Bregenzer im Festspiel-Olymp

Kultur / 06.07.2019 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Regisseur Philipp Preuss ist seit Jahren an großen deutschsprachigen Bühnen tätig. Mit der Ausstatterin Ramallah Aubrecht hat er bereits zahlreiche Stücke umgesetzt. apa
Regisseur Philipp Preuss ist seit Jahren an großen deutschsprachigen Bühnen tätig. Mit der Ausstatterin Ramallah Aubrecht hat er bereits zahlreiche Stücke umgesetzt. apa

Philipp Preuss setzt mit Ramallah Aubrecht ein Stück bei den Bayreuther Festspielen um.

Christa Dietrich

Bayreuth, Bregenz 1876 vom Komponisten Richard Wagner (1813–1883) selbst zur Aufführung seiner großen Bühnenwerke gegründet, markieren die Bayreuther Festspiele sozusagen den Start der großen sommerlichen Opern- und Klassikfestivals. Obwohl in der fränkischen Provinz situiert, richtet sich die Aufmerksamkeit der gesamten Musikwelt auf das Geschehen im eigens dafür gebauten Haus auf dem sogenannten Grünen Hügel über der Stadt. Die namhaften Künstler, die dort auftraten und die Festspielgeschichte prägten, sowie die hohe Qualität der Produktionen trugen Entscheidendes zum Ruf dieses Unternehmens bei. Dass die Leitung dynastisch organisiert ist und mit Katharina Wagner mittlerweile eine Urenkelin des Komponisten die künstlerische Verantwortung trägt, zählt zu den Besonderheiten dieser Festspiele, deren Geschichte nicht nur Musikexperten, sondern auch zahlreiche Historiker beschäftigte.

Im Besonderen geht es dabei um die Nähe einiger Familienmitglieder zu den Nationalsozialisten und zur späteren Offenlegung solcher Bezüge. Einschneidende Folgewirkung hatte dabei auch der frühe Tod von Richard Wagners Sohn Siegfried (1869–1930), der von Wagners Witwe Cosima (1837-1930), einer Tochter von Franz Liszt, als Nachfolger bestimmt wurde und eine Frau mit vier minderjährigen Kindern hinterließ. Siegfried Wagner war auch als Dirigent tätig und verfasste einige Opern, die kaum nocht aufgeführt werden, wie etwa das an einige Grimm-Märchen angelehnte Werk „An allem ist Hütchen schuld!“.

Stück über Siegfried Wagner

Aus Anlass des 150. Geburtstags des einstigen Festivalleiters vergaben die Bayreuther Festspiele ein Auftragswerk, in dem sich die Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel mit der Person Siegfried Wagner auseinandersetzen. Dieses Werk sei nicht als biografischer Bilderbogen zu verstehen, sondern laut Festspielleitung eine „hochemotionale, zugespitzte und intensive Selbstreflexion des widerspruchsvollen Künstlers und Sohns von Richard Wagner“. Schonungslosigkeit, Ironie, aber auch Traurigkeit zeichnen den Text aus, der ab dem 13. August in Bayreuth auf die Bühne kommt, und zwar im Reichshof, einem Veranstaltungshaus im Zentrum der Stadt.

Die Inszenierung wurde dem Bregenzer Philipp Preuss (geb. 1974) übertragen. Er arbeitet seit Jahren an großen deutschsprachigen Bühnen, hat am Wiener Volkstheater inszeniert und an der Berliner Schaubühne Projekte wie „Das Kalkwerk“ (nach einem Text von Thomas Bernhard) und „Voyage“ umgesetzt, die lange auf dem Spielplan blieben. Neben Arbeiten am Schauspiel Frankfurt oder am Residenztheater München war er häufig am Schauspiel Leipzig tätig, wo er mittlerweile Hausregisseur ist. Mit der Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht (geb. 1975 in Bregenz) hat er bereits vor Jahren eine Künstlerin gefunden, die die vielschichtigen Ideen optisch umsetzt bzw. Entwürfe liefert, die die intensive Auseinandersetzung mit den Texten und der Sekundärliteratur auf den Punkt bringen. Preuss und Aubrecht haben sich somit längst als Künstlerduo einen Namen gemacht.