte, kränkte Sie.“

Verhandlungsmarathon

So geschah es dann auch. Ein Marathon von Verhandlungen am Landesgericht Feldkirch folgte. Mit Aussagen gegen Aussagen. Psychiatrische Gutachten wurden über die Frau erstellt, eines davon beim letzten Prozess am Mittwoch in Feldkirch vorgetragen. Es attestierte dem Opfer eine vorübergehende psychische Anpassungsstörung, die aber nicht unbedingt mit dem Ereignis in Lech zusammenhängen müsse. Dennoch war der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Martin Mitteregger von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Er verurteilte den Innerösterreicher wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe in der Dauer von 21 Monaten, 14 Monate davon bedingt. Vom Vorwurf der sexuellen Belästigung wurde er freigesprochen.

Der Richter in der Urteilsbegründung: „Dass die Frau Ihnen die kalte Schulter gezeigt hatte, kränkte Sie. Sicherlich, es war eine saublöde und für alle tragische Situation. Auch besonders für Sie als unbescholtenen Unternehmensgründer, aber das Gericht muss objektiv bleiben.“ Der Verurteilte legte im Namen seines Rechtsanwalts Klemens Achammer Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen das Urteil ein.