Alexander Biach plädiert für Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich

VN / 05.07.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexander Biach wird künftig als Standortanwalt in Wien arbeiten. VN/PAULITSCH

Der scheidende Hauptverbandsvorsitzende Alexander Biach (45) zieht Bilanz.

Schwarzach Mit Jahresende ist nicht nur die Vorarlberger Gebietskrankenkasse, sondern auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger unwiderruflich Geschichte. Derzeit absolviert der Verbandsvorsitzende Alexander Biach so etwas wie eine Abschiedstour durch die Länder. Mit im Gepäck hat er den Appell, den Weg weiterhin gemeinsam zu gehen. „Durch die koordinierte Vorgehensweise konnten wir viel verbessern“, resümiert Biach.

Finanziell können Sie mit 260 Millionen Euro Überschuss eine stolze Bilanz vorweisen. Fürchten Sie nicht auch den Vorwurf der Versicherten, dass man dieses Geld in Leistungen investieren sollte?

Biach Dieser Vorwurf wäre unberechtigt, denn wir haben nicht bei den Menschen gespart. Wir haben es erstmals seit Jahrzehnten geschafft, die Leistungen für die Versicherten zu harmonisieren, das heißt, sie bekommen jetzt vom Bodensee bis zum Neusiedlersee die gleichen Zuschüsse, sie bezahlen die gleichen Selbstbehalte, und sie erhalten die gleichen Kassenleistungen. Das hat rund 84 Millionen Euro gekostet. Außerdem haben wir zusätzliche Ärzteverträge um 100 Millionen Euro abgeschlossen. Inzwischen schauen die Prognosen leider nicht mehr ganz so gut aus. Das hat weniger mit der abklingenden Wirtschaftslage zu tun als mit einer neuen Dynamik im Kostenbereich.

Meinen Sie konkret die laufende Umstellung oder die versprochene Patientenmilliarde?

Biach Dass die Patientenmilliarde bis jetzt noch keine tatsächliche finanzielle Untermauerung gefunden hat, ist kein Geheimnis, aber es gäbe sie, wenn wir den Weg gemeinsam mit den Spitälern, sprich den Landesregierungen, weitergehen würden. Im Gremium der Zielsteuerung werden die Gelder aus dem Spitals- und niedergelassenen Bereich zusammengelegt, und dann wird gemeinsam geplant, eingekauft und vergeben. Damit agierten wir immer unter dem selbst auferlegten Kostendämpfungspfad. Dieser Trend nimmt ab. Wir sind zwar in der Summe noch unter dem Deckel, wenn es so weitergeht, durchbrechen wir ihn jedoch bald wieder.

Wie groß wird der Spielraum sein, der den ÖGK-Landesstellen bleibt?

Biach Ich glaube, die Praxis wird zeigen, dass es nicht geht, dass man von Wien aus alles vorgibt. Sie werden nicht die Verträge mit den Ärzten in Vorarlberg über Wien verhandeln können. Das ist im Übrigen auch nicht vorgesehen. Geplant ist ein einheitlicher Leistungskatalog, das Ärztehonorar muss allerdings schon länderweise ausverhandelt werden. Genauso ist eine weitere Zusammenarbeit der Zielsteuerungskommissionen auf Landesebene vorgesehen. Wir haben damit gute Erfolge erzielt, und mein Appell für die Zeit danach richtet sich darauf, diesen Weg weiterzugehen.

Man sollte sich also nicht auf Nebenschauplätze wie neue teure Logos konzentrieren?

Biach Ich persönlich finde es klug, neue Logos zu machen. Natürlich lässt sich über die Höhe der Kosten diskutieren, wenn die Menschen das Sozialversicherungssystem jedoch kzeptieren und den Wert wieder erkennen sollen, müssen sie auch neue Kleider sehen. Wir haben viel dazu getan, dass in den Kleidern etwas Gutes steckt, aber so ein Logo ist wichtig, denn es schafft Identifikation. Man sollte solche Debatten grundsätzlich hintanhalten und sich stattdessen öfter zusammensetzen und mehr miteinander verhandeln.

Wie beurteilen Sie die Führung der ÖGK?

Biach Es steht mir nicht zu, über die Führung zu reden. Ich glaube, dass diejenigen, die jetzt ins Geschäftssystem gewählt wurden, sehr gute und erfahrene Manager sind. Die kommen ja auch aus dem Hauptverband. Es dürfte also nicht so schlecht gewesen sein, was wir dort gemacht haben. Worauf ich hoffe, ist eine Aufwertung des neuen Dachverbandes. Derzeit hat er eher eine moderierende statt richtungsgebende Bedeutung, das ist meiner Ansicht nach falsch. Auch wenn es nur noch fünf Träger gibt, braucht es in der Sozialversicherung eine starke österreichweite Führung.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Biach Ich wurde mit 1. Juli zum Standortanwalt für Wien bestellt. Als solcher möchte ich eine Stimme für kluge und moderne Infrastrukturprojekte sein.

Sie waren knapp drei Jahre im Amt. Mit welchem Gefühl gehen Sie?

Biach Es macht mich stolz, dass ich das System eine Zeitlang mitgestalten konnte. Durch eine koordinierte Vorgehensweise haben wir sehr viel erreicht. Ich erinnere an die Einführung von ELGA, die E-Medikation oder die Leistungsharmonisierung. Wir haben auch extrem viel für die Kinder- und Jugendgesundheit getan. Dennoch würde ich mit einem ruhigeren Gewissen gehen, wenn ich wüsste, dass man die Zusammenarbeit mit allen Akteuren konsequent weiterführt. Das wäre auch mein Appell an die neue Bundesregierung. Im Endeffekt müsste dieser Reformprozess ein voneinander Lernen werden und nicht ein Gleichschalten.