Beschlägehersteller Blum hat China im Visier

11.07.2019 • 20:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Generationenwechsel in der Geschäftsleitung: Martin und Philipp Blum präsentierten die Kennzahlen des Geschäftsjahres. VN/RAUCH

Umsatzsteigerung auf 1,887 Milliarden Euro. China-Produktion geplant. Generationswechsel vollzogen.

Höchst Die Übergabe des Familienunternehmens an die dritte Generation ist abgeschlossen. Gerhard E. Blum ist mit Ende Juni von der operativen Geschäftsführung in die Holding gewechselt, wo er weiterhin in die strategischen Entscheidungen mit eingebunden ist. Sein Sohn Philipp und sein Neffe Martin Blum bilden nun zusammen mit Urs Bolter und Gerhard Humpeler die neu formierte Geschäftsleitung. Sie seien in den vergangenen Jahren schrittweise in die Verantwortung hineingewachsen, erklären Philipp und Martin Blum anlässlich der Präsentation der Zahlen zum Wirtschaftsjahr 2018/19.

Und dieses war wieder ein sehr positives für den Beschlägehersteller. Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent auf 1,887 Milliarden Euro und wurde mit Kunden in 120 Märkten weltweit erwirtschaftet. Konkret stammen 48 Prozent davon aus dem EU-Raum und 15 Prozent aus dem wichtigsten Einzelmarkt USA. „In Westeuropa war die Entwicklung mit Ausnahme von Spanien, Portugal und den Benelux-Staaten verhalten. Großbritannien lag aufgrund des Lageraufbaus aufgrund des möglichen Brexit deutlich im Plus. Die Märkte Osteuropa, Nordamerika, Afrika und Asien entwickelten sich sehr positiv. Ein Wermutstropfen war jedoch die Türkei, wo wir einen massiven Einbruch von gut einem Drittel verzeichnen mussten, und auch in Südamerika gab es eine stagnierende Bewegung“, fasst Philipp Blum zusammen.

Zum Stichtag 30. Juni 2019 arbeiteten 7983 Personen, davon 6037 in Vorarlberg, für den Beschlägehersteller. Das sind 372 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr. Mit 1. September kommen 103 neue Lehrlinge hinzu. Damit könne man einen guten Teil des Fachkräftebedarfs im technischen Bereich abdecken. 25 davon sind Mädchen. Man hoffe, dass sich dieser Trend verfestige, sagt Philipp Blum.

Dass der Pro-Kopf-Umsatz leicht zurückging, sei indes kein Grund zur Sorge. Man habe mehr Mitarbeiter eingestellt, als das Unternehmen gewachsen ist. In Zusammenhang mit den hohen Investitionen gehe man hier in Vorleistung.

Das Werk 4 in Bregenz wird neuerlich erweitert. Blum
Das Werk 4 in Bregenz wird neuerlich erweitert. Blum

Apropos Investitionen: 87 Prozent der Gesamtinvestitionen von 242 Millionen Euro, die im vergangenen Wirtschaftsjahr getätigt wurden, fielen auf die Standorte in Vorarlberg. So wurde das neue Stanzzentrum in Dornbirn, in das insgesamt 71 Millionen Euro flossen, fertiggestellt. Ebenso die Erweiterung der Büro- und Versandflächen im Werk 2 in Höchst sowie die Erweiterung des Werks in Bregenz mit einer Gesamtinvestition von 98,6 Millionen Euro. Dort geht es nun weiter. Denn in einem nächsten Schritt soll bis Sommer 2021 in der Festspielstadt eine neue Produktionshalle mit 49.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Ein Grund für die Erweiterung sei die Markteinführung des neuen Boxsystems Merivobox, das den Möbelherstellern eine Plattform mit großer Vielfalt bei der Gestaltung biete.

Produktion in China

Produziert werden soll bald auch in China. Dort herrsche eine hohe Dynamik, was sich für Blum in einem kontinuierlichen Wachstum auswirkt. Der Beschlägehersteller hat sich in der Nähe des heutigen Standorts ein 60.000 Quadratmeter großes Grundstück gesichert und plant den Aufbau einer lokalen Montage und eines automatischen Hochregallagers. Details sind noch keine konkretisiert. „Wir bekennen uns zu unserem Hauptstandort Vorarlberg. Aber genauso gehen wir mit der Produktion zum Markt, wenn es aufgrund der lokalen Nachfrage logistisch sinnvoll ist. Vor 40 Jahren haben wir in den USA die lokale Produktion gestartet, heute sehen wir eine ähnliche Situation in China“, erklärt Martin Blum die Strategie des Unternehmens, das sich im Sinne der Nachhaltigkeit auch dazu verpflichtet hat, bis zum Jahr 2025 100 Prozent klimaneutral zu sein.

Verhalten optimistisch

Auf das laufende Wirtschaftsjahr 2019/2020 blickt man bei Blum „verhalten optimistisch“. Unsicherheiten sehe man durch den nicht geregelten Brexit, den immer wieder aufflammenden Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie in der wirtschaftlichen Situation in der Türkei. Die breite Marktpräsenz sei aber eine gewisse Risikoabsicherung. Zudem setze man weiterhin auf Innovationskraft. Neu im Programm sind beispielsweise Pocketsysteme zum Verschließen von Nischen in großen Möbelfronten sowie der Sockeltritt mit Stauraumfunktion. Zudem beschäftige man sich mit dem Thema „smart home“ und hier vor allem mit dem sprachgesteuerten Öffnen und Schließen von Möbeln. „Wir loten derzeit aus, was möglich ist“, sagt Philipp Blum. Insgesamt sei einiges im Umbruch. „Trotzdem sind die Stabilität im Unternehmen und vor allem auch die Wertehaltung gewährleistet.“

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