Nachsitzen im Schulhus

Vorarlberg / 27.06.2019 • 20:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Krumbach Es gibt Restaurants, da bekomme ich für 30 Euro ein Mittagsmenü für zwei Personen. Dann gibt es Lokale, in denen 30 Euro für eine Vorspeise und ein Hauptgericht reichen. Natürlich auch solche, in denen für denselben Preis nur eine Hauptspeise drin liegt. Ich habe in den letzten Jahren in Vorarlberg aber noch nie erlebt, dass ich in einem Restaurant unter der Rubrik Hauptspeisen kein Gericht unter 30 Euro gefunden habe. Diese Premiere fand bei Gabi und Herbert Strahammer im Schulhus in Krumbach statt.

Preisfrage

Nicht dass ich etwas gegen höhere Preise hätte. Wer hochwertig und lokal einkauft, seinen Kräuter- und Gemüsegarten pflegt, keine Fertigprodukte verwendet und alles selbst macht, soll und muss höher kalkulieren. Was mich etwas irritiert, ist die Tatsache, dass ich aus der Hüfte geschossen mindestens ein halbes Dutzend Lokale kenne, die dasselbe Konzept verfolgen, noch raffinierter und besser kochen, und es schaffen, die Karte etwas budgetfreundlicher zu gestalten. Das mag wohl auch daran liegen, dass sie teilweise mit günstigeren Alternativen als Kalbsrücken und Rinderfilet, den sogenannten Prime Cuts, arbeiten. Wir fanden unter den Vorspeisen schließlich zwei Gerichte, die als Hauptspeise geordert werden konnten. Ravioli mit Schotten-Brennnessel-Kräuterfüllung und Limonen-Pfeffersauce mit gerösteten Walnüssen (22 Euro) für meine Begleitung, sowie Gnocchi auf Tomatenragout mit Bergkäse überbacken (19 Euro) für mich. Vorweg einen bunten Salat mit geröstetem Speck vom Duroc-Schwein und Brotwürfel (9 Euro).

Perfekter Nudelteig

Der Salat war guter Durchschnitt und eher etwas essigbetont. Frisches Grün, ein paar Paprika­streifen und Radieschenscheiben. Auch die Gnocchi waren von der unspektakulären Sorte. Sie hatten zwar eine gute Konsistenz, aber eine ziemlich neutrale Tomatensauce und waren mit einem sehr milden Bergkäse überbacken. Da überzeugten die Ravioli meiner Begleitung eher. Ein perfekter, dünner Nudelteig, guter Biss und eine gut abgeschmeckte Füllung, die durch die Limonen-Pfeffersauce sehr gut ergänzt wurde.

Die Nachspeisen fügten sich dann eher wieder in die Durchschnittlichkeit ein. Walnuss-Parfait mit Karamellsauce (8,50 Euro), wobei die gehackten Walnüsse fast keinen Platz für das eigentliche Parfait ließen und einem Erdbeer-Tiramisu mit Sauerampfer-Eis (14 Euro) bei dem meine Begleitung die trockenen Biskuiteinlagen etwas störend fand. Überdurchschnittlich gut ist die Weinkarte. Eine sehr gute Auswahl an Weinen, die zum großen Teil auch offen ausgeschenkt werden.

Aber neben dem Essen ist natürlich auch das Ambiente sehr wichtig. Und das passt. Es ist zwar eher schulisch nüchtern gehalten, aber durchaus gemütlich. Wir hatten das Glück, einen schönen Tag zu erwischen und auf der Terrasse einen Platz mit Blick auf den schönen Kräutergarten zu bekommen.

 

Die Ravioli an Limonen-Pfeffersauce mit gerösteten Walnüssen.
Die Ravioli an Limonen-Pfeffersauce mit gerösteten Walnüssen.