Vorarlberg auf der Suche nach Hausärzten

VN / 02.07.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Baldessari ist einer von vielen Praktikern im Land, die interessierte junge Kollegen in der Lehrpraxis und in Mentoringprogrammen unterstützen. ÄRZTEKAMMER

Ärztekammer will junge Leute mit Informationsoffensive motivieren.

Dornbirn Dem Land gehen langsam die Hausärzte aus. Nicht, dass sich Medizinstudenten oder Absolventen dieses Fachs nicht für die Allgemeinmedizin interessieren würden, vielmehr sind es die Rahmenbedingungen, die offenbar abschrecken, eine für attraktiv befundene Idee letztlich in die Tat umzusetzen. „Die Vernachlässigung der Allgemeinmedizin beginnt schon bei der Ausbildung an den Universitäten“, ärgert sich etwa Thomas Jungblut, selbst Praktiker und Präsident der Vorarlberger Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin. Momentan würden sich die spezialisierten Unis eher auf unzusammenhängendes Spezialwissen konzentrieren, welches in der primären und fächerübergreifenden Basismedizin nicht angewendet werden könne.

Generationswechsel als Chance

Trotzdem will die Ärztekammer Vorarlberg nichts unversucht lassen, um Begeisterung bei den jungen Kollegen für die Allgemeinmedizin zu wecken. Das soll unter dem Titel „afm.nextgeneration“ geschehen. „Dabei handelt es sich um eine Informationsoffensive für junge Menschen, die Arzt werden wollen, um gemeinsam mit ihnen neue Rahmenbedingungen für eine moderne Primärversorgung zu finden“, erklärt Ärztekammer-Vizepräsident Burkhard Walla. Die erste Veranstaltung findet kommende Woche statt.

Der in den Ordinationen anstehende Generationswechsel eröffnet große Chancen für junge Ärzte. Dieser Meinung ist jedenfalls Allgemeinmedizinerin und Kurienobfrau Gabriele Gort. Die bevorstehende Pensionierung von etwa zwei Dritteln der Hausärzte mit Kassenvertrag lasse Raum für Neues. Gort nennt als Beispiele mehr therapeutische und diagnostische Möglichkeiten sowie innovative Formen der Zusammenarbeit im niedergelassenen Bereich. Das verändere auch die Allgemeinmedizin. Allerdings muss laut Thomas Jungblut die Ausbildung mitziehen. „Bei einer zeitgemäßen Lehre sollte es neben der breiten allgemeinmedizinischen Arbeitsweise auch um die Vermittlung der sogenannten Soft Skills gehen, zu denen Empathie, Patientenorientierung, interkulturelle Kommunikation, Gesundheitsmedizin und die Freude an einem Beruf, in dem Menschen im Mittelpunkt stehen, gehören“, listet er auf.

Sichtweisen und Bedürfnisse

Die Bedeutung des Hausarztes im System untermauert auch eine kürzlich vorgestellte Studie. Der zufolge genießen Allgemein- und Familienmediziner in Österreich eine Zustimmung von 90 Prozent. Will heißen, die Bevölkerung vertraut niemandem mehr als ihrem Hausarzt. „Das stellt eine außergewöhnliche Wertschätzung der fachlichen und sozialen Kompetenz der Allgemeinmedizin dar“, fasst Thomas Jungblut zusammen. Die soll erhalten werden. In diesen Prozess wollen die Ärztekammer, die Kurie der niedergelassenen Ärzte sowie die Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin die junge Kollegenschaft frühzeitig mitnehmen. „Das Anforderungsprofil kann nicht alleine auf Erfahrungen aus der Vergangenheit aufbauen, sondern muss die Sichtweisen und Bedürfnisse der künftigen Allgemein- und Familienmediziner berücksichtigen“, betont Burkhard Walla. So soll im Rahmen von „afm.nextgeneration“ über das Berufsbild ebenso diskutiert werden wie über Organisationsformen, Arbeitszeitmodelle und die gesamte universitäre Ausbildung. Ziel der Vorarlberger Ärztekammer ist ein eigenes Ausbildungsfach für Allgemein- und Familienmedizin, das mit einem Facharztdiplom abgeschlossen wird und allen anderen Fachärzten gleichgestellt ist. Am Mittwoch, 10. Juli 2019, findet um 19.30 Uhr im Gesundheitsforum der Vorarlberger Gebietskrankenkasse die Informationsveranstaltung „Traumberuf mit Zukunft“ statt. Ein breiter Informations- und Erfahrungsaustausch soll Maturanten, Medizinstudenten und Jungärzte vernetzen, um einen umfassenden Diskussionsprozess in Gang setzen und zukunftsweisende Antworten für die Allgemein- und Familienmedizin 2030 finden zu können.