Adele Neuhauser erzählt im VN-Interview aus ihrem Leben

Menschen / 05.10.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sechs Selbstmordversuche hat sie hinter sich, heute ist Adele Neuhauser voll und ganz im Leben angekommen.  dpa

Die Schauspielerin kommt am 22. Oktober zu einer Lesung ins Kulturhaus nach Dornbirn.

Sie kommen demnächst nach Vorarlberg und lesen aus Ihrer Autobiographie „Ich war mein größter Feind“. Wie schwierig war es für Sie, Ihr Inneres dabei nach außen zu kehren?

Ich gehe Situationen, Gefühlen jeglicher Art gerne auf den Grund und insofern war es gar nicht so schwierig. Schwieriger war es, sich zu erinnern.

War das Schreiben dieses Buches für Sie mehr Therapie oder ging es Ihnen darum, anderen Betroffenen damit vielleicht zu helfen?

Es war in gewisser Weise beides. Über meine Suizid-Versuche hatte ich ja schon vor Jahren öffentlich gesprochen, eben auch, um anderen zu zeigen, dass man sich auch wieder aus einem dunklen Loch herausziehen kann. Aber diesmal ging es bei diesem Buch hauptsächlich um mein Leben. Während der Arbeit an meiner Biografie habe ich meine Eltern und meinen Bruder verloren. So wurde das Schreiben auch ein Stück weit Therapie.

Sie haben sechs Suizid-Versuche hinter sich. Wie lange hat es gedauert, bis Sie seelisch im Leben angekommen sind, bis Sie die Lebensfreude für sich entdeckt haben?

Die Lebensfreude hatte ich immer schon, aber eben auch die dunklen Begleiter. Mit 21 Jahren hatte ich dann endlich genug von den Selbstverletzungen und beschloss endlich, mich vollends dem Leben zu geben.

Haben Sie das Gefühl, dass die schweren Zeiten, in denen Sie sich hilflos und schwach gefühlt haben, Sie schlussendlich stark gemacht haben?

Natürlich, in gewisser Weise ist das so. Ist aber auch ganz logisch. Wenn es uns schlecht geht, graben wir tiefer in unserem Leben, stoßen dabei oft auch auf unliebsame Dinge in uns. Wichtig ist nur, dass wir diese auch bewusst ansehen und so können wir im Leben auch vieles korrigieren.

Was würden Sie einem Menschen raten, der in einer ähnlichen psychischen Krise steckt, wie Sie sie jahrelang erlebten?

Auf alle Fälle würde ich ihm raten, sich Hilfe zu holen. Ich weiß das, erfordert Mut. Aber lieber den Mut aufbringen, sich einem Menschen anzuvertrauen, als den unglücklichen Mut aufzubringen, Hand an sich zu legen.

In Ihrer Rolle als Tatort-Kommissarin Bibi Fellner spielen Sie auch eine zerrissene Seele. Spielen Sie sich darin teilweise selber?

Egal, welche Charaktere ich verkörpere, ich nähre sie doch alle aus meinem eigenen Sein. Insofern hat jede Figur auch immer sehr viel mit mir selbst zu tun. Bibi Fellner ist ein Charakter, den ich sehr schätze und in vielen Dingen sind wir uns ähnlich. Besonders im Aussehen.

Was ist ihr größter Wunsch für die Zukunft?

Dass mein Sohn und seine kleine Familie gesund und glücklich sind. FA