Begrenzter Egoismus für mehr Eigenständigkeit

VN / 30.06.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
tdot, tag der offenen tür, 100 jahre russmedia

Prominente Diskussionsrunde im Rahmen von 100 Jahre Russmedia.

schwarzach Grundwerte: ein Begriff, der für Tugenden steht, die den Kitt für gesellschaftliche und politische Bewegungen bilden. Grundwerte gelten als Leitschienen, die Stabilität und Orientierung geben, aber nie statisch sind. Auch Russmedia und da vor allem die Vorarlberger Nachrichten haben sich solche Grundwerte auf die Fahnen geheftet und leben sie, beispielsweise in der Unterstützung von Initiativen, die dem Land dienlich sein können. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs, das Chefredakteur Gerold Riedmann im Rahmen der 100-Jahr-Feier mit Protagonisten aus den verschiedensten Bereichen führte, kam deutlich zum Ausdruck, was damals zählte und künftig zählen wird. Rede und Antwort standen Diözesanbischof Benno Elbs, Umweltaktivistin Hildegard Breiner, Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber, Historiker Meinrad Pichler, Guntram Drexel (Spar AG) sowie Eugen B. Russ (Russmedia International). Was es insgesamt braucht, brachte Sausgruber, ein deklarierter Anhänger des Förderalismus, in gewohnt trockener Art und Weise auf den Punkt, indem er klarstellte: „Ein begrenzter Egoismus ist moralisch zu rechtfertigen.“

Mythos Vorarlberg

Damit kam Vorarlberg schon in der Vergangenheit relativ weit. So erinnerte beispielsweise der Historiker Meinrad Pichler an den Aufstand in Fußach gegen die Taufe eines Bodenseeschiffes auf den Namen Karl Renner oder die Bürgerinitiative pro Vorarlberg. Stets drehte sich der Kampf um mehr Länderrechte. Die 1945 erfolgte Gründung einer unabhängigen Zeitung durch Eugen Russ bezeichnete Pichler als ganz entscheidend dafür, dass ein Kampagnen-Journalismus überhaupt möglich war. Die Aktion in Fußach habe Vorarlberg jedenfalls den Mythos beschert, sehr selbstständig zu sein. Die immer noch unermüdlich agierende Umweltaktivistin Hildegard Breiner betonte, dass die journalistische Information für viele Projekte wichtig gewesen sei. „Heute bin ich glücklich, dass die Jugend für den Klimaschutz aufgestanden ist“, sagte Breiner. An die Adresse der Wirtschaft ging ihre Feststellung, dass sich auch diese fragen müsse, was ihr für eine lebenswerte Zukunft wichtig sei.

Eine Antwort darauf lieferte Benno Elbs. Er erinnerte daran, dass die Menschheit nur durch Empathie überleben könne. Werte wie Zusammenhalt, Würde und Respekt seien vermehrt zurückgedrängt worden, müssten jedoch wieder in den Mittelpunkt rücken. „Es braucht ein gesellschaftliches Klima, in dem auch die Nöte der anderen gesehen werden“, betonte er. Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber kam dem insofern nahe, als er anmerkte, dass es genug Spielraum brauche, um gute Lösungen zuwege zu bringen. Eine Zentralisierung könne mitunter sinnvoll sein, aber dann müssten auch die Argumente dafür entsprechend stark sein und die Vorteile überwiegen. „Wir lassen uns nicht mit einfältigen Argumenten das Hemd ausziehen“, erinnerte Sausgruber süffisant an das letztlich gescheiterte Begehren des Bundes, sich die Illwerke einzuverleiben.

Guntram Drexel hob unter anderem die Bedeutung der Medien als Marktplatz hervor, wo sich Angebot und Nachfrage treffen. „Wir investieren in internationale Marktplätze“, ergänzte Eugen B. Russ, der jede neue Technologie als riesige Chance betrachtet. Es gebe zwar auch Risiken, dennoch müsse Technologie immer vorrangig als Chance gesehen werden.

Ein weiterer Höhepunkt war die Übergabe der Jubiläums-Säule durch ihren Schöpfer Gottfried Bechtold. Die Skulptur, die den Eingang zum Medienhaus ziert, besteht aus 200 Marmorkuben. Das Kunstwerk soll sich quasi hinaus verteilen, indem besondere Persönlichkeiten einen Kubus erhalten. Erste Nutznießer dieser Idee waren die Teilnehmer der Diskussionsrunde sowie Landeshauptmann Markus Wallner.