Sinn für Unsinn im Trevirakleid

Vorarlberg / 27.06.2019 • 18:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nicola Schlachter-Zelger ist Werbetexterin und Beraterin in Personalentwicklung. afp
Nicola Schlachter-Zelger ist Werbetexterin und Beraterin in Personalentwicklung. afp

Nicola Schlachter-Zelger hilft als zertifizierte Gesundheit!Clownin.

Bregenz Ein Klobesen, ein getupftes Trevirakleid und ein Häkelschal. Es sind ungewöhnliche Hilfsmittel, welche die Bregenzerin Nicola Schlachter-Zelger zu ihren Einsätzen mitnimmt. Bei ihren Auftritten als Geriatrieclown knüpfen diese Utensilien an Altes, längst Erlebtes und erwecken bei älteren Menschen meist einen Kosmos an Erinnerungen. Schlachter-Zelger und ihre Clownpartnerin, die Schweizerin Christine Ritter-Steffen, sind ausgebildete Gesundheit!Clowns. Sie bespaßen nicht, sondern aktivieren ihr Publikum mit einer besonderen Therapieform. Die beiden Frauen sind „Die Claunigen“ und besuchen als knallbunte Kunstfiguren „Ida und Lotte“ im Auftrag von Pflegeeinrichtungen deren Bewohner und Teams. Sie agieren mit Humor gegen Langeweile, bringen Freude, Lebenslust und Hoffnung und bieten auch Bediensteten willkommene Atempausen.

Alle Sinne aktivieren

Nicola Schlachter-Zelger ist selbständige Werbetexterin und Beraterin in der Personalentwicklung. „Ida“ Christine Ritter-Steffen arbeitet als selbständige Homöopathin. Beide setzen das Konzept des Therapieclowns erfolgreich ein. Die zweieinhalbjährige berufsbegleitende Ausbildung war anspruchsvoll; jeder Einsatz bringt neue Kontakte und Erlebnisse. Die Tätigkeit in Spitälern, Senioren- und Behinderteneinrichtungen sowie Palliativstationen ist fordernd, aber auch sehr berührend und erfüllend. Die Claunigen haben sich auf Demenzpatienten konzentriert und besuchen diese mit ihren Kostümen, passenden Liedern und Accessoires: Spielerische Berührungen und Gerüche, Ball- und Wortspiele sollen möglichst alle Sinne aktivieren.

Sich vollständig fühlen

„Wer mit echter Freude auf jemanden zugeht, weckt im anderen eine positive Emotion“, weiß Schlachter-Zelger und ergänzt: „Wissenschaftlich gesehen aktivieren wir mit Empathie die Spiegelneuronen. Demente Menschen erreichen ihre eigene emotionale Ebene nicht mehr. Wir holen unser Gegenüber ab. Die Patienten öffnen sich uns, erinnern sich an längst verschüttete Dinge wie alte Liedtexte oder bewegen sich wie von selbst zu Musik von früher. Dieser Effekt ist nicht bleibend, wirkt aber nach. Die Pflegekräfte erzählen, wie spürbar zufriedener ihre Patienten nach unserem Besuch sind. In spielerischen Alltagsszenen von damals erleben sich die Leute als funktionierend und vollständig.“

Alltagsszenen zum Mitmachen

Die Clownfrauen sind in Pflegeeinrichtungen in der Schweiz und in Vorarlberg aktiv. Schlachter-Zelger wünscht sich in Vorarlberg mehr Verständnis für diese besondere Therapieform,  bei der Demente von der Lethargie in die Aktivität und in ein intensives Gefühlsleben geführt werden. „Ida und Lotte“ wenden sich an das Gesunde im Menschen. Für das jeweilige Besuchsmotto wird ein Zauberkoffer mit Requisiten bestückt und die Anwesenden werden szenisch mit auf eine Weltreise, zum Skifahren, zum Friseur oder auf Badeferien genommen. Selbstverständlich sind die Clowninnen stets unwissender und ungeschickter als alle anderen ringsum. Sie lassen sich helfen und schenken damit Erfolgserlebnisse. Und das Trevirakleid mit Tupfen weckt längst vergessene Erinnerungen und Gefühle und zaubert meist ein Lächeln auf die Gesichter – auch jene der Herren. afp

Nicola Schlachter-Zelger und ihre Clownpartnerin, die Schweizerin Christine Ritter-Steffen, sind ausgebildete Gesundheit!Clowns. die Claunigen
Nicola Schlachter-Zelger und ihre Clownpartnerin, die Schweizerin Christine Ritter-Steffen, sind ausgebildete Gesundheit!Clowns. die Claunigen

Zur Person

Nicola Schlachter Zelger

Geboren: 1957

Familienstand Verh., zwei erwachsene Söhne

Beruf Werbetexterin; Beraterin im Personalbereich, Potenzialanalysen.

Ausgebildeter Gesundheit!Clown

www.dieclaunigen.com