Pfarrer Joe: „Illwerke sind mitverantwortlich für den Wohlstand“

Vorarlberg / 27.06.2019 • 18:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Joe Egle ist viel in der Natur unterwegs.
Joe Egle ist viel in der Natur unterwegs.

Dass das Montafon heute so gut dasteht, führt Joe Egle auch auf den Ausbau der Wasserkraft zurück.

Gaschurn Vor 20 Jahren übersiedelte Joe Egle (78) ins Montafon. Der Priester übernahm die Pfarre Gaschurn. Der gebürtige Koblacher war schon immer ein großer Montafon-Fan, wegen seiner wunderschönen Bergwelt. Er ging hier immer gerne wandern und Ski fahren.

Auch als Gaschurner Pfarrer schnallte sich Egle oft die Skier an. Das hatte aber einen triftigen Grund. Denn als die Skischulleiter einen Mangel beklagten, fragten sie ihn, den Mann Gottes, ob er nicht hin und wieder als Skilehrer einspringen könne. Egle sagte zu. Denn: „Ich wusste, dass ich so an viele Menschen seelsorgerisch herankomme.“ In der Silvretta-Nova kurvten zu der Zeit um die 200 Skilehrer herum. Nach Meinung Egles kann man Ski-Unterricht getrost in die Kategorie Seelsorge einordnen. Und diese war dem sportlichen Pfarrer immer das Wichtigste.

Der 78-Jährige ist nach wie vor als Hilfsskilehrer im Einsatz. In der vergangenen Skisaison stand er an die 50 Tage auf den Brettern. Und das, „obwohl es ein harter Job ist“. Denn es gebe halt auch ungelenkige Skischüler. Ihnen würde er am liebsten raten, die Skier zu verkaufen und sich eine Rodel anzuschaffen. „Zum Glück hat mich der Herrgott mit Geduld gesegnet“, ist Egle froh.

Auch die Montafoner sind ihm im Lauf der Jahre ans Herz gewachsen. „Sie sind besonders“, findet er. Er hat aber auch bemerkt, dass sie nicht selten streiten, wenn es ums Eigentum geht. Egle hat Verständnis dafür. Denn er glaubt zu wissen, warum das so ist. „Das hat historische Gründe. Früher war die bäuerliche Bevölkerung im Montafon sehr arm. Die Bauern waren um jeden Grashalm froh. Sie haben sogar die einzelnen Gräser um die Steine abgeschnitten, damit sie das Vieh füttern können.“

Dass es im Tal zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kam und der Wohlstand Einzug hielt, führt der Geistliche auf den Tourismus und den Ausbau der Wasserkraft durch die Vorarlberger Kraftwerke bzw. Illwerke zurück. „Dadurch wurden im Tal viele Arbeitsplätze geschaffen.“ Das erste Großkraftwerk – das Vermuntwerk – entstand im Montafon in den 1920er-Jahren. Egle selbst kann sich noch gut an den Bau des Kopswerks II erinnern. Das Pumpspeicherkraftwerk wurde Ende 2008 in Betrieb genommen. „Ich bin öfters mit den Arbeitern zusammengesessen. Die Mineure hatten meine Hochachtung.“ Am Tag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure, hielt der Priester immer eine Messe.

Heute geht er es ruhiger an. Der Geistliche geht ja inzwischen auf den 80er zu. Er ist aber noch als Hilfspriester tätig. Zwei bis drei Mal in der Woche liest er die heilige Messe. Pfarrer Joe, wie er liebevoll genannt wird, ist dankbar, dass der Herrgott ihn ins Montafon geführt hat. Es ist ihm zur Heimat geworden. Hier möchte er bleiben bis zu seinem Lebensende. Aber an den Tod denkt Egle noch nicht. Denn der rüstige Priester möchte noch vielen ungelenkigen Skischülern schier Unmögliches beibringen und viele Kräuter, Wurzeln und Beeren sammeln, damit er weiterhin leckere Gesundheits-Schnäpse herstellen kann. VN-kum

„Energie für unser Leben“ ist eine redaktionell unabhängige Serie der Vorarlberger Nachrichten mit Unterstützung von Illwerke VKW.