„Männer sind Vorsorgemuffel“

VN / 08.11.2019 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Ilija Damjanoski

Männer und ihre Gesundheit stehen im November im Mittelpunkt, dank der „Movember“-Bewegung. Fragen an den Experten, den Lustenauer Urologen Dr. Ilija Damjanoski.

Bettina Maier-Ortner

Lustenau, Schwarzach Der internationale Tag des Mannes ist am 19. November und der Monat November steht aufgrund der „Movember“-Bewegung ganz im Zeichen des Schnauzbarts und damit der Männergesundheit. Die VN haben dem Lustenauer Urologen Dr. Ilija Damjanoski fünf Fragen zum Thema gestellt.

Wie wichtig ist so ein Monat, um an die „Männervorsorge“ zu erinnern?

Dr. Ilija Damjanoski: Der Monat November hat sich über die letzten Jahre im Sinne der urologischen Vorsorge hervorragend entwickelt. Natürlich helfen da Zeichen wie Schnauzbart („Movember“) oder auch zahlreiche Veranstaltungen unterstützt durch den Berufsverband der Urologen (BvU), die österreichische Gesellschaft für Urologie (ÖGU) und die Krebshilfe Österreich, die Männer für eine Vorsorgeuntersuchung zu sensibilisieren. Hier sind erfreulicherweise auch lokale Gruppen wie der Verein Vorarlberger Selbsthilfe Prostatakrebs tätig und für uns Urologen eine große Unterstützung. 

Männer gelten als Vorsorgemuffel: Ab welchem Alter sollte Mann was bei der Vorsorge regelmäßig untersuchen lassen?

Damjanoski: Männer sind Vorsorgemuffel, wobei sich eine Besserungstendenz zeigt. Unverändert werden jedoch weiterhin noch viele von der Ehefrau oder dem Lebenspartner zur Vorsorge angemeldet oder bewegt. Bei einer familiären Belastung (Vater, Bruder, Onkel mit Prostatakrebs) ist eine Vorsorgeuntersuchung ab dem 40. Lebensjahr im jährlichen Abstand entsprechend unseren Leitlinien (S3 Leitlinie Prostatakrebs) zu empfehlen. Ohne familiärer Vorbelastung ab dem 45. Lebensjahr. 

Für welche Krankheiten sind Männer im Vergleich zu Frauen besonders anfällig?

Damjanoski: Zieht man die Daten des deutschen Robert-Koch-Instituts heran, so ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes das Prostatakarzinom. Dicht gefolgt vom Darmkrebs und abhängig ob Raucher oder Nichtraucher der Krebs der Harnblase. Etwas abgeschlagen aber immerhin auf Platz 7 liegt der Nierenkrebs und ein wenig weiter dahinter der Hodenkrebs. Somit finden sich die häufigsten urologischen Tumore unter den Top 10 der Häufigkeitsstatistik. Die gleiche Statistik gibt es natürlich auch für Frauen, wobei hier der Brustkrebs an erster Stelle steht. Es ist eher schwer zu sagen, für welche Krankheit Männer anfälliger sind als Frauen. Hier sind eher der Ursprung und die Exposition (z.B. Berufskrankheiten) zu unterscheiden. 

Haben Männer im Vergleich zu Frauen immer noch einen riskanteren Lebensstil oder hat sich das in den letzten Jahren etwas relativiert?

Damjanoski: Betrachtet man den aktuellen Durchschnitt des Lebensalters zwischen Frau und Mann, so muss man sagen, dass ein riskanter Lebensstil wirklich relativierbar ist im Vergleich der beiden Geschlechter und insbesondere bezüglich der Entstehung einer bösartigen Erkrankung. Diese sind zwar aufgrund der Tatsache, dass wir immer älter werden zunehmend, stellen jedoch nicht die häufigste Todesursache dar. Natürlich hat auch hier die Entwicklung neuer Therapieansätze und glücklicherweise die zunehmende Akzeptanz der Vorsorgemedizin ihren Anteil. Dies hat zur Folge, dass dank der „heutigen“ Medizin aus bestimmten bösartigen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem Prostatakarzinom, eine chronische Erkrankung wird. Der Einfluss auf die Lebensqualität bleibt jedoch in jeglicher Hinsicht bestehen. 

Eines der großen Gesundheitsprobleme bei Männern ist der Prostatakrebs. Wie sehen da heute Diagnostik und Heilungschancen aus?

Damjanoski: Wir sind in der Lage mit der raschen technischen, aber auch pharmazeutischen Entwicklung bösartige Erkrankungen immer früher zu entdecken und entsprechend auch zu behandeln, bis hin zur kompletten Heilung, was ein grundlegender Unterschied ist. Dennoch muss weiterhin das Bewusstsein für die Vorsorgemedizin geweckt werden, weshalb wir über Aktivitäten, wie zum Beispiel den angesprochenen „Movember“ sehr dankbar sind und auch eine Tendenz zur Besserung sehen.