Montafon will Zukunft auf Schiene bringen

11.07.2019 • 15:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Land und Talschaftsgemeinden präsentierten in der Landeshauptstadt eine Machbarkeitsstudie für eine Verlängerung der Montafonerbahn. Als Bestvariante gilt ein kombiniertes „Tram-Train-System“. VN

Montafonerbahn soll 15 Kilometer länger werden. Studie prüfte Machbarkeit von Jahrhundertbauwerk um 284 Millionen Euro für die Talschaft.

Bregenz, Schruns Zwei Dinge gleich vorweg: Die technische Machbarkeit wurde mit positivem Ergebnis geprüft, ob und wann ein Baustart erfolgen könnte, steht freilich alles andere als fest. Die Rede ist von einer Verlängerung der Bahntrasse der Montafonerbahn. Die Bahn ist im Montafon ein beliebtes Verkehrsmittel und bildet das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Talschaft mit ihren zehn Kommunen. Die elektrisch betriebene Montafonerbahn gehört zu den Privatbahnen mit den stärksten Fahrgastzuwächsen in Österreich: 2017 wurden insgesamt 1,44 Millionen Fahrgäste transportiert, das sind um 86.000 mehr als im Jahr davor.

Es geht um 15 Kilometer

Die Idee einer Bahntrasse bis ins Hochmontafon zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Montafonerbahn. Seit mehr als einem Jahrhundert wird immer wieder über eine Weiterführung bis Gaschurn diskutiert, für den Bau des Vermunt-Stausees wurde zwischen 1928 und 1953 eine Schmalspurbahn nach Partenen geführt, zeitweise auch mit einem Salonwagen für Fahrgäste. Bereits 1992 wurde in einer Verkehrsstudie von Besch & Partner eine Bahnverlängerung geprüft. Auch in einem Ideenwettbewerb wurde ein „leistungsfähiges, elektrisch betriebenes Mobilitätsband“ für eine künftige räumliche Entwicklung als beste Idee präsentiert, um die wesentlichen Attraktionspunkte im Tal zu verbinden und an lokale Mobilitätsräume anzuknüpfen. Die Trasse von Bludenz nach Schruns ist derzeit rund 13 Kilometer lang, von Schruns nach Gaschurn sind es weitere 15 Kilometer Trasse. Derzeit wird das Hochmontafon ab Schruns durch ein regionales Bussystem abgedeckt, betrieben von der mbs Bus GmbH, während im Außermontafon Richtung Bludenz die Bahn das dominierende Verkehrsmittel ist, beschreibt Studienautor Christoph Breuer vom Institut Kairos die Ausgangssituation.

Visionsprozess als Grundlage für Mobilitätszukunft

Seit 2012 wurden verschiedene alternative Verkehrsmittel im Montafon in einer vertieften Auseinandersetzung geprüft, von der Seilbahnverbindung bis zum Monorail-System. Aus diesen Visionen wurde schließlich die Machbarkeitsstudie und damit eine solide Grundlage für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung im Montafon, erklärt Standesrepräsentant Herbert Bitschnau und nennt die Vorgaben für die Machbarkeitsstudie: „Ein Ausbau der Montafonerbahn von Bludenz bis Gaschurn, der die wichtigen Ziele für Einheimische und Gäste anfährt. Durch eine entsprechende Leistungsfähigkeit sollen auch Fahrgastspitzen kostengünstig bedient werden können, kürzere Fahrzeiten sollen eine attraktive, elektrisch betriebene Mobilitätsachse für das ganze Tal sichern. Ziel ist es, wie in anderen Pionierregionen die Zahl der Fahrgäste durch die Nutzung touristischer Entwicklungsmöglichkeiten mittelfristig zu verdoppeln.“

Bekenntnis zu zeitgemäßer Mobilität

Der Stand Montafon hat im Mai 2019 einen zukunftsweisenden Beschluss gefasst, damit das Montafon als attraktiver Lebensraum und Wirtschaftsstandort wieder gestärkt werden kann. Eine zeitgemäße Mobilität und der Bahnausbau werden von den Talschaftsbürgermeistern vor allem im Hinblick auf die jüngere Generation als wesentliche Voraussetzungen dafür gesehen. Das Land Vorarlberg unterstützt die Zielsetzungen der weiteren Attraktivierung des ÖPNV-Systems im Montafon und hat die Machbarkeitsstudie mitbeauftragt und mitfinanziert, erklärten Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP) und Landesrat Johannes Rauch (Grüne). „Die Studie liefert uns wichtige Erkenntnisse zu Trassenführung, Betriebskonzept, Investitionskosten etc., um auch die Gemeinden St. Gallenkirch und Gaschurn mit der Bahn zu erschießen. Wir können nun abschätzen, wo eine verlängerte Bahntrasse verlaufen würde. Unser zentrales Anliegen ist es, im Sinne einer vorausschauenden Verkehrspolitik rechtzeitig die erforderlichen Flächen zu sichern, um hier Handlungsspielräume für die Zukunft offen zu halten.“ Rüdisser und Rauch betonen, dass aus Sicht des Landes mit der Machbarkeitsstudie eine fundierte Grundlage für die nächsten Schritte vorliegt. „Auf den Ergebnissen zu den möglichen Bahnfahrplänen kann nun im nächsten Schritt die Busplanung aufsetzen – ein wichtiger Puzzlestein zum Gesamtbild des öffentlichen Verkehrs bei einer Bahnverlängerung. Intelligent kombiniert, bieten Bus und Bahn zusammen attraktive Reiseketten auch über längere Distanzen. Gleichzeitig wollen wir aber auch keine falschen Hoffnungen wecken: Der Weg bis zur Umsetzung einer Schienenverlängerung ist noch ein weiter.“

„Wir wollen keine falschen Hoffnungen wecken: Der Weg bis zur Umsetzung ist noch ein weiter.“

Karlheinz Rüdisser, Statthalter