Reisereportage: Das Lausitzer Seenland

Reise / 15.09.2019 • 09:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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In der Lausitz entsteht Europas größte künstliche Wasserlandschaft mit Sandstränden, Häfen und Radwegen.

Deutschland Einst prägte der Bergbau die Lausitz. Seit den 1970er-Jahren erlebt die Region einen Strukturwandel. Aus stillgelegten, gefluteten Tagebaugruben entsteht die größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas: das Lausitzer Seenland, halb in Sachsen, halb in Brandenburg. Wer in diesem Stück Lausitz die unberührte, wildromantische Natur sucht, kommt derzeit ein Jahrhundert zu spät oder ein Jahrzehnt zu früh. Denn vor über 150 Jahren begann der Mensch die Erde zu schinden. Weil er an die Kohle wollte, holzte er Wälder ab, verjagte Tiere und manchmal, wenn Dörfer den Baggern im Wege hockten, auch seinesgleichen. Bergleute holten über zwei Milliarden Tonnen Braunkohle aus bis zu 60 Metern Tiefe. Nun also ist die verletzte Gegend riesige Landschaftsbaustelle. Zwischenlandschaften nennen die Experten den aktuellen Status. Wenn 2026 der Altdöberner See als letzter geflutet ist, wird die gesamte Wasserfläche rund 15.000 Hektar betragen, etwa doppelt so viel wie die der Seen bei Leipzig.

„Energiefabrik“ Knappenrode

Ein Rückblick: Zweimal ertönt die Sirene. Die Menschen, die sich jetzt beeilen, sind keine Kohlekumpel mehr, sondern Museumsbesucher. Und der Sirenenton ist Ausstellungsstück, wie alles in der Brikettfabrik Knappenrode bei Hoyerswerda. Die nennt sich heute „Energiefabrik“ und ist als Lausitzer Bergbaumuseum Teil des Sächsischen Industriemuseums. Besucher ersteigen den transparenten Turm vor der Backsteinfassade, gehen über eine Brücke in die oberste Etage und folgen dann immer treppab dem Weg der Rohbraunkohle zum Brikett. Über einen bequemen Steg. Ohne den Kohlestaub einzuatmen. Ohne die brennende Hitze der Trockner zu spüren. Hier ist zu erfahren, warum die Gegend so ist, wie sie ist. Etwas vom Beginn der Förderung in Schächten, von den Tagebauen, den Fabriken und den Werkssiedlungen, von Grubenloks und Draisinen, von Findlingen und Mineralien.

Der Leuchtturm am Geierswalder See, nur einem der 25 künstlichen Seen im Lausnitzer Seenland. Shutterstock
Der Leuchtturm am Geierswalder See, nur einem der 25 künstlichen Seen im Lausnitzer Seenland. Shutterstock

Dennoch – und eigentlich gerade deshalb – kennt die Gegend auch Idylle. Sie scheint aus einer anderen Welt und hat sich doch schon überall breitgemacht, am Geierswalder See zum Beispiel. Hier dümpeln die angeleinten Segelboote vor sich hin. Ein paar Gäste bevölkern den Freisitz des Hotels. Sogar ein Leuchtturm grüßt in die nahe Weite. Am Badestrand liegt eine ganze Armada Wasserverkehrsmittel auslaufbereit am Ufer: Segelboote, Katamarane, Surfbretter, Kanus und ein paar Tretboote. Der Hafenwart hat an sein Häuschen geschrieben, wenn der Wimpel unten ist, sei er außer Dienst. Aber er sitzt, beobachtet das Geschehen und reicht dann doch ein Heftchen herüber, in dem alles zur Seenlandschaft zu erfahren ist: Sie umfasst 25 künstliche Seen, da sind nur die von über 100 Hektar mitgezählt, und mehrere kleine Naturseen. Zehn von den großen werden künftig – hier und da fehlt noch eine Schleuse – über schiffbare Kanäle verbunden sein. Ein Dutzend solcher Kanäle ist im Entstehen, acht sind schon fertig. 2019 soll noch der Barbarakanal den Senftenberger mit dem Geierswalder See verbinden, sodass Freizeitkapitäne bis zum Partwitzer See schippern können.

Schon jetzt gelangt man vom Geierswalder hinüber auf den Senftenberger See. Hier sind sogar schon Nobel-Hotellerie und Spitzen-Gastronomie anzutreffen. Eine Brasserie mit Seeterrasse hat zwischen Wasserrutsche und feinsandigem FKK-Strand Platz gefunden. Ein Stück weiter verbreitet der Hafen Senftenberg Küsten-Feeling.

Jetskifahren auf dem Geierswalder See. Tourismusverband Lausitzer Seenland / Nada Quenzel
Jetskifahren auf dem Geierswalder See. Tourismusverband Lausitzer Seenland / Nada Quenzel


Wassersport aller Art

Fast jeder der Seen hat Badestrände. Aber der Gast kann es auch lebhafter haben: Für Segler und Surfer geeignet sind vor allem der Senftenberger, Geierswalder und Bärwalder See. Kitesurfer finden sich bei Südost- oder Südwest-Wind an einem von drei Spots auf dem Bärwalder See inmitten des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ein. Auch Wasserski- und Wakeboard-Fahrten sind möglich: Am Halbendorfer See an einer Seil-Liftanlage und auf dem Geierswalder See hinter dem Motorboot. Am Partwitzer See liegt eine Jetski-Basis mit Verleih, Fahrerlager, Bar und einem der wenigen Jetski-Rennkurse in Deutschland. Marlis Heinz (SRT)

Lausitzer Seenland

Lage Das Seenland erstreckt sich über Sachsen und Brandenburg, ca. 150 Kilometer südlich von Berlin, 60 Kilometer nördlich von Dresden.

Gebiet 25 Seen mit einer Gesamtfläche von über 14.800 Hektar, davon künftig zehn Seen mit schiffbarer Verbindung.

Infos www.lausitzerseenland.de