Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Echt jetzt…?

VN / 10.09.2019 • 13:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die eine marschiert mit einer Fackel in der Hand inmitten Hunderter Rechtsextremer durch Wien, hält eine flammende Rede und will dabei nicht bemerkt haben, mit wem sie da unterwegs war. Der andere gibt einem rechtsextremen Magazin ein Interview, weiß aber später gar nicht, mit wem er da gesprochen hat.

Es wird dieser Tage viel über Österreichs Innenpolitik geschrieben. Aber eigentlich fällt einem nur noch Karl Kraus ein. Der berüchtigte Autor hat seine „letzten Tage der Menschheit“ in 220 Szenen gegossen. Darin versucht unter anderem ein Reporter einem völlig vertrottelten General mehr über das Schicksal der dritten reitenden Artillerie-Brigade zu entlocken. Dessen Antwort lautet in etwa: „I … waß nix … die dritte, reitende … Tatü Tata Tatü Tata …“

Das Werk ist rund 100 Jahre alt. Tatsächlich skizziert es eine geradezu beängstigende Aktualität. Des Wortes „Realsatire“ eingedenk fragt man sich bang, ob es für hiesige politische Karrieren wirklich Voraussetzung ist, dass die oder der Bewerber nicht mehr alle Murmeln beieinanderhat.

Thomas Matt
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